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Gedanken zum zweiten Adventssonntag von Pater Jörg Thiemann:  Liebe Schwestern, liebe Brüder, wen überkommt nicht schon einmal das Gefühl. Vieles scheint zur Routine geworden zu sein. Manche haben das Gefühl: "Was ich tue, das ist keine Herausforderung mehr." Es knirscht in den Beziehungen. Die Welt scheint im Moment aus den Fugen zu geraten. Da ist das grausame Geschehen in Trier, wo unschuldige Menschen sterben mussten, nur ein Beispiel von vielen. Doch auch wenn ich in das Leben der Kirche schaue, dann spüre ich: Es muss etwas anders werden, neu werden. Wo ist Gott in dieser Situation? Viele haben keinen Zugang zum Glauben. Gott scheint sich entweder verborgen zu haben oder - und das finde ich noch trauriger: Gott scheint zu uns keinen Zugang mehr zu finden. Da höre ich heute in der Lesung und auch im Evangelium: "Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott!" "Bereitet dem Herrn den Weg. Ebnet ihm die Straßen!" Diese Worte zeigen mir: Gott ist unterwegs zu uns Menschen. Als Jesaja diese Worte schrieb, wurde das Volk Israel vom babylonischen Exil befreit. Jesaja schrieb das dem Wirken Gottes zu. Jetzt stehen sie vor einem neuen Anfang. Was müssen die Menschen tun? Sie müssen bereit sein, Gott die Wege zu ebnen. Sie müssen das eine tun: Gott ihr Herz öffnen. Gott soll wieder neu die Mitte ihres Lebens werden. Dann kann geschehen, wovon Jesaja schreibt: "Was krumm ist, das muss gerade werden, was hügelig ist, soll sich ebnen." Jesaja meint gewaltige Veränderungen im Volk. Es sind auch wichtige Veränderungen in unseren Herzen. Doch Jesaja macht den Menschen Mut. Wo sie sich neu auf Gott einlassen, dort kann Gott wirken und auf uns zugehen. Dabei macht Gott immer den ersten Schritt auf uns zu. Wenn wir uns Gott wieder neu zuwenden, zum Beispiel, wenn wir das Sakrament der Beichte empfangen, wenn wir seine Liebe in unserem Leben versuchen zu verwirklichen, dann ist das alles unsere eine Antwort auf seine Liebe, auf seine Zuwendung zu uns. Wir müssen diese Schritte auch gehen. Nur dann bereiten wir ihm den Weg. Das kann für seine Kirche, in der es leider in den vergangenen Jahren viel Unheil gegeben hat, bedeuten, demütig zu werden. Die Kirche muss sich erneuern lassen. Sie muss konsequent Reformen angehen, um wieder neu den Zugang zu den Menschen zu gewinnen. Nötig wird es sein, aufeinander zu hören. Die Kirche muss auch den Mut haben, Machtpositionen aufzugeben. Die Kirche ist zu sehr der Macht erlegen. Wer in der Kirche wirkt, sei es hauptberuflich, sei es ehrenamtlich, muss das immer mehr im Geist des Dienens tun. Vor allem eines ist wichtig: Es muss in echter Demut geschehen, die bereit ist, Fehler einzusehen. Für jeden einzelnen kann das auch bedeuten, sich ehrlich immer wieder die Fragen zu stellen: Habe ich mit Gott, mit Jesus eine echte Liebesbeziehung. Klar kann keiner in jeder Sekunde an Gott denken. Doch Gott und unsere Beziehung zu ihm müssen immer der Grund unseres Denkens und unseres Tuns sein. Je mehr wir aus dieser Liebe heraus leben, je mehr wir uns öffnen, umso mehr können wir diese Liebe an unseren Mitmenschen weitergeben. So kann es uns gelingen, Jesus den Weg auch zu unseren Mitmenschen zu bahnen, so wie es Johannes tat. Johannes wusste: Der, den er verkündet, hat Größeres zu schenken - den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist es, der uns erneuert, immer wieder herausholt aus Gewöhnlichem, der Neues wirkt. Der Mensch, der Neues wirken will, für den wird nichts so weitergehen. Werden wir offen für Gott, der kommt.

Frau Sigrid Kliem, Schulrektorin unseres Gymnasiums in Maria Veen, stellte sich den Fragen von Pater Andreas Rohring CMM. Vor allem interessierte es ihn, wie die Schule in dieser Zeit der Corona Pandemie bestehen kann.

Gibt es Corona-Fälle an dieser Schule? Und wenn ja, wie geht man damit um?

Frau Kliem: Unsere Schule liegt ja sehr ländlich. Und unsere Schülerinnen und Schüler kommen aus verschiedenen Kreisen, so dass auch unterschiedliche Gesundheitsämter verantwortlich sind. Dies macht den Austausch manchmal etwas schwierig. Wir haben aber ein bisschen Glück hier. Bisher haben wir zwei Fälle gehabt. Angesteckt haben sie sich offensichtlich in häuslicher Atmosphäre, da auch Familienangehörige infiziert waren. Das hat aber eine ganze Menge Arbeit für die Kontaktnachverfolgung nach sich gezogen und hat Konsequenzen für einige MitschülerInnen gehabt, denn es gibt ja Kontaktpersonen 1. Grades und Kontaktpersonen 2. Grades. Mit dem zuständigen Gesundheitsamt haben wir reibungslos und gut zusammengearbeitet. Es ging ja darum zu klären, wer sich jetzt wirklich testen lassen muss, wer in häusliche Absonderung geht und wer in Quarantäne geht. Diese Kontaktnachverfolgung ist sehr aufwändig. Prinzipiell gilt: Kommt es in familiären Situationen zu Infektionen, wirkt sich das natürlich auch auf das Klassengefüge aus. Aber wir haben noch keinen flächendeckenden Distanz-Unterricht oder Ausfall.

Wie sieht es mit dem Präsenz-Unterricht aus?

Frau Kliem: Genau, wir haben fast vollständigen Präsenz-Unterricht.

Gibt es Überlegungen, auch Wechsel-Unterricht anzubieten? Wie würde das aussehen?

Frau Kliem: Wir haben verschiedene Modelle, die wir für einen eventuellen Hybrid-Unterricht entwickelt haben. Zum Einen, wenn wir auf die Hälfte der Schüler pro Klasse oder pro Lern-gruppe reduzieren müssen, gibt es zwei Modelle. Es gibt einmal das Modell, dass man A- und B-Wochen bildet und immer die eine Hälfte der Klasse in der A-Woche hat und die andere in der B-Woche. Dabei kann man aber auch fließend wechseln, indem man z. B. sagt, montags bis mittwochs sind die A-Schüler dran, donnerstags und freitags die B-Schüler und dann haben die B-Schüler in der zweiten Woche montags, dienstags und mittwochs Unterricht, während die A-Gruppe mit dem Unterricht donnerstags und freitags fortsetzt usw..

