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Nach über fünfzig Jahren als Priester im südlichen Afrika kehrt Pater Winfried Egler CMM nach Österreich zurück. Gestern Abend wurde er von der Region Mthatha durch den Regionaloberen Gideon Sibanda sowie etlichen Missionsschwestern vom Kostbaren Blut und Pater Stefan Mandl CMM verabschiedet. Wir wünschen ihm einen guten Übergang und freuen uns für die österreichische Region, dass sie nun wieder einen weiteren Mitbruder in ihren Reihen begrüßen kann. (Fotos: ©2021 CMM Mthatha)

Pater Winfried Egler CMM schreibt: 

„Mein Geburtsort Sackelhausen liegt im westlichen Teil Rumäniens, im deutschsprachigen Banat. Gegen Ende des 2. Weltkriegs, im Oktober 1944, floh meine Familie mit dem größten Teil der Dorfbevölkerung vor der anrückenden Front. Im Mai 1945 fanden wir eine Bleibe in einem Barackenlager für Flüchtlinge in Linz. Für zehn Jahre lebten wir zu sechst in zwei kleinen Räumen.

Von 1953 bis 1960 besuchte ich das Gymnasium Kollegium Petrinum. Es war in den letzten Jahren im Petrinum, dass ich mich immer öfter mit dem Gedanken befasste, in die Mission zu gehen. Verschiedene Personen und Erlebnisse bestärkten diesen Wunsch, wie zum Beispiel die Predigten von Pater Leppich auf dem Hauptplatz von Linz, Exerzitien gegeben von Pater Berthold Mayr CMM und die Biographie von Abt Franz Pfanner, dem geistlichen Vater der Kongregation der Missionare von Mariannhill.

Mein Noviziat machte ich von 1960 bis 1961 in Brig in der Schweiz, anschließend studierte ich bis 1967 an der Universität Würzburg Philosophie und Theologie.

Während der Seminarzeit hörten wir zwar gelegentlich Vorträge von Missionaren, aber eine gründliche Vorbereitung und Einführung in die Arbeit im Einsatzland gab es für uns damals nicht. Wir wurden gleichsam „ins tiefe Ende“ geworfen und mussten ‚schwimmen‘.

Im Mai 1968 bin ich mit meinem Mitbruder Pater Ernst Plöchl per Schiff nach Südafrika ausgereist. Ich hatte das Glück, auf eine Missionsstation zu einem Mitbruder zu kommen, der mich sehr gut in die neue Situation eingeführt hat – z. B. in die schwierige Xhosa Sprache mit der total fremden Grammatik und den Klickslauten, in die Situation der Apartheidpolitik, die Sitten und Bräuche der Leute und in die Arbeit in der Pfarre mit den vielen Außenstationen.

Wenn ich jetzt auf die 46 vergangenen Jahre zurückblicke, sind es vor allem zwei Situationen, die sich völlig verändert haben.

Da ist zuerst die kirchliche Situation. Unsere Diözese Umtata mit Sitz in Mthatha (am Indischen Ozean zwischen den Hafenstädten Durban und Port Elizabeth gelegen) war den Mariannhillern anvertraut. Als ich in die Diözese kam, waren der Bischof und die Mehrzahl der Priester meine Mitbrüder. Nur vier schwarze Diözesanpriester gab es. Das hat sich jetzt total umgekehrt. Ich und ein zweiter Österreicher sind die einzigen weißen Mariannhiller Priester in der Diözese. In dieser Zeit habe ich sieben Bischöfe erlebt.

Im Xhosa-sprechenden Teil der Diözese sind viele Missionsstationen erst während oder nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden. Es sind junge und kleine Gemeinschaften ohne geprägte katholische Tradition. Vieles war im Aufbau: nicht nur Kirchen und Außenstationen, sondern auch pastorale Initiativen wie z. B. organisierte Katechese für Kinder auf allen Außenstationen der Pfarre, eine Jugendorganisation Chiro genannt, Ausbildung von Katecheten, Katechumene-Unterweisungen, Pfarr(gemeinde)räte und Diözesan-Versammlungen, Übersetzungen von katechetischem Material, Gesang- und Messbuch in die lokale Sprache. Und vieles mehr. An alldem durfte ich in irgendeiner Weise mithelfen. Das trägt dazu bei, dass die Diözese zu einer Art Heimat wird.

Ich war immer im Xhosa-sprechenden Teil der Diözese tätig und da hauptsächlich auf drei Missionsstationen. Angefangen habe ich in Qumbu, es folgte ein kurzes „Zwischenspiel“ auf zwei anderen Stationen, dann St. Patrick und dann Libode. Diese Runde habe ich später wieder gemacht, wobei ich 22 Jahre lang in St. Patrick war und der Abschluss ist jetzt wieder in Libode.

Ich fühlte mich nicht nur in der Diözese daheim, sondern auch unter meinen Mitbrüdern. Viele von ihnen sind schon gestorben. Zwei davon auf tragische Weise. Pater Michael Oettle ertrank im Meer und Pater Ernst Plöchl wurde 2009 auf seiner Missionsstation Mariazell ermordet.

