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Zwei Frauen waren zur Morgendämmerung unterwegs, um nach Jesu Grab zu sehen. Sie wollten seinen Leichnam salben; wollten ihrem geliebten Herrn und Meister einen allerletzten Liebesdienst erweisen. Da erschütterte sie plötzlich, wie sie meinten, ein gewaltiges Erdbeben, und "ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf." (Mt 28,2) Die Gestalt des Engels "leuchtete wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee"; die römischen Soldaten, die als Grabwächter bestellt waren, "begannen vor Angst zu zittern; sie fielen wie tot zu Boden".

Nur die beiden Frauen, Maria aus Magdala, "aus der Jesus sieben Dämonen ausgetrieben hatte, und die andere Maria" verharrten aufrecht. Ihnen verkündete der Engel als erste die Botschaft von der Auferstehung Jesu.
Stimmt es nicht nachdenklich, dass Jesus, der die Zwölf zu seinen engsten Mitarbeitern gemacht hatte, zunächst zwei Frauen erschienen ist?! Nicht Petrus, nicht Johannes, und auch keiner der anderen Jünger war vorab informiert worden. Diese beiden Frauen waren die Ersten, denen solche Kunde zuteil wurde.
Noch voller Furcht, aber doch schon in hoffender Freude, eilten sie zu den Aposteln, um ihnen alles zu berichten. Unterwegs begegneten sie dem Auferstandenen. Auch er ermutigte sie: "Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa ziehen; dort werden sie mich sehen!" (Mt 28,10) Die Jünger hatten sich, gelähmt und erstarrt von dem, was auf Golgatha passiert war, hinter Schloss und Riegel versteckt. Ein völlig verängstigtes Häufchen Elend! Sie bangten um ihr eigenes Leben. Da hatten die Frauen doch sehr viel mehr Mut gezeigt! Sie fürchteten sich weder vor den Soldaten noch vor den Pharisäern. Erfüllt von zärtlicher Aufmerksamkeit gegenüber ihrem Meister, wollten sie seinem Leichnam Gutes erweisen. So wurden sie zu Augenzeugen des leeren Grabes – und zudem beauftragt, diese frohe Kunde weiterzugeben an jene, die weniger Courage gezeigt, oder ihn gar verleugnet, verraten und verlassen hatten.
Jetzt ahnten auch die Jünger, dass der Tod auf Erden nicht das Ende sein müsse, sondern "nur der Beginn eines sicheren Triumphes" (Kahlil Gibran), eines Triumphes, der weit über dieses Leben hinausreicht und einmündet in ein Leben bei Gott; in ewiges Leben! Aber daran mussten sich die stark eingeschüchterten und verschreckten Jünger erst noch gewöhnen. Gewiss hatten auch sie heimliche Hoffnungen gehegt, aber eine mögliche Auferstehung ihres Herrn von den Toten blieb vorerst noch Wunschdenken – bis Jesus sich auch ihnen zeigen würde. Selbst dann zweifelte immer noch einer: Thomas!
Wenn wir Ostern feiern, wenn wir Wasser und Kerzen, Eier und Schinken weihen und ein Osterlämmchen backen – dann verbinden wir damit die Symbole des (wieder erstandenen und neu geweckten) Lebens. Dann kommt vielleicht auch bei uns Osterfreude auf. Freude und das tief in unserem Innern verankerte Wissen, dass mit Ostern ein ganz neues Leben begonnen hat, ein Leben im Lichtstrahl und in der Glorie des Auferstandenen; des göttlichen Garanten auch für unser eigenes Weiterleben nach dem Tod. 

Gedanken von Pater Adalbert Ludwig Balling CMM zum Osterfest! 

Wir Missionare von Mariannhill wünschen Ihnen und Ihren Lieben ein frohes und gesegnetes Osterfest!

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