Hat die A-Gruppe dann die Chance, diesen Unterricht der B-Gruppe über Video zu verfolgen?

Frau Kliem: Das ist von den Politikern sehr schön ausgedacht. Die Praxis bestätigt aber, dass es nicht so ganz funktioniert. Das liegt an der Geschwindigkeit des Internet-Netzes und an der Auslastung des Netzes insgesamt in einer Region. In unserer Region sind Videokonferenzen leichter durchführbar, wenn die SchülerInnen und wir Lehrer zu Hause sind. Dann kulminieren die gleichzeitigen Zugänge zum Netz nicht hier bei uns in der Schule. Denn es gibt leider bei uns Grenzen. Wenn wir zum Beispiel hier in der Schule für den Distanz-Unterricht den Umgang mit dem Tool Video-Konferenz üben, dann können sich im Schnitt zwischen 8 und 15 Geräte gleichzeitig anmelden.

Pro Klasse, oder?

Frau Kliem: Nein, das gilt für die gesamte Schule, denn alle privaten Handys sind ja auch eingeloggt. Diese müsste man im Prinzip erst ausloggen, um dann vielleicht noch mehr aus dem Netz herauszuholen. Aber diese Netze sind von der Frequenz her überhaupt nicht hoch, das ist einfach so. Wir haben sogar schon Glasfaser und ein sehr gutes Netz, aber wir haben große Schwierigkeiten, mit ganz vielen Leuten ins Internet zu gehen. Das funktioniert nicht.

Würde es helfen, wenn die Hälfte einer Klasse zuhause über Zoom den Inhalt verfolgt und somit teilhaben kann an dem Unterricht?

Frau Kliem: Ja, das kann funktionieren, wenn man das gut eingerichtet hat. Wir haben auch dieses Video-Tool ausprobiert. Optimal ist es nicht, aber es ist zumindest eine Möglichkeit, dadurch vielfältiger Kontakt zu haben. Es ist aber auch eine Frage, ob unsere SchülerInnen zu Hause in Distanz mit ausreichendem Internetzugang und mit dem nötigen Equipment wie z. B. PC oder Laptop oder Tablet und ggfs. externen Kamera-Tools inkl. Headset ausgestattet sind. Man kann die ausreichend ausgestatteten SchülerInnen in Distanz per Video-Tool gut mit dem iPad/Tablet in den Unterricht zuschalten. Dann muss man im Prinzip nur noch eine Regelung finden, wer sich wann von außen einschalten kann, damit man überhaupt eine Struktur reinbekommt. Sie sehen, es ist sehr viel Aufwand, bis die Technik mal steht und die Prinzipien der Kommunikation über Video vereinbart sind. Die Praxis schlägt mal wieder die Theorie.

Diese Schule hat ja viele Fahrschüler. Und die Busse dürften ja voll sein. Politiker empfehlen ja, dass die Schulen unterschiedliche Zeiten für den Unterrichtsbeginn festlegen sollen. Würde das funktionieren?

Frau Kliem: Da denken die Politiker auch wieder nur an die Großstädte, in denen alle fünf bis zehn Minuten ein Bus fährt. Hier im Ländlichen sind ja die Busfahrten zu 100 Prozent miteinander vernetzt und vertaktet. Wir haben also einen Wechsel-Busverkehr zwischen unserer Schule, der Sekundarschule in Groß Reken, den weiteren Ortsteilen Rekens und den umliegenden Orten (Rhede, Lembeck, Heiden, Velen) und zum Teil nach Borken auch zum Remigianum. Diese sind alle hintereinandergeschaltet, sodass wir unterschiedliche Anfangszeiten haben und es dadurch nicht möglich ist, dass wir zum Beispiel mit einer Gruppe oder mit verschiedenen Gruppen dann zur zweiten Stunde anfangen. Es funktioniert nicht. Hier auf dem Land ist die Busfrequenz eine ganz andere als in Großstädten. In der Stadt ist es egal, ob ich jetzt den nächsten Bus nehme, weil ich immer noch pünktlich ankomme. Aber hier auf dem Land fährt der nächste Bus zwischendurch nicht mal im Stundentakt.

Ihr habt es jetzt ziemlich gut in der Schule geregelt. Ich habe gesehen, Ihr habt Pfeile auf dem Boden, wie die Laufwege sind. Wie sieht es bei den großen Pausen aus?

Frau Kliem: Wir haben klare Regelungen für die unterschiedlichen Jahrgangsstufen. Die Oberstufenschüler waren jetzt in den warmen Wochen noch draußen in unserem Schulgarten. Den haben sie geliebt, das war wirklich super. Deshalb mussten wir die Gruppe sogar aufteilen, denn er war so stark frequentiert, dass wir das mengenmäßig auch schon wieder zu viel fanden. Die Mittelstufe geht auf den Oberstufen-Schulhof und die Erprobungsstufe ist dann hier auf dem großen Schulhof und nutzt auch das Fußballfeld und das gesamte Gelände. Die Fünft- und SechstklässlerInnen brauchen das auch; sie müssen toben, sie müssen auch schreien dürfen.   

Wir haben hier in Nordrheinwestfalen ja Maskenpflicht, auch im Unterricht, und das halten unsere SchülerInnen erfreulicherweise auch wirklich zu 100 Prozent ein, das kann ich absolut garantieren. Und wenn so ein Wetter ist wie heute, dann müssen sie raus und müssen toben und Fußball spielen. Wegen der nach den Abstandsregeln gestalteten Wegführungen haben wir kleinere Zeitverzögerungen, weil wir Lehrkräfte nach der ersten großen Pause unsere Unter- und MittelstufenschülerInnen zur Vermeidung von Massenansammlungen abholen und sie von der Pause zurück ins Klassenzimmer begleiten. Wir verlieren da einige Minuten unserer 60-Minuten-Unterrichtsstunden, aber die sind auch nötig, damit sie dann wieder konzentriert im Unterricht mit Maske mitmachen können. Wir Lehrer versuchen, gut mit ihnen in Interaktion zu bleiben … und sie nicht zu überfordern.

Wie hoch ist die Akzeptanz der Maske bei den Schülern?