Die zweite Situation, die sich in den vergangenen 46 Jahren grundlegend geändert hat, ist die politische. Hergekommen bin ich, da war die Apartheidpolitik in ihrer „Blütezeit“. Ich habe das nur in kleinem Ausmaß und in täglichen Erlebnissen im kleinen Ort Qumbu erlebt. Wir weißen ausländischen Missionare wurden von der Geheimpolizei überwacht. Um 9 Uhr abends ging die Sirene, und alle Schwarzen mussten den Ort verlassen. Die großen politischen Ereignisse geschahen in den Großstädten, wie 1976 der Sowetoaufstand mit vielen Toten unter den schwarzen Studenten; die Bombenanschläge und Attentate mit Toten, der Ausnahmezustand in den 80er Jahren, die Protestmärsche der schwarzen Jugend, wo es immer viele Tote gab, und anschließend die Massenbegräbnisse.

Unsere Diözese liegt zur Gänze im früheren Homeland Transkei. Hier gab es zwar keine Apartheid, aber die Leute sind von der eigenen schwarzen Regierung unterdrückt und in Schach gehalten worden. Am 26. Oktober 1976 um Mitternacht im Stadium von Mthatha war ich bei der „Geburt“ dieses Staates dabei. Aber für die Leute brachte das nur Nachteile. Sie waren im eigenen Land Gefangene. Die Transkei wurde zu einem Zufluchtsort des ANC (African National Congress), von wo aus Attentate geplant wurden. Manche von diesen idealgesinnten Freiheitskämpfern habe ich persönlich gekannt.

Im April 1994 hat all das, die Apartheid, die Homeland Politik, die Zersplitterung des Landes, die Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung usw. ein Ende gefunden durch die ersten demokratischen, freien Wahlen, bei denen der ANC unter Mandela siegreich hervorgegangen ist und die erste rassenfreie Regierung gestellt hat.

In diesen 46 Jahren hat es große Veränderungen gegeben im Land, aber sie sind noch nicht durchgesickert zu den untersten Schichten, der Landbevölkerung in den früheren Homelands. Die Führungsschicht des ANC hat sehr schnell das Ideal vergessen, das den ANC seit der Gründung 1912 geleitet hat: ein besseres Leben der schwarzen Bevölkerung.

Rückblickend auf meine Zeit hier in Südafrika fühle ich mich vor allem mit den einfachen Menschen auf dem Land eng verbunden. Ich habe nichts beigetragen zu deren materiellen Verbesserung. Aber ich hoffe, dass meine Gegenwart ihnen eines vermittelt hat – in den harten Jahren der Unterdrückung und Rechtlosigkeit und nun, da die weißen Missionare ans Ende kommen: Wir haben sie nicht allein oder im Stich gelassen.“

 

Pater Jörg Thiemann CMM betet am Donnerstag, 15. April, um 12 Uhr bundesweit live im christlichen Radiosender Radio Horeb das Regiona Coeli.  Im Anschluss an das Mittagsgebet wendet er sich mit einer kurzen Ansprache an die Hörer und spendet ihnen abschließend Gottes Segen. Das Angelus-Gebet wird bei Radio Horeb mittags täglich wechselnd von Seelsorgern gesprochen.  

Radio Horeb ist ein privater christlicher Radiosender katholischer Prägung mit Hauptstandorten in Balderschwang und München. Er wird in diesem Jahr 25 Jahre alt. Das Programm ist bundesweit über die neue Rundfunktechnik DAB+ sowie über Satellit, Internet (horeb.org), Phonecast, diverse Sprachassistenten - unter anderem Alexa - und über die App von Radio Horeb auf mobilen Endgeräten empfangbar. Programmschwerpunkte sind Liturgie, christliche Spiritualität, Lebenshilfe und Soziales, Musik und Nachrichten. Programmdirektor ist der Augsburger Diözesanpriester Pfarrer Dr. Richard Kocher.  

Pater Alfons Brunner CMM feiert am 7. April 2021 seinen 85. Geburtstag. Wir gratulieren ihm ganz herzlich dazu und wünschen ihm Gottes reichen Segen.

Pater Alfons Brunner wurde am 7. April 1936 in Oberviechtach im Landkreis Schwandorf geboren. Dort wuchs er auf und besuchte zunächst die Volksschule, bis er an das Bischöfliche Knabenseminar in Straubing wechselte. Ab 1952 bis 1954 besuchte er auf Vermittlung von Pater Alfred Merkl CMM unser Spätberufenenseminar in Reimlingen, und von 1954 bis zum Abitur 1957 war er Schüler am Mariannhiller Studienseminar Aloysianum in Lohr am Main und am dortigen staatlichen Gymnasium.

Im Oktober des Jahres 1957 begann er sein Noviziat in Mönchsdeggingen, wo er ein Jahr später seine Erste heilige Profess ablegte. Bald darauf begann er mit dem Studium der Philosophie und Theologie an der Bayrischen Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Während dieser Zeit lebte er im Mariannhiller Piusseminar. Im Jahr 1961 legte er seine Ewige Profess ab.