Frau Kliem: Sie sind sehr gut aufgeklärt, sie wissen ganz genau, warum wir die Mund-Nase-Bedeckung tragen und dass wir auch entsprechend mit ihr umgehen müssen. Das haben wir auch sehr gut mit ihnen geübt. Das war verpflichtend für unsere Klassenlehrer-Teams mit ihren Klassen zu Beginn des Schuljahres und nach den Herbstferien. Ähnlich wurden die SchülerInnen für die Prinzipien des Händewaschens, Desinfizierens und Abstandhaltens sensibilisiert. Also -dafür leg ich wirklich die Hand ins Feuer. Und ich glaube, dadurch haben wir auch wirklich die geringen Zahlen. Selbst in der kurzen Zeit, als die Alltagsmaske oder die Mund-Nasen-Bedeckung nicht im Unterricht verpflichtend war, haben mindestens 85 Prozent unserer Schüler trotzdem die Maske getragen haben, um auch uns Lehrkräfte zu schützen. Das ist eine große Solidarität der Schülerinnen und Schüler mit uns Lehrern. Es gibt also ganz wenige Diskussionen.

Im Blick auf das kommende Weihnachtsfest hat die Landesregierung ja den Ferienbeginn auf den 19. Dezember vorverlegt.

Frau Kliem: Es ist leider unglücklich gelaufen. Im Prinzip ist der Vorschlag von einem früheren Schluss vor den Weihnachtsferien viel zu früh rausgekommen. Es waren nämlich am 21. und 22.12. auch bei uns noch Klausur-Termine angesetzt und auch die Eltern, die berufstätig sind, haben Probleme, wenn ihre Kinder schon zwei Tage früher in den Ferien sind. Es wird jetzt im Nachhinein schon wieder zurückgerudert und davon gesprochen, dass die Lehrer an den beiden Tagen Dienstpflicht haben, dass Klausuren stattfinden dürfen und dass eine Notbetreuung stattfinden wird für die ersten bis sechsten Klassen. Und diesbezüglich gehen wir davon aus, dass wir dann auch einige Kinder in der Notbetreuung haben werden und dadurch dann auch einige Lehrer hier präsent sein werden und eine Notbetreuung durchführen werden, da sind wir uns sehr sicher.

Man hat ja am Anfang eines Schuljahres einen gewissen Plan, wie man sich auf die Prüfung vorbereitet, wie das sich anläuft und wieviel Lehrinhalte vermittelt werden sollen. Jetzt ist es so, dass Ihr keine Klassenfahrten habt, keine Projektwochen und so was werden nicht stattfinden, das heißt, Ihr habt eigentlich mehr Zeit, um Inhalte zu vermitteln. Ist das gut für die Schüler? Ist das für sie entlastender? Ich denke, wenn ich für einen Lehrinhalt nicht nur drei Wochen, sondern vier Wochen habe?

Frau Kliem: Ja, soweit wiederum die Theorie. Uns fehlen ja quasi drei Monate Unterricht aus dem letzten Schuljahr und wir haben das in den ersten Wochen etwas unterschätzt, also auch ich selbst. Ich kann jetzt nur von mir selbst sprechen. Ich selbst wollte eigentlich so richtig loslegen in den ersten Wochen, als wenn nichts gewesen wäre. Das hat nicht funktioniert, weil sehr viel vergessen worden ist und v.a. auch in der Grammatik und Aussprache. So habe ich quasi die neuen Unterrichtsinhalte genutzt, um die Strukturen, die sprachlichen Kompetenzen und die Methoden zu wiederholen und auch zu festigen.Es war sehr viel verloren gegangen. Also ich muss schon sagen, die Kontinuität im Unterricht spielt eine große Rolle für die nachhaltige Erweiterung der Kompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler, das ist sehr deutlich geworden. Ich glaube, das ist nun auch allen bekannt. Es haben sich wenige Kinder komplett ausgeklinkt, wenn, dann vor allen Dingen ältere Jugendliche. Einige wenige Jugendliche haben schulisch gar nichts gemacht, sondern sind z. B. arbeiten gegangen, um Geld zu verdienen, und das fällt ihnen jetzt natürlich auf die Füße. Und deshalb wird das ein Thema an unserem pädagogischen Tag (27.11.2020) sein, nämlich wie wir damit umgehen.

Einige Elternverbände fordern, dass wir für die jetzigen Achter und Neuner, die ja noch nicht im G9 sind, rückwirkend G9 einführen. Dies würde uns helfen, die entstandenen Lücken, sowohl inhaltlicher, methodischer Art, aber auch die seelischen Probleme, die durch die Corona Zeit entstanden sind, aufzuarbeiten. Und es gibt Eltern, die große Sorgen haben, dass ihr Kind das nicht schaffen kann, weil es diese Lücken hat. So gibt es zurzeit einige Elterngespräche hier bei uns, die damit zu tun haben, dass die Eltern glauben, dass eine andere Schulform für ihr Kind besser sei, obwohl wir denken, dass wir da ganz pfiffige Kerlchen und auch Mädchen haben. Es ist ja eh ein Phänomen unserer Zeit, dass wir, sobald es anstrengender wird und sobald es schwieriger wird, Ausweichmuster und -modelle entwickeln, damit wir uns nicht zu sehr belasten. Diese Konsumhaltung, die sich immer mehr verbreitet, wird dort immer deutlicher und sie hat dort ganz negative Konsequenzen.

Wir danken Frau Sigrid Kliem für dieses Interview. Das Interview führte Pater Andreas Rohring CMM

Adveniat-Weihnachtsaktion „ÜberLeben auf dem Land“ im Bistum Würzburg eröffnet

Essen, 29. November 2020. „Weltweite Gerechtigkeit, vor allem für die Menschen in Lateinamerika, denen das Land als Lebensgrundlage durch Enteignung oder Raubbau genommen wird“, hat Bischof Dr. Franz Jung im feierlichen Gottesdienst zum bundesweiten Auftakt der Adveniat-Weihnachtsaktion am ersten Advent, dem 29. November 2020, in der Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer in Hofheim gefordert. Es sei höchste Zeit, den Weckruf Jesu zu hören, damit die Menschen auch weiterhin das gemeinsame Haus bewohnen könnten. „Denn wer Amazonien zerstört, der zerstört die Welt“, betonte der Bischof von Würzburg. Die im Einklang mit der Schöpfung lebende Landbevölkerung „sichert im Letzten auch unser Überleben im Blick auf das Amazonasgebiet und seine unersetzliche Funktion für das weltweite Klima“, sagte Bischof Jung. Getreu dem Aktionsmotto „ÜberLeben auf dem Land“ fand die bundesweite Eröffnung der Weihnachtsaktion der katholischen Kirche in diesem Jahr erstmals dezentral in den ländlichen Regionen des Bistums Würzburg statt: in Biebelried, Hammelburg, Hofheim und Stockstadt.

Adveniat-Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck rief in seiner Predigt zur „Achtsamkeit auf die Opfer der Globalisierung“ auf. Zu ihnen gehörten die Menschen auf dem Land in Lateinamerika. „Sie mahnen uns, auf die Schöpfung achtsam zu sein, die Gesetze der Natur und des Menschen in ihrer Ursprünglichkeit zu achten“, sagte Overbeck in der Pfarrkirche Maria Rosenkranzkönigin in Stockstadt am Main. „Die ländliche Bevölkerung und die Rhythmen des Lebens auf dem Land sind gerade wegen ihrer Achtsamkeit der beste Lehrplan für unsere Zivilisation“, betonte der Adveniat-Bischof. 

„In Lateinamerika sind die Folgen der Corona-Pandemie verheerend“, sagte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz in der Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer in Hammelburg. Keine der Regierungen habe ein brauchbares Gesundheitssystem aufgebaut, ganz zu schweigen von einer sozialen Absicherung wie in Deutschland. „Die Menschen haben eigentlich nur die Wahl: entweder arbeiten und sich womöglich an Corona anstecken oder eben kein Geld, um damit Lebensmittel für die verarmte Familie nach Hause zu bringen“, sagte Pater Heinz. Die Kirche sei oft die einzige Einrichtung, die an der Basis, auch in den kleinsten Dörfern auf dem Land präsent ist. „Katecheten und Gemeindehelfer stehen ihre Frau und ihren Mann, um der Not entgegen zu treten. Sie sind da für die Kranken und Alten, für die allein Gelassenen und behinderten Menschen.“ Der Adveniat-Chef rief in seiner Predigt dazu auf: „Werden wir durch unsere Solidarität zu Hoffnungsträgern für andere.“

Hoffnungsträgerin war an diesem Wochenende auch Monika Krämer vom Katholischen Frauenbund. Vor dem Szenario des düsteren Tagesevangeliums wie auch der Corona-Pandemie könnten Angst und Weltuntergangsstimmung aufkommen, sagte die Wortgottesdienstleiterin in Biebelried. Aber das Evangelium besage nicht, dass das Ende der Welt vor der Tür stehe, sondern Jesus Christis selbst. „Diese Botschaft erfüllt uns mit Freude und Zuversicht“, hob Monika Krämer hervor. „Denn Jesus Christus kommt – auch in unseren Schwestern und Brüdern in Biebelried, in Würzburg und in Lateinamerika.“

Weihnachtskollekte in besonderen Zeiten

Zu den schönsten Bräuchen des Weihnachtsfests zählt das Geben. Millionen Christen ermöglichen Jahr für Jahr mit ihrer Weihnachtskollekte die wichtige Arbeit von Adveniat. Damit das auch in Corona-Zeiten so geschehen kann, bietet das Lateinamerika-Hilfswerk einen neuen Weg an, die Solidarität mit den Armen in Lateinamerika und der Karibik zum Ausdruck zu bringen: die digitale Weihnachtskollekte. „Gerade in diesem Jahr dürfen wir all jene Menschen nicht vergessen, die unsere Hilfe am dringendsten benötigen: die Armen weltweit, die den Folgen der Pandemie kaum etwas entgegenzusetzen haben“, betont Pater Michael Heinz. Online-Spenden ist mit wenigen Klicks möglich unter www.adveniat.de/spenden.

Gedanken zum Advent von Pater Jörg Thiemann CMM:

"Es wird alles gut!", sagte ein Mitbruder vergangene Tage, als er zum Frühstück kam. Er sprach über Corona, über den Impfstoff und über die Möglichkeit, wie dieser Impfstoff zu transportieren sei. Wir alle - dieses Mal kann ich das so sagen - wir alle hoffen auf ein baldiges Ende der Pandemie. So sehnsüchtig haben wir noch nie auf etwas gehofft. Sicher kennt jeder andere Situationen, in denen die Hoffnung groß war. Es war die Hoffnung auf die Zusage zu einem Arbeitsplatz, die Hoffnung, dass sich ein lang gehegter Kinderwunsch erfüllt.

Hoffnung ist das, was uns als glaubende Menschen ausmacht. Der Grund unser Hoffnung: Gott, seine Liebe. Gott, der uns in Jesus seinen Sohn gesandt hat. Jesus war in seinem Leben für viele Menschen, ganz besonders für die einfachen Menschen, ein Hoffnungsträger. Viele haben ihn gern gehört. Bekämpft und abgelehnt haben Jesus nur die starken, die Mächtigen, die Etablierten und: Man muss es so sagen, die religiösen Führer. Jesus hat mit seinen Worten und Taten vielen Menschen Hoffnung und Zuversicht geschenkt.

Wir hoffen, dass Gott am Leben dieser Welt Anteil nimmt, dass Gott in das Leben der Welt und der Menschen eingreift. Wir sehen es in der Lesung aus dem Buch Jesaja. Als Jesaja diese Worte schrieb, waren die Juden gerade aus dem Exil nach Jerusalem zurückgekehrt. Sie waren überzeugt: Das Exil war eine Strafe von Gott. Die Menschen fühlten sich Gott sehr fern. Sie glaubten, Gott habe sie verlassen. Wo war Gott im Leiden? Warum ließ Gott die Sehnsucht nach IHM erkalten, warum verhärtete Gott das Herz. So fragten sich die Israeliten. Es schien, als habe es Gott selbst bewirkt, dass die Menschen ihn nicht mehr suchten und sich nicht mehr nach ihm sehnten. Dennoch: Sie hofften, sie flehten, sie beteten, dass Gott wieder eingreifen möge in ihr Leben.

In der größten Ferne beten die Menschen. Sie haben die Erinnerung, dass Gott eingreift, wenn sie auf ihn hoffen wenn sie sich an ihn wenden, wenn sie nach seinen Geboten leben, wenn sie über seine Wege nachdenken. Die Israeliten spüren: Nur unser Gott ist den Menschen so nahe. Nur unser Gott ist der lebendige. Doch sie machen auch ein Schuldgeständnis. Dass Gott so fern ist, das liegt allein an ihrer Schuld. Sie hatten sich abgewandt von ihm. Doch es wird ihnen bewusst, dass Gott ihr Vater ist, dass sie immer Geschöpfe sind. Sie spüren, dass sie ihr Leben Gott verdanken. Die Israeliten hoffen, dass Gott ihnen neu Heil schenkt, dass er sich ihnen neu zuwendet.