Nach Beendigung seiner Studien empfing Pater Alfons am 14. März 1964 die Priesterweihe. Er erhielt den Auftrag, als Missionar in Simbabwe zu arbeiten. Wegen gesundheitlicher Schwierigkeiten konnte er allerdings erst im Dezember 1967 dorthin ausreisen. In der Zeit zwischen Priesterweihe und Ausreise war Pater Alfons in der Fördererbetreuung im Umkreis von Würzburg und als Präfekt an unserem Internat in Maria Veen eingesetzt.

alfonsbrunnerPater Alfons Brunner CMM ©2021 pater andreas rohring cmmIm Januar 1968 kam er in Bulawayo an und arbeitete in den folgenden 52 Jahren in Simbabwe. Zunächst ein halbes Jahr in der Stadtpfarrei St. Pius in Bulawayo und dann auf den Stationen Brunapeg, Fatima und Magama. Daraufhin war er wieder einige Zeit als Seelsorger in der Stadt Bulawayo eingesetzt. Im Jahr 1980 erhielt er den Auftrag, die Station Ekuseleni wiederzueröffnen, die vorher aufgrund des Bürgerkrieges zwei Jahre lang geschlossen bleiben musste. Im Anschluss an diese schwierige Aufgabe war er für einige Zeit auf der Station Empandeni tätig, bevor er 1986 erneut die Leitung von Ekuseleni übernahm, die er dann bis 2000 innehatte.

Daraufhin kehrte er nach Bulawayo zurück und arbeitete für sechs Jahre in der Stadtpfarrei St. Andrews, davon ein Jahr als Kaplan und fünf Jahre als Pfarrer. In den folgenden zehn Jahren war er als Seelsorger für die Schwesterngemeinschaft und das Waisenhaus Sacred Heart Home in Bushtick zuständig. Ab 2012 übernahm er auch die Seelsorge im Altenheim Coronation Cottages in Bulawayo, was er bis ins Jahr 2020 beibehielt.

Im Herbst 2020 kam er auf Anraten der Ärzte zur medizinischen Behandlung nach Deutschland. Seit Dezember 2020 ist er Mitglied der deutschen Ordensprovinz und der Mariannhiller Hausgemeinschaft in Würzburg.

Die Leere ist da“ - Unter diesem Titel haben Maite Kelly und der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, eine Dialogpredigt am Karfreitag im Hohen Dom zu Paderborn gehalten. Auf Einladung des Domkapitels haben sie die Fastenreihe "Rendezvous im Dom" des Erzbistums Paderborn mitgestaltet. Die Veranstaltung ist bundesweit auf ein großes Echo und Interesse gestoßen.

Mit den Figuren der Passionsgeschichte wurde auf die aktuelle pandemiegeprägte Zeit geblickt. In der Krise gebe es keine Zuschauer. „Wir sind auf dieser Bühne der Welt alle Mitspieler. Keiner kann sich raushalten“, sagte Monsignore Georg Austen und verwies auf die Eigenverantwortlichkeit jedes Menschen. Im solidarischen Miteinander müsse der Blick auf den Nächsten gerichtet werden, nur so könne eine menschliche und christliche Kultur bestehen. Zudem kritisierte Austen den Umgang mit Wahrheit: „Wahr ist oft das, was mir nützt.“ Viel zu oft würde sie mit „Fake-News“ und aggressiven Parolen auf der Straße und in den sozialen Medien verleugnet, um Unsicherheit zu stiften. Es gelte, sich diesem gefährlichen Kreislauf zu entziehen und viel mehr den Wahrheitsgehalt zu prüfen und zu reflektieren.

„Mit Mut muss dem für viele Menschen bequemen Schweigen, dem Wegblicken in unserer heutigen Gesellschaft begegnet werden“, verdeutlichte die aktive Christin Maite Kelly. Beeindruckt von der Passionsfigur Veronika, die bewusst als Frau aus dem Hintergrund tritt, um Jesus auf dem Kreuzweg Erleichterung zu schaffen, plädierte die Schlagersängerin für ein engagiertes Handeln miteinander. „Das Kreuz, an dem am Karfreitag Jesus mit durchbohrtem Herzen aber einladenden Armen hängt, macht deutlich, dass die Liebe zu Gott sich lohnt“, sagte Kelly. Er liebe alle Menschen und so solle der Blick auf das Kreuz uns immer wieder vergegenwärtigen, dass wir unsere Wege nicht alleine gehen, betonte die Sängerin.

„Die Spannung, die am Abend des Karfreitags deutlich wird, dass Jesus gegen den Schrei der Verlassenheit das Gebet des Vertrauens setzt, kann auf die weltweite Krisensituation und die zerrissenen Erfahrungen vieler Menschen bei uns in der ‚dritten‘ Corona-Welle übertragen werden“, merkte Monsignore Austen an.

Den Abendgottesdienst mit der Dialogpredigt bildete den Abschluss der Fastenreihe. In den vergangenen Wochen haben sich mit großer Beteiligung Kirche und Kultur getroffen. Unter dem Leitmotiv „Ist das Kunst – dann kann das weg?!“ stellte die diesjährige Reihe die Kultur in den Fokus. „Uns war es in diesem Jahr in der Fastenzeit sehr wichtig, im Dom eine Begegnung von Kirche und Kulturszene zu ermöglichen. Kunst und Musik sind aus unserer Sicht genau wie Religion für das Leben existenzrelevant. Die Predigt von Monsignore Austen und Maite Kelly hat daher einen sehr passenden Abschluss gebildet und wir freuen uns sehr, dass Maite Kelly die Andacht ehrenamtlich mitgestaltet hat. Ein echtes Rendezvous von Glaube und Kunst“, sagte der Dompastor Dr. Nils Petrat.