HOFFNUNG KOMMT VON GOTT

Im Grunde sind das auch Fragen, die in unserer Zeit gesellt werden. Die Worte des Jesaja können auch in uns die Hoffnung auf Gott stärken. Auch unser Leben soll bestimmt sein von Hoffnung und Zuversicht gegen jede Schwarzseherei.
Schauen wir in das Leben des Jahres 2020. Neben Corona beschäftigen uns die Kriege, der Hunger, den es auf der Welt gibt. Wie oft habe ich gehört, dass diese Welt momentan aus den Fugen gerät! Was den Klimaschutz angeht, da glauben sehr viele, dass es 5 nach 12 ist. Papst Franziskus hat in einer eindringlichen Enzyklika den Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung ans Herz gelegt. Wir müssen so leben, dass diese Welt lebenswert bleibt. Wir müssen uns dazu auf den Glauben an Gott zurückbesinnen. An uns sollen die Mitmenschen erkennen, worauf wir hoffen, woran wir uns halten. An Gott! An seine Liebe! Gott hat diese Welt geschaffen. Er hat uns die Gebote als Orientierung mitgegeben. Auf diese müssen wir uns neu besinnen. Wer an Gott glaubt, der wird immer Grund zur Hoffnung haben, trotz aller Bedrohungen, die wir gegenwärtig erleben. Denn Gott kommt und er wird diese Welt erlösen. Er wird uns ewiges Leben, das Heil, die ewige Freude schenken.

Dieses Heil, diese Erfahrung, wünscht Paulus auch den Korinthern. "Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater". Die Gnade, die liebende Zuwendung Gottes wird den Korinthern zugesprochen. Mit dem Wunsch nach "Friede" wünscht Paulus den Korinthern Wohlergehen durch Gott. »Friede« ist die Übersetzung von »schalom«. Im schalom leben, bedeutete völlig eins sein mit Gott. Diese Zuwendung von Gott ist die Lebensgrundlage für unser Handeln in dieser Welt. Diese Hoffnung kann für uns Kraftquelle sein. Doch muss diese Lebensgrundlage immer wieder neu erworben werden. Redlich müssen wir uns darum bemühen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Gott treu ist. Die Gemeinschaft mit Jesus ist kein Besitz, den man in der Hand hält. Menschen können sich immer wieder von Gott entfernen. Sie können die Hoffnung vergessen, die uns im Glauben an Gott geschenkt ist.

DIE HOFFNUNG WACHHALTEN

Diese Hoffnung wollen wir darum wach halten in uns. Jesus hat im Evangelium alle Hände voll zu tun, uns anzuhalten wach zu bleiben. Einst wird Jesus wiederkommen, um diese Welt und auch uns zu erneuern. Darauf dürfen wir hoffen. Wir hoffen auf vieles in der Welt. Ich hatte am Anfang von so manchen Hoffnungen gesprochen. Doch die große Hoffnung ist Jesus. Er kommt wieder und schenkt uns sein Heil, er schenkt uns ewige Freude bei Gott. Diese Hoffnung ist es, die unser Leben bestimmen sollen. Wir müssen uns mit den Katastrophen in dieser Welt genauso auseinandersetzen wie unsere Mitmenschen, sei es der Klimawandel, sei es die Pandemie oder persönliche Schicksale. Doch der Glaube gibt uns Hoffnung. Wir leben auf Gott hin. Wo wir uns Gott neu zuwenden, wo seine Worte wichtig sind, wo wir unsere Sehnsucht nach Gott entdecken, dort erfahren wir bereits die Freude und die Fülle.

Advent - eine Zeit der Vorbereitung, eine Zeit, wach zu werden, wach zu bleiben. Vielleicht fallen coronabedingt verschiedene Angebote aus. Werden überhaupt Gottesdienste stattfinden? Wenn ja, wie? Dennoch können wir das Beste aus der Situation machen. Vielleicht nehmen wir uns in der Familie hier und da Zeit für ein Gebet, für einen schönen besinnlichen Text oder für ein ruhiges Sitzen im Kreis der Familie vor dem Adventskranz, für das Lesen eines Bibeltextes. Es gibt einige Möglichkeiten, unserer Hoffnung auf Jesus Nahrung zu geben. Halten wir unsere Hoffnung wach und leben wir daraus!

Adveniat eröffnet bundesweite Weihnachtsaktion am ersten Advent im Bistum Würzburg

Essen, 26. November 2020. „Die ländlichen Regionen werden in Lateinamerika lediglich als eine Ressource zum Ausschlachten betrachtet, als Gewächs- und Lagerhaus, als Müllkippe für die große Ansammlung von Menschen, die in der Stadt leben. Wenn die Ausbeutung so weitergeht, wird den Menschen auf dem Land ihre Lebensgrundlage gänzlich entzogen.“ Das hat der Bischof von Würzburg, Dr. Franz Jung, am 26. November in Würzburg betont. Bischof Jung äußerte sich bei der digitalen Pressekonferenz zur Eröffnung der bundesweiten Weihnachtsaktion von Adveniat, dem Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche. Die diesjährige Aktion steht unter dem Motto „ÜberLeben auf dem Land“.

Jung sagte, dass dieses Thema auch im Bistum Würzburg hoch aktuell sei. Für die katholische Kirche in der Diözese sei es wichtig, mit der Seelsorge vor Ort, im ganzen Territorium des Bistums, präsent zu bleiben. Im Blick auf Lateinamerika unterstrich der Bischof, dass die Corona-Pandemie dort tiefe Wunden hinterlasse. Das gelte umso mehr, als das Gesundheitssystem nur für die Reichen zugänglich sei. Überlebensnotwendig sei etwa für die indigene Bevölkerung am Amazonas das Land oder besser gesagt der „Boden“. „Die Sorge um den Regenwald und der schonende Umgang mit dem Geschenk des Schöpfers ist eine Selbstverständlichkeit für die dort lebenden Völker“, betonte Jung. Multinationale Konzerne und illegale Eindringlinge betrieben aber Raubbau an Bodenschätzen und edlen Holzarten und vertrieben oder töteten die Indigenen. Vor allem das Amazonasbecken sei „von zentraler Bedeutung für die Klimaentwicklung der gesamten Erde. Wenn die Abholzung bis zu 25 Prozent der Gesamtfläche weiter voranschreitet, können wir die Folgen nicht absehen und nicht mehr rückgängig machen.“ Wichtig sei es, sich für das „Recht auf die eigene Kultur“ der Menschen auf dem Land in Lateinamerika einzusetzen. Das erweise sich etwa in der aktuellen politischen Situation Brasiliens als „überlebenswichtige Aufgabe im Einsatz für die Landbevölkerung“.

„Die Regierung in Brasilia sieht den Amazonas als Wirtschaftsraum, nicht als schützenswertes Gut“, bestätigte auch der Bischof von Óbidos, Johannes Bahlmann, der aus dem Amazonasbistum zugeschaltet war. Im Schatten der Corona-Pandemie schritten auch die Brandrodungen unwiderruflich voran – genauso die überwiegend illegalen Abholzungen und das Eindringen der Goldsucher in die indigenen Gebiete. „Damit verbunden ist eine weitergehende Zurückdrängung der indigenen Kulturen“, beklagte Bischof Bahlmann und fasste zusammen: „Die Corona-Pandemie hat die Probleme und Ungerechtigkeiten, die im Amazonasraum ohnehin schon deutlich genug sind, nochmals verschärft und die soziale Kluft noch größer werden lassen.“ Gerade die Ärmsten hätten kaum eine Möglichkeit, dem Virus vorzubeugen, sagte Bahlmann: „Wer in prekären Verhältnissen lebt, hat keine Chance auf Distanz und besondere Hygienemaßnahmen.“ Bedroht seien vor allem die indigenen Völker: „In unserer Region haben sich 90 Prozent der Indigenen infiziert“, sagte Bahlmann. „Weil aber die medizinische Versorgung in unserer Region chronisch schlecht ist, unterhält die Kirche Krankenhäuser und Hospitalschiffe auf dem Amazonas – auch dank der finanziellen Hilfe aus Deutschland.“

Dass diese Hilfe aus Deutschland angesichts der Corona-Pandemie wichtiger denn je sei, betonte auch der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks, Pater Michael Heinz: „Im Rahmen der Corona-Nothilfe haben wir 420 Projekte mit 7,1 Millionen Euro schnell und unbürokratisch unterstützt – auch im Bistum Óbidos – damit ÜberLeben auf dem Land möglich ist.“ Zusammen mit den Adveniat- Projektpartnern werde nicht nur versucht, die unmittelbare Not der Landbevölkerung zu lindern, sondern das Hilfswerk setze sich insbesondere auch für die Bewahrung der Schöpfung ein. „Denn im Schatten der Pandemie brennen die Wälder in Amazonien und im Pantanal nieder. Wenn wir nichts gegen die Zerstörung der Lungen der Welt unternehmen, geht uns allen bald die Luft aus. Angesichts dieser dramatischen Situation müssen wir Christen jetzt den Schutz des gemeinsamen Hauses, unseres Planeten, an oberste Stelle setzen“, lautete der eindringliche Apell von Pater Heinz. Denn es seien die Armen, die der Klimawandel am stärksten trifft. Das hätten jüngst die Wirbelstürme in Mittelamerika wieder auf traurige Weise gezeigt. Hunderttausende Menschen in Honduras, Guatemala und Nicaragua sind obdachlos. „Unsere Partner vor Ort befürchten, dass durch die Naturkatastrophe die Zahl der Coronafälle massiv ansteigen wird, weil viele Menschen in Sammelunterkünften Schutz gesucht haben“, sagte der Adveniat-Chef.

All das mache deutlich, „dass die Menschen in Lateinamerika und der Karibik unsere Hilfe dringender denn je benötigen“. Doch aufgrund der Corona-Kontaktbeschränkungen werden dieses Jahr viel weniger Menschen die Weihnachtsgottesdienste besuchen. Deshalb befürchtet Adveniat laut Pater Heinz einen starken Einbruch der Weihnachtskollekte. „Es drohen Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.“  Deshalb ruft das Lateinamerika-Hilfswerk dieses Jahr nicht nur in den Gottesdiensten an Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag zum Spenden auf, sondern auch zum digitalen Spenden unter www.adveniat.de/spenden.

Die bundesweite Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion findet in diesem Jahr getreu dem Motto „ÜberLeben auf dem Land“ dezentral in den ländlichen Regionen des Bistums Würzburg statt. Nach einer digital aus dem Burkardushaus Würzburg übertragenen Eröffnungsveranstaltung und einem feierlichen Vespergottesdienst zum Auftakt am Vorabend im Würzburger Dom, werden am ersten Adventssonntag, 29. November 2020, die Eröffnungsgottesdienste in Biebelried, Hammelburg, Hofheim und Stockstadt gefeiert.

Adveniat-Weihnachtsaktion 2020: ÜberLeben auf dem Land
Jeder Fünfte in Lateinamerika und der Karibik lebt auf dem Land. Das bedeutet häufig auch, abgehängt und ausgeschlossen zu sein. Und jetzt auch noch Corona. Das Virus trifft mit der Landbevölkerung auf eine besonders verletzliche Gruppe. Deshalb rückt das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat mit seiner diesjährigen Weihnachtsaktion unter dem Motto „ÜberLeben auf dem Land“ die Sorgen und Nöte der armen Landbevölkerung in den Blickpunkt. Die Eröffnung der bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion findet am 1. Advent, dem 29. November 2020, im Bistum Würzburg statt. Die Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember in allen katholischen Kirchen Deutschlands ist für Adveniat und die Hilfe für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik bestimmt. Spendenkonto bei der Bank im Bistum Essen, IBAN: DE03 3606 0295 0000 0173 45 oder unter www.adveniat.de/spenden<http://www.adveniat.de/spenden>.

Katholische Hilfswerke rufen im Sinne von Papst Franziskus zu Solidarität mit den Ärmsten der Welt auf

Aachen/Essen/Freiburg/München/Freising, 9. November 2020. Streck dem Armen deine Hand entgegen: So lautet das Leitwort des Welttages der Armen am 15. November 2020, das dem Alten Testament (Sir 7,32) entnommen ist. „Der Einsatz für die Armen ist keine bloße Option, sondern eine Notwendigkeit für authentischen Glauben“, hat Papst Franziskus in seiner Botschaft zum Welttag der Armen geschrieben. „Angesichts der Corona-Pandemie ist dieser Satz eine klare Ansage: Wir dürfen die Armen nicht vergessen“, betont Pfarrer Christian Hartl, der Sprecher der katholischen weltkirchlichen Hilfswerke (Misereor, Adveniat, Renovabis, Missio Aachen und München, Caritas international und des Kindermissionswerks ,Die Sternsinger‘). Auch für Hartl „zeigt sich der Glaube im Tun“.