Maite Kelly ist dem Bonifatiuswerk seit einigen Jahren eng verbunden. Als langjährige Patin der bundesweit bekannten "Weihnachtsmannfreien Zone" setzt sie immer wieder ein Zeichen für den Nikolaus als echt gutes Vorbild. Auch eine gemeinsame Buchpublikation mit Monsignore Georg Austen unter dem Titel "Mit Kindern Feste gestalten und feiern" hat Kelly für das Hilfswerk erarbeitet. Darin geht es um gelebtes Glaubensbrauchtum und wie Glaube in der Familie gestaltet werden kann.

Pater Christoph Beesten feiert seinen 88. Geburtstag in unserem Kloster in Maria Veen.

Er erblickte am 2. April 1933 in Ziegenhals (Oberschlesien) das Licht der Welt. Nach dem Besuch der Volksschule und dem Gymnasium in Lohr trat Beesten 1952 in das Noviziat der Gemeinschaft in Mönchsdeggingen ein. Nach seiner Ersten Profess 1953 ging er an das Würzburger Piusseminar und studierte Philosophie und Theologie an der Universität Würzburg. Noch im gleichen Jahr wurde er zum Präfekten an der ordenseigenen Schule in Maria Veen ernannt. Zwei Jahre später nahm er das Studium für das Lehramt am Gymnasium im Fachbereich Germanistik in Köln auf. 1964 kam er als Lehrer nach Zaitzkofen. Ein Jahr später unterrichtete Beesten in Reimlingen. Von 1966 bis 1997 war er als Lehrer am ordenseigenen Gymnasium in Maria Veen tätig. Obwohl er mittlerweile pensioniert ist, kümmert sich Pater Christoph Beesten seit vielen Jahren um die Bibliothek der Schule und hält die Verbindung zu den ehemaligen Schülern und Schülerinnen aufrecht. Ein Herzensanliegen ist ihm zudem der Freundeskreis der Missionare von Mariannhill in Maria Veen. Seit der Gründung ist er im Vorstand aktiv. Eine Aufgabe, die er nicht mehr missen möchte.

Wir gratulieren ihm ganz herzlich und wünsche ihm weiterhin Gottes reichen Segen.

Erste größere Finanz-Hilfen für nicht-pastorale, sondern medizinische, soziale, schulische und landwirtschaftliche Projekte - Misereor im Jahre 1959

Eine etwas andere Aufgabe hatte Bischof Schmitt schon ein paar Wochen nach meiner Ankunft in Simbabwe im ersten Jahr für mich: Da war aus Aachen ein größeres Kuvert mit einem umfangreichen Fragebogen an zunächst vorwiegend deutschsprachige Missionare in alle Welt verschickt worden. Es ging um die erste „Fastenaktion der deutschen Katholiken“, deren Idee auf Alfons Erb von Pax Christi zurückging.

Viele Missionare hatten noch nie von dieser Aktion gehört. Bischof Schmitt übergab mir das Schreiben aus Aachen (bisher bekannt als Standort von Missio und Missionswerk der Kinder) und sagte: „Lies alles mal durch, und wenn du meinst, wir sollten die vielen Fragen beantworten, dann lass es mich wissen. Ich selber hab keine Ahnung, wie man das macht!“

Bischof Schmitt hatte ungefähr 15 Jahre in den USA verbracht; er sprach fließend Amerikanisch-Englisch, aber in seiner Muttersprache Deutsch fühlte er sich nicht mehr so sicher.

Auch das war wohl mit ein Grund, warum er mir das Ausfüllen des Fragebogens überlassen wollte. Nur, wie hätte ich das tun sollen? MISEREOR erwartete ausführliche Informationen über jede einzelne Station: Lage, Größe, Einwohnerzahl, Anteil an Katholiken, Missionspersonal, Einnahmen vor Ort, andere Quellen – und detaillierte Beschreibungen der geplanten Projekte.

Lauter Fragen, die eigentlich nur der Bischof selber beantworten konnte! Das brachte schließlich den Bischof auf die Idee, mich zwei, drei Wochen lang durch das gesamte Bistum zu fahren, um auf diese Weise an die entsprechenden Informationen zu kommen, die für den MISEREOR-Fragebogen so wichtig schienen.

Auf diese Weise bekam ich einen ersten nachhaltigen Gesamtüberblick über jede Missionsstation, über das gesamte Personal des Bistums, über die örtliche Lage, über die Zukunftspläne und die finanzielle Situation der einzelnen Stationen bzw. jeder Stadtpfarrei in Bulawayo.