Pfarrer Hartl, der zugleich die Osteuropa-Solidaritätsaktion Renovabis leitet, ruft anlässlich des Welttages der Armen zu verstärkter Solidarität und Anteilnahme mit den Notleidenden in aller Welt auf: „Natürlich leiden wir alle unter persönlichen Einschränkungen, haben womöglich Existenzängste. Doch um wieviel mehr kämpfen die Ärmsten der Armen?“ Sein Kollege, Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz, bestätigt: „Das Corona-Virus trifft die Armen besonders stark, diese Menschen brauchen unsere Hilfe mehr denn je.“ Insbesondere die Landbevölkerung in Lateinamerika und der Karibik sei dem Virus aufgrund von Armut, chronischen Leiden an Infektionskrankheiten sowie der schlechten Ernährungssituation oft schutzlos ausgeliert. Deshalb rückt das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat mit seiner diesjährigen Weihnachtsaktion unter dem Motto „ÜberLeben auf dem Land“ die Sorgen und Nöte der armen Landbevölkerung in den Blickpunkt.

Alle katholischen Hilfswerke und ihre Partner rund um den Globus bemühten sich nach Kräften, die Not zu lindern und den Betroffenen zur Seite zu stehen, zeigt sich Pfarrer Hartl überzeugt. „Lassen Sie uns jetzt diesen Welttag der Armen zum Anlass nehmen, unsere Anstrengungen noch einmal zu verstärken – und zu helfen, wo auch immer es uns möglich ist“, so Pfarrer Hartl weiter. „Denn, um es mit den Worten des Papstes zu sagen, die Armen im Blick zu behalten, ist schwierig, aber notwendiger denn je, selbst dann, wenn das Virus einmal eingedämmt worden ist.“

Der „Welttag der Armen“ wurde von Papst Franziskus 2016 am Ende des „Jahres der Barmherzigkeit“ ins Leben gerufen und wird 2020 am Sonntag, 15. November, zum vierten Mal begangen. Die Botschaft des Papstes steht 2020 unter dem Motto: „Streck dem Armen deine Hand entgegen.“

Mit großer Trauer haben wir aus den Niederlanden vernommen, dass unser Mitbruder Pater Leonard van den Bergen CMM am Montag, 2. November, verstorben ist. Er erblickte am 10. Juli 1926 das Licht der Welt. Am 8. September 1953 legte er seine Erste Profess ab. Am 17. Dezember 1955 empfing er die Priesterweihe.

Möge er die Herrlichkeit Gottes nun unverhüllt schauen dürfen. R.I.P.

Am Allerseelentag 2020 segnete der Regionalobere Pater Christoph Eisentraut CMM auf dem Mariannhiller Friedhof auf Schloss Riedegg bei Linz eine zentrale Gedenkstätte für alle österreichischen Mariannhiller, die an anderen Orten in Europa oder in der Mission in Afrika begraben sind. Auch nicht-österreichische Mariannhiller, die lange in Österreich wirkten, sind unter den etwa 30 Mitbrüdern, deren Namen auf einer Stele angebracht wurden. Auf dem Friedhof in Riedegg selbst sind ebenfalls bisher knapp 30 Mariannhiller im Laufe der Jahrzehnte beigesetzt worden. Zu den Mitbrüdern, deren heute gedacht wurde, gehören der Gründer des Mariannhiller Missionswerkes, der Vorarlberger Abt Franz Pfanner, der erste Selige der Mariannhiller, Pater Engelmar Unzeitig CMM, der als Mitglied der österreichischen Provinz am 2.3.1945 in Dachau den Märtyrertod erlitt. Zwei weitere österreichische Mariannhiller fanden in Afrika einen gewaltsamen Tod: Bruder Matthias Sutterlüty CMM (Embakwe Mission, Simbabwe) und Pater Ernst Plöchl CMM (Mariazell Mission, Südafrika). Plaketten wurden auch angebracht für zwei langjährige Provinziale der Mariannhiller in Österreich, Pater Berthold Mayr CMM und Pater Albert Oppitz CMM, die beide in Wels begraben sind. Auch viele herausragende Missionare haben einen Erinnerungsort gefunden, so z.B. der Südtiroler Pater Konrad Atzwanger CMM, der jahrzehntelang in Simbabwe wirkte und der aus der Steiermark stammende Bruder Florian Langmann CMM, der ebenfalls für eine sehr lange Zeit die Klosterschreinerei in Mariannhill / Südafrika leitete.

Mit einem festlichen Gottesdienst wurde am Samstag, 31. Oktober 2020, der 80. Geburtstag von Bruder Stephan Erhardt CMM gefeiert. In seiner Ansprache würdigte Pater Mario Muschik CMM die Bereitschaft von Bruder Stephan sich immer wieder auf Neues einzulassen.

Einführende Worte von Pater Mario Muschik CMM, stellvertretender Provinzial der Missionare von Mariannhill in Deutschland:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt und Fürbitten: 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 4. November 2020 feiert Pater Christoph Eisentraut CMM, Provinzial der Deutschen Provinz und Regionaloberer der Mariannhiller Missionare in Österreich, seinen 60. Geburtstag. Er ist gebürtig aus Haßfurt in Bayern, trat 1980 in die Kongregation der Missionare von Mariannhill ein und empfing nach Studien in Würzburg und Saint Meinrad (Indiana, USA) 1989 die Priesterweihe. Im selben Jahr begann er seinen missionarischen Einsatz in Simbabwe, wo er in der Erzdiözese Bulawayo u. a. in der Pfarrseelsorge und als Ausbildungsleiter von Ständigen Diakonen wirkte – und später nach einem Zusatzstudium im Kirchenrecht an der Katholischen Universität auch als Kanzler und Moderator der Kurie. 2006 versetzte ihn der Orden nach Südafrika, um auf der Missionsstation Emaus ein Gedenkzentrum aufzubauen. 2010 wurde Pater Christoph Eisentraut in den Generalrat der Mariannhiller Missionare in Rom gewählt, 2017 zum Regionaloberen der Österreichischen Region seines Ordens ernannt. Seit Anfang Februar dieses Jahres ist er außerdem Provinzial der Deutschen Provinz der Missionare von Mariannhill. Pater Eisentraut ist seit 2019 auch Ehebandverteidiger am Diözesangericht Linz.

Jeder von uns kennt sie: die Herausforderungen. Das kann ein Schulabschluss sein, ein Berufsabschluss, ein Hobby, eine sportliche Leistung, ja, eine Leistung, auf die einer stolz sein möchte. Wir brauchen diese Herausforderungen für unser Leben. Sie helfen uns, unsere Fähigkeiten zu entdecken, uns weiter zu entwickeln, zu wachsen und zu reifen. Wir nehmen eine Herausforderung dann an, wenn wir wissen möchten: Wo liegen meine Grenzen. Was uns im Jahre 2020 herausfordert, das ist das kleine Virus, Corona genannt. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch das Evangelium mit den Seligpreisungen eine Herausforderung ist. Es wird viel über dieses Evangelium gesprochen: sind diese Worte eigentlich in das Leben umzusetzen? Ist es wirklich möglich, in so einer Form als Christ oder Christin in dieser Welt zu leben? Diese Worte aus der Bergpredigt sind recht umstritten. Manche fragen sich: Wollte Jesus nur provozieren? Wir können das ja auch so sehen: Jesus traut uns zu, diese Worte zu leben. Jesus hat uns gezeigt, wer und was wir als Christen und Christinnen sein können. Menschen, die keine Gewalt anwenden, Menschen, die barmherzig sind, Menschen, die ein reines Herz haben, Menschen, die Gott als das wichtigste im Leben ansehen, Menschen, die genau wissen, dass sie Gott nichts zurückgeben können, sondern immer die sind, die von Gott empfangen. Jesus traut uns das alles zu. Doch wir dürfen wissen: Wir sind auf dem Weg. Wir dürfen hineinwachsen in dem, was wir als Christen sein dürfen in dieser Welt. Lassen wir uns - in einem ganz guten Sinne - herausfordern von den Worten, die wir im Evangelium gehört haben. In der Lesung haben wir gehört: "Jetzt sind wir Kinder Gottes, aber, was wir sein werden, das ist noch nicht offenbar geworden..." Heute feiern wir das Fest "Allerheiligen". Alle Menschen, die wir als Heilige verehren, haben sich der Herausforderung gestellt. Sie mussten wie wir wachsen und reifen. Sie haben sich den Herausforderungen ihres Lebens gestellt. Es war der Weg, den Gott mit ihnen gegangen ist. Gott hat auf diesem Weg, durch Erfahrungen, durch Herausforderungen und vor allem durch Menschen an ihnen gewirkt. Nehmen wir die Herausforderung an, sind wir offen, wie Gott an uns wirkt, so wie es die Heiligen taten, so wie es viele Menschen taten. Bleiben wir auf dem Weg, die zu werden, zu denen Gott uns berufen hat, gehen wir mit ihm, achten wir auf seine Worte, seine Zeichen, lassen wir Gott an uns wirken. Er will uns heilig machen, Heil schenken. - Gedanken von Pater Jörg Thiemann CMM zum Fest Allerheiligen 2020

Adveniat zur anstehenden Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten

Essen, 27. Oktober 2020. Der künftige US-Präsident muss das Verhältnis der Vereinigten Staaten zu ihren südlichen Nachbarn dringend überprüfen. Das fordert das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Die großen gesellschaftlichen Fragen wie Migration, Umwelt- und Klimaschutz, die Rechte indigener Völker sowie die Förderung der Demokratie könnten nur „gemeinsam und auf Augenhöhe beantwortet werden“, sagt Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz. „Die Rechte der lateinamerikanischen Migranten dürfen nicht länger mit Füßen getreten werden. Nie wieder dürfen tausende Kinder von ihren Eltern an der Grenze getrennt werden. Millionen in den USA lebende Migranten aus Lateinamerika müssen gültige Papiere erhalten, um sich in den Arbeitsmarkt integrieren zu können. Kein Mensch ist illegal“, so Adveniat-Chef Pater Heinz. Es sei wichtig, dass von den US-Wahlen ein Signal gegen Populismus, nationalen Egoismus, Abschottung und Rassismus ausgehe. Dazu zähle auch der Respekt vor der Eigenständigkeit lateinamerikanischer Kulturen.

„Die Corona-Pandemie zieht in Lateinamerika schwere wirtschaftliche Konsequenzen nach sich. Zunehmende Armut und soziale Not sind immer Motoren für Kriminalität, Gewalt und dadurch erzwungene Migration“, sagt Pater Heinz. Die Lösung könne deshalb nicht sein, neue Mauern zu errichten. Stattdessen müssten die Fluchtursachen effektiver bekämpft werden. „Es ist eine neue Anti-Drogen-Politik notwendig. Zudem muss der illegale und legale Waffenhandel aus den USA nach Lateinamerika viel stärker reguliert, besser noch komplett unterbunden werden“, fordert Pater Heinz. Waffen aus amerikanischer Produktion verursachen Leid und Gewalt in Lateinamerika. Die US-Regierung müsse in den Jahren 2021 bis 2025 intensiv in den Umweltschutz und in nachhaltige Energien in Lateinamerika investieren, statt mit Zöllen und Strafen zu drohen.

Trotz der vergangenen vier Jahre unter US-Präsident Donald Trump hätten die Vereinigten Staaten immer noch viele Bewunderer in Lateinamerika, weil sie für demokratische Grundrechte, die Kraft sozialer Bürgerrechtsbewegungen sowie für viele Erfolgsgeschichten lateinamerikanischer Einwanderer in den USA stünden. „Wie stark der Einfluss dieser Bewegungen auch auf Lateinamerika ist, hat die jüngste Entwicklung um die anti-rassistische Black-Live-Matter-Bewegung gezeigt, die in vielen lateinamerikanischen Ländern Unterstützer gefunden hat“, sagt Pater Michael Heinz.

Umso wichtiger sei es, dass aus den USA nach dem 3. November ein neues Signal ausgehe: Die Politik der USA müsse wieder multilateraler, anti-rassistischer, umweltfreundlicher und sozialer werden. „Ein Hoffnungszeichen ist die Ankündigung des Präsidentschaftskandidaten Joe Biden, die Amazonas-Politik Brasiliens genau zu beobachten.“ Es wäre ein starkes Signal, wenn eine neue US-Regierung tatsächlich 20 Milliarden US Dollar investiert, um die Abholzung der Lunge der Welt zu stoppen. 

Ebenso müsse der ins Stocken geratene Dialogprozesse mit Kuba, Venezuela und Nicaragua wieder in Gang gesetzt werden. „Ist eine Embargo-Politik nicht eher kontraproduktiv, weil sie zu einer Solidarisierung der Bevölkerung mit den kritisierten Regimen führt und diese den dortigen Machthabern auch als Ausrede für eigenes Missmanagement dient?“, fragt Adveniat-Chef Pater Heinz. „Den Preis für eine Embargo-Politik zahlt immer die Zivilbevölkerung, nie die herrschenden Eliten.“ Es sei durchaus möglich in einen Dialog mit autokratischen Regimen zu treten, ohne dabei auf die berechtigte Forderung nach der Einhaltung von Menschenrechten und demokratischen Grundrechten verzichten zu müssen.

Am 3. November wird in den Vereinigten Staaten ein neuer Präsident gewählt. Zur Wahl stellen sich der republikanische Amtsinhaber Donald Trump und der demokratische Herausforderer Joe Biden.

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 1.900 Projekte gefördert werden, die mit mehr als 36 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.

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