Da in Begleitung des Bischofs, zeigte man sich mir, dem Neuling gegenüber, durchaus offen und vertrauensvoll. Eine bessere Chance, die Gesamtsituation des Bistums kennen zu lernen sowie einen kleinen Überblick über die politischen Verhältnisse des Landes zu erhalten hätte ich kaum bekommen können – nicht in so kurzer Zeit!

Kaum hatten wir unsere „Rundfahrt“ beendet und waren wieder nach Bulawayo zurückgekehrt, da erkrankte ich an Malaria. Man hatte vergessen, mich rechtzeitig zu warnen und auf prophylaktische Anti-Malaria-Tabletten aufmerksam zu machen. Das hatte schwerwiegende Folgen: Ich hatte fortan immer wieder mal Malaria-Anfälle mit den hässlichen Begleiterscheinungen: Hohes Fieber, Schüttelfrost, Durchfall, Erbrechen – und der Gewissheit, lebenslang für Malaria anfällig zu bleiben, vor allem bei größerem Orts- und Klimawechsel.

Meine letzten, schweren Malaria-Fieberschübe hatte ich in Kanada (1972) – auf dem Rückflug von Papua-Neuguinea. Im Übrigen habe ich künftig Reisen in „Malaria-Regionen“ weithin vermieden bzw. rechtzeitig Anti-Malaria-Tabletten zu mir genommen.

Zurück zum MISEREOR-Fragebogen: Ich saß mehrere Tage an der Ausarbeitung dieses Papiers – mit ausführlichen und detaillierten Angaben zu jeder Missionsstation – sowie mit einem Überblick zur Gesamtsituation des Landes, das damals im Vergleich zur heutigen korrupten Situation noch glänzend dastand. Die Menschen hatten durchschnittlich genug zu essen. Bei größeren Dürreperioden und bei massiven Unwettern sprangen gewöhnlich die Hilfsorganisationen der Regierung ein – zusätzlich zu den internationalen Werken.

Aber der radikal-totale politische Wechsel von der quasi-selbständigen Kolonial-Regierung zum „System Mugabe“ fand erst rund 20 Jahre später statt, nach den 1980er Jahren. Heute (2021) ist das einst blühende Land eine Ruine – trotz seiner vielen Bodenschätze (Kohle, Erz, Gold, Asbest, Diamanten), trotz seiner einst ertragreichen Land- und Viehwirtschaft, trotz üppigem Mais- und Tabakanbaus… Rhodesien war in vielerlei Hinsicht ein Exportland; heute hungern Millionen, vor allem schwarze Einwohner.

Bischof A. G. Schmitt erntete später viel Lob für das von ihm nach Aachen gesandte Antwort-Papier. Wir, im Erz-Bistum Bulawayo, waren denn auch bei den Allerersten, deren Anträge auf finanzielle Beihilfen positiv beantwortet wurden. Noch Jahrzehnte später profitierten vor allem unsere Missionskrankenhäuser von der einst erstellten Gesamtübersicht des heutigen Erzbistums Bulawayo.

Besonderer Dank gilt unseren Ärztinnen und Ärzten, die das mühsame Erstellen und Bearbeiten der Misereor-Anträge über Jahrzehnte auf sich nahmen und erfolgreich weiterführten.

Wir – auf der Embakwe-Mission, wo ich ab Dezember 1959 stationiert war – erst als Assistent von Pater Elmar Martin Schmid, dann als sein Nachfolger (Rektor & Pfarrer der Station sowie als Prinzipal der dortigen High School) erhielten zwischen 1960 und 1965 rund ein Dutzend MISEREOR-Finanzspritzen:

  • Darunter Gelder für zwei Staudämme, d. h. Viehtränken für die Herden der benachbarten afrikanischen Farmer;
  • für eine große Werkhalle mit Schreinerei, Schlosserei etc.
  • für die Bewässerung von ca. 70 Morgen Brachland in der Nähe unseres großen Stausees am Tschankitscha, einem Nebenfluss des Embakwe-Rivers;
  • für einen Internats-Neubau für farbige Mädchen; Mischlingskinder aus ganz Rhodesien/Simbabwe sowie aus Nordrhodesien (Sambia) und aus Nyassaland (Malawi);
  • für einen Traktor zum Pflügen der Felder der schwarzen Landwirte der Umgebung;
  • für einen Sechs-Tonnen-Mercedes-Laster zugunsten der Embakwe-Mission, wo täglich rund 600 Personen (Schwarze, Weiße, Farbige) verköstigt werden mussten…

Die Diözese Bulawayo gehörte auch zu den ersten im südlichen Afrika, wo deutsche MISEREOR-Helfer/innen zum Einsatz kamen – Krankenschwestern auf der Fatima-Mission und Saint-Pauls‘ sowie zwei Agrar-Experten und einen Schreinermeister auf der Embakwe-Mission.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mehrere ältere Patres mich allen Ernstes warnten: „Ob das gut geht?! Laienhelfer unter Patres, Brüdern und Ordensschwestern!?“ – Sie schüttelten ihre ergrauten Köpfe und baten mich eindringlich, von solchen Risiken abzusehen!

Es ging gut! Und ich hatte ja (wie schon erwähnt) etwa zeitgleich in Embakwe auch einen Missionshelfer aus England als Sekretär, den schon sehr bald alle andern auf der Station schätzten und respektierten: Mr. John Jakob aus London!

Er war nicht nur mein Sekretär im Büro, sondern auch Handlanger und Hilfskraft überall dort, wo gerade zupackende Hände gebraucht wurden. – Mit unserem greisen, mitunter etwas knurrigen Bruder Maurice, einem Schweizer (der sich in mindestens zehn Handwerker-Berufen zurechtfand) verstand sich John besonders gut.

Religiöse und pastorale Projekte wurden von Anfang an von MISEREOR nicht mitfinanziert, also auch keine Kirchenbauten, keine Gebetsräume, keine katechetischen Zentren. Nicht die Religions-Zugehörigkeit spielte bei der Vergabe der Gelder eine Rolle, sondern die Bedürftigkeit der Menschen und die Zusicherung, dass diese Gelder korrekt verwendet würden.

Was in der Bundesrepublik (MISEREOR betreffend) kaum gesehen und gewürdigt wird, ist die „Strahlkraft des Hilfswerkes“ weit über die finanziellen Hilfen hinaus: Ich bin viel in der Welt herumgekommen, habe zahlreiche MISEREOR-Projekte kennengelernt und bin, egal wo ich nachfragte, immer auf positives Echo gestoßen. Dabei scheint mir das allgemeine Ansehen, das Deutschland durch MISEREOR gewonnen hat, noch viel wertvoller zu sein als die Anerkennung wegen der großzügigen Geldspenden.

Ich wage den Vergleich, auch wenn er unzulässig erscheint: Adenauer, der Weise und Humorvolle von Rhöndorf, hat nach 1945 den Deutschen in der Welt wieder zu Respekt und Ansehen verholfen; Kohl, Weizsäcker, Merkel, Brandt, Steinmeier u.a. haben ihrerseits viel dazu beigetragen – und auch Papst Benedikt XVI. darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Die Bescheidenheit und das gütige Lächeln, womit dieser Papst „aus dem ehemaligen Hitler-Deutschland“ die Menschen in aller Welt bezauberte, hat manchen „Deutschen-Skeptiker“ eines Besseren belehrt.

In ähnlichem Sinne wie MISEREOR hat von evangelischer Seite die Aktion BROT FÜR DIE WELT das gute Ansehen der Deutschen im Ausland gestärkt; ebenso die katholischen Werke ADVENIAT und RENOVABIS.

Papst Franziskus hat für alle Menschen Zugang zu Trinkwasser gefordert. Es müsse zudem „ein für alle Mal” Schluss sein mit „Verschwendung, Kommerzialisierung und Verschmutzung“ des Wassers, heißt es in einer Botschaft des Papstes zum Weltwassertag an diesem Montag. 

Trinkwasser fehlt immer noch

Mehr denn je müssten die Staaten und auch private und öffentliche Bereiche zusammenarbeiten, um allen Menschen Zugang zu Wasser zu ermöglichen; außerdem brauche es verbindliche Gesetze und „systematische und wirksame Unterstützung, damit Trinkwasser in guter Qualität und ausreichender Menge alle Bereiche des Planeten erreicht“, fordert Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Namen des Papstes in der Videobotschaft, die der Vatikan diesen Montag veröffentlichte. Auch im 21. Jahrhundert sei es leider immer noch nicht gelungen, allen Menschen Zugang zu Trinkwasser als „grundlegendes, fundamentales und allgemeines Menschenrecht“ zu gewähren, betont der Papst zum Weltwassertag 2021.

Wir laden eine soziale Schuld auf uns

„Diese Welt lädt eine schwere soziale Schuld gegenüber den Armen auf sich, die keinen Zugang zum Trinkwasser haben, denn das bedeutet, ihnen das Recht auf Leben zu verweigern, das in ihrer unveräußerlichen Würde verankert ist“, bekräftigt Franziskus mit einem Zitat aus seiner Enzyklika „Laudato Si“, die er 2015 veröffentlichte. Die negativen Folgen dieser Tatsache gelten besonders für Arme und Bedürftige.

„Ändern wir unsere Lebensstile, auf dass wir weder verschwenden, noch verschmutzen“

„Beeilen wir uns, um den Dürstenden zu trinken zu geben. Ändern wir unsere Lebensstile, auf dass wir weder verschwenden, noch verschmutzen“, lautet der Appel aus dem Vatikan zum diesjährigen Weltwassertag. Alle Menschen ruft Papst Franziskus daher auf,  Wasserverschmutzung zu stoppen und zum Umweltschutz zu erziehen. Ausdrücklich lädt er alle dazu ein „unseren Lebensstil zu ändern, auf der Suche nach dem Guten, Wahren und Schönen sowie in Gemeinschaft mit allen anderen Menschen und immer mit Blick auf das Gemeinwohl“.

„Wasserverschwendung, mangelnde Aufmerksamkeit für das Thema und Wasserverschmutzung sind Fehler, die sich auch heute noch wiederholen“, so der Papst. Er erinnert zudem an die Auswirkungen des Klimawandels auf die lebenswichtige Ressource Wasser und kritisiert erneut eine „globalisierte Gleichgültigkeit“ und „Wegwerfkultur“, die den Menschen das Gefühl gäben, „autorisiert zur Plünderung der Schöpfung“ zu sein. Schließlich dürfe auch die aktuelle Gesundheitskrise nicht vergessen werden, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Ungleichheiten noch verschärft habe und „deutlich den Schaden vor Augen führt, der aufgrund von mangelndem oder nicht ausreichendem Wasserzugang für die Bedürftigsten entstanden ist“.

Das Mariannhill Chamber Orchestra meldet sich mit einem Video aus dem Lockdown. Die Musiker hatten sich pandemiebedingt schon über ein Jahr nicht mehr gesehen, und daher hat es Rudolf Müller unternommen, ein Lockdown-Video mit den MusikerInnen zu produzieren.

Seit Jahrzehnten gilt Tuberkulose als die todbringendste Infektionskrankheit weltweit: TB fordert rund 1,4 Millionen Menschenleben pro Jahr, circa 4.000 am Tag und damit etwa drei in einer Minute. „Eine Pandemie riesigen Ausmaßes, doch in hiesigen Medien wird sie kaum thematisiert“, konstatiert Burkard Kömm, Geschäftsführer der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe. „Das liegt vor allem daran, dass es in den Industriestaaten aufgrund der hohen Medizin-, Hygiene- und Ernährungsstandards heute relativ wenige TB-Fälle gibt.“ Ganz anders sehe es im Globalen Süden und in Osteuropa aus: „Hier ist die Tuberkulose nach wie vor sehr weit verbreitet. Insbesondere die multiresistente TB stellt eine wachsende Bedrohung für die globale Gesundheitssicherheit dar“, so Kömm. „Um die TB in den Griff zu bekommen, müssen wir als Weltgemeinschaft aktiv werden und sektorübergreifend zusammenarbeiten – so wie derzeit im Kampf gegen Corona“, fordert Kömm. „Die Uhr tickt!“

Globale Gesundheitsprobleme erfordern globale Antworten         

Etwa 10 Millionen Menschen, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO, erkranken jedes Jahr neu an Tuberkulose, ca. 80 Prozent dieser Fälle finden sich in Südostasien und in Afrika. Unter den Ländern führt Indien seit Jahrzehnten die TB-Statistiken an (26 Prozent aller Fälle), dicht gefolgt von Indonesien, China, den Philippinen und Pakistan. Um Tuberkulose und die beiden anderen gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt – Aids und Malaria – zu bekämpfen, haben sich 2002 die G8-Staaten zusammengeschlossen und den Globalen Fonds (Global Fund) gegründet: Mit Mitteln aus staatlicher und privater Hand werden nationale Gesundheitssysteme, Medikamente, Forschungsprojekte und weitere Maßnahmen zur Eindämmung der „big three“ finanziert. Nach eigenen Angaben wendet der Globale Fonds jährlich mehr als 4 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung von Programmen auf, die von lokalen Expert*innen in mehr als 100 Ländern durchgeführt werden. Für Tuberkulose stellt der Globale Fonds allein 73 Prozent aller internationalen Finanzmittel bereit. Im Jahr 2019 konnten 5,7 Millionen TB-Patient*innen behandelt werden.

Medizinische Maßnahmen alleine reichen nicht

Hoffnung auf weitere Fortschritte versprechen verbesserte Diagnoseverfahren und neue Medikamente, die eine kürzere und verträglichere Behandlung der antibiotikaresistenten Tuberkulosen ermöglichen. Doch die Zahlen zeigen, dass damit allein die TB-Pandemie nicht besiegt werden kann. Tuberkulose ist eine armutsassoziierte Krankheit. Der einzige Weg, sie nachhaltig zu eliminieren, ist es, die Lebensverhältnisse der Ärmsten in der Welt zu verbessern. „Jeder dritte Mensch weltweit trägt den Erreger der Tuberkulose, das Mycobacterium tuberculosis,in sich, aber ein gesundes Immunsystem kann die Infektion in Schach halten“, erklärt Burkard Kömm. „Zum Ausbruch der Krankheit kommt es dann, wenn Menschen infolge von unzureichender Ernährung, schlechten Hygiene- und Wohnbedingungen, dauerhaftem Stress oder anderen Krankheiten geschwächt sind.“

Auch im Rahmen eines High-Level-Meetings zu Tuberkulose, das am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen 2018 in New York stattfand und bei dem auch Burkard Kömm für die DAHW vertreten war, wurde bestätigt, dass Pandemien wie die Tuberkulose von Faktoren wie Bevölkerungsbewegungen, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Mangelernährung, Menschenrechtsverletzungen, mangelndem Zugang zu Bildung, Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern sowie Stigmatisierung und Diskriminierung beeinflusst werden. „Deshalb wäre die Verwirklichung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der beste Weg, um auch die Ziele der globalen Strategie zur Beendigung der TB zu erreichen“, stellt Kömm klar. 

Die „fehlenden Menschen“ erreichen

Ein Grund dafür, dass nicht alle betroffenen Menschen von den globalen Aktivitäten zur Eindämmung der Tuberkulose profitieren, ist, dass viele von ihnen schlicht keinen Zugang zu den Gesundheitsdienstleistungen haben und deshalb von den Maßnahmen nicht erreicht werden. Die strategische Initiative des Globalen Fonds "Finding missing people with TB" („Finden der fehlenden Menschen mit TB“) zielt darauf ab, dreizehn Schwerpunktländer dabei zu unterstützen, Lücken in der Versorgung durch gemeindebasierte und patient*innenzentrierte Ansätze zu schließen, insbesondere besonders gefährdete (vulnerable) Personengruppen.

Wir Missionare von Mariannhill freuen uns, Ihnen eine neue kostenlose Broschüre präsentieren zu können. Sie hält wertvolle Informationen für junge Menschen bereit, die sich als Missionare auf Zeit für einen Einsatz auf einer unserer Missionsstationen interessieren. Einsatzorte können in Kolumbien, Kenia oder Südafrika liegen. Falls Sie interessiert sind, können Sie die Broschüre kostenlos über unseren Onlineshop anfordern oder downloaden. 

maz 1shopHier finden Sie wichtige Informationen

Immer wieder hielt Abt Franz Pfanner bewegende Predigten über den Hl. Joseph. Von sieben seiner Predigten sind uns die Texte erhalten
geblieben und gerne teilen wir sie mit Ihnen. Sie finden sie unter folgendem Link: https://www.mariannhill.de/quellen/abt-franz-pfanner/predigten-%C3%BCber-den-hl-joseph

hljosefmissionshausHolzplastik zeigt den Hl. Josef im Missionshaus St. Josef, Reimlingen ©2021 pater andreas rohring cmm

„Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen kennt keinen Lockdown.“ Das hat Pater Michael Heinz, Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, anlässlich des Weltfrauentages am 8. März betont. Im Gegenteil: In Lateinamerika meldeten zahlreiche Länder einen starken Zuwachs von häuslicher Gewalt gegen Frauen und Mädchen während der Corona-Pandemie. Hinzu kommen laut Pater Heinz immer mehr tödliche Übergriffe gegen Migrantinnen auf der Flucht oder in ihren neuen Heimatländern. „Die Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Lateinamerika muss endlich gestoppt werden“, lautet die Forderung des Adveniat-Chefs.  

Allein in Mexiko wurden im vergangenen Jahr 3.723 Frauen ermordet, in Kolumbien vervielfachte sich die Zahl der registrierten Fälle von häuslicher Gewalt und aus Peru sowie Ecuador gab es zuletzt Berichte über tödliche Attacken auf venezolanische Migrantinnen. „Drei Beispiele aus einer ganzen Reihe an besorgniserregenden Entwicklungen, die belegen, dass Frauen und Mädchen in Ausnahmesituationen wie einer Pandemie oder auf der Flucht besonderen Gefahren ausgesetzt sind“, sagt Pater Heinz. 

„Die aktuelle Corona-Pandemie hat die Lage von Frauen und Mädchen noch einmal verschärft“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks. Das sei nicht nur aufgrund der steigenden häuslichen Gewalt so, sondern auch wegen der schweren Wirtschaftskrise. Laut einem in dieser Woche veröffentlichen Bericht der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik ist die Zahl der in Armut lebenden Menschen in der Region im Jahr 2020 um weitere 22 Millionen Menschen gestiegen. Damit erreicht Lateinamerika einen Krisenzustand wie seit vielen Jahren nicht mehr. Besonders betroffen vom Verlust von Arbeitsplätzen sowie von einbrechenden Einnahmen im informellen Sektor seien Frauen. Mädchen in ländlichen Regionen verlieren mehr und mehr den Zugang zu Bildung. „Für die Stärkung der Rechte der Frauen ist es unabdingbar, dass ein abgesicherter Zugang zur Schulbildung für Mädchen gerade aus einkommensschwachen Bevölkerungsschichten garantiert wird. Nur eine gute Schulbildung ermöglicht es, im Berufsleben Fuß zu fassen“, sagte Pater Heinz.Besorgniserregend seien auch die aktuellen großen Migrationsbewegungen, sagt der Adveniat-Chef weiter. „Mädchen und Frauen aus Mittelamerika oder Venezuela, die sich auf der Flucht befinden, werden immer häufiger das Ziel von Menschenhändlern. Nicht selten landen Migrantinnen in der Zwangsprostitution ohne Aussicht auf juristische Hilfe und leiden unter prekären, menschenunwürdigen Bedingungen.“ Oftmals würden die Frauen durch brutale Gewalt zur Prostitution gezwungen. „Der Schutz der Rechte von Mädchen und Frauen auf der Flucht muss gewährleistet werden, weil sie zu den Bevölkerungsgruppen zählen, die meist besonders schutzlos fremdenfeindlicher Gewalt und den Gefahren des Menschenhandels ausgesetzt sind. Dazu sind nicht nur eine nachhaltige Politik und gemeinsame gesellschaftliche Kraftanstrengungen notwendig, sondern auch die gezielte Unterstützung von Ländern in Lateinamerika, die Geflüchtete aufnehmen und betreuen. Alleine sind diese Länder mit der humanitären Aufgabe der Aufnahme und Integration von Millionen von Geflüchteten überfordert“, sagte Pater Heinz.

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