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Gedanken zum Advent von Pater Jörg Thiemann CMM:

"Es wird alles gut!", sagte ein Mitbruder vergangene Tage, als er zum Frühstück kam. Er sprach über Corona, über den Impfstoff und über die Möglichkeit, wie dieser Impfstoff zu transportieren sei. Wir alle - dieses Mal kann ich das so sagen - wir alle hoffen auf ein baldiges Ende der Pandemie. So sehnsüchtig haben wir noch nie auf etwas gehofft. Sicher kennt jeder andere Situationen, in denen die Hoffnung groß war. Es war die Hoffnung auf die Zusage zu einem Arbeitsplatz, die Hoffnung, dass sich ein lang gehegter Kinderwunsch erfüllt.

Hoffnung ist das, was uns als glaubende Menschen ausmacht. Der Grund unser Hoffnung: Gott, seine Liebe. Gott, der uns in Jesus seinen Sohn gesandt hat. Jesus war in seinem Leben für viele Menschen, ganz besonders für die einfachen Menschen, ein Hoffnungsträger. Viele haben ihn gern gehört. Bekämpft und abgelehnt haben Jesus nur die starken, die Mächtigen, die Etablierten und: Man muss es so sagen, die religiösen Führer. Jesus hat mit seinen Worten und Taten vielen Menschen Hoffnung und Zuversicht geschenkt.

Wir hoffen, dass Gott am Leben dieser Welt Anteil nimmt, dass Gott in das Leben der Welt und der Menschen eingreift. Wir sehen es in der Lesung aus dem Buch Jesaja. Als Jesaja diese Worte schrieb, waren die Juden gerade aus dem Exil nach Jerusalem zurückgekehrt. Sie waren überzeugt: Das Exil war eine Strafe von Gott. Die Menschen fühlten sich Gott sehr fern. Sie glaubten, Gott habe sie verlassen. Wo war Gott im Leiden? Warum ließ Gott die Sehnsucht nach IHM erkalten, warum verhärtete Gott das Herz. So fragten sich die Israeliten. Es schien, als habe es Gott selbst bewirkt, dass die Menschen ihn nicht mehr suchten und sich nicht mehr nach ihm sehnten. Dennoch: Sie hofften, sie flehten, sie beteten, dass Gott wieder eingreifen möge in ihr Leben.

In der größten Ferne beten die Menschen. Sie haben die Erinnerung, dass Gott eingreift, wenn sie auf ihn hoffen wenn sie sich an ihn wenden, wenn sie nach seinen Geboten leben, wenn sie über seine Wege nachdenken. Die Israeliten spüren: Nur unser Gott ist den Menschen so nahe. Nur unser Gott ist der lebendige. Doch sie machen auch ein Schuldgeständnis. Dass Gott so fern ist, das liegt allein an ihrer Schuld. Sie hatten sich abgewandt von ihm. Doch es wird ihnen bewusst, dass Gott ihr Vater ist, dass sie immer Geschöpfe sind. Sie spüren, dass sie ihr Leben Gott verdanken. Die Israeliten hoffen, dass Gott ihnen neu Heil schenkt, dass er sich ihnen neu zuwendet.

HOFFNUNG KOMMT VON GOTT

Im Grunde sind das auch Fragen, die in unserer Zeit gesellt werden. Die Worte des Jesaja können auch in uns die Hoffnung auf Gott stärken. Auch unser Leben soll bestimmt sein von Hoffnung und Zuversicht gegen jede Schwarzseherei.
Schauen wir in das Leben des Jahres 2020. Neben Corona beschäftigen uns die Kriege, der Hunger, den es auf der Welt gibt. Wie oft habe ich gehört, dass diese Welt momentan aus den Fugen gerät! Was den Klimaschutz angeht, da glauben sehr viele, dass es 5 nach 12 ist. Papst Franziskus hat in einer eindringlichen Enzyklika den Klimaschutz und die Bewahrung der Schöpfung ans Herz gelegt. Wir müssen so leben, dass diese Welt lebenswert bleibt. Wir müssen uns dazu auf den Glauben an Gott zurückbesinnen. An uns sollen die Mitmenschen erkennen, worauf wir hoffen, woran wir uns halten. An Gott! An seine Liebe! Gott hat diese Welt geschaffen. Er hat uns die Gebote als Orientierung mitgegeben. Auf diese müssen wir uns neu besinnen. Wer an Gott glaubt, der wird immer Grund zur Hoffnung haben, trotz aller Bedrohungen, die wir gegenwärtig erleben. Denn Gott kommt und er wird diese Welt erlösen. Er wird uns ewiges Leben, das Heil, die ewige Freude schenken.

Dieses Heil, diese Erfahrung, wünscht Paulus auch den Korinthern. "Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater". Die Gnade, die liebende Zuwendung Gottes wird den Korinthern zugesprochen. Mit dem Wunsch nach "Friede" wünscht Paulus den Korinthern Wohlergehen durch Gott. »Friede« ist die Übersetzung von »schalom«. Im schalom leben, bedeutete völlig eins sein mit Gott. Diese Zuwendung von Gott ist die Lebensgrundlage für unser Handeln in dieser Welt. Diese Hoffnung kann für uns Kraftquelle sein. Doch muss diese Lebensgrundlage immer wieder neu erworben werden. Redlich müssen wir uns darum bemühen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Gott treu ist. Die Gemeinschaft mit Jesus ist kein Besitz, den man in der Hand hält. Menschen können sich immer wieder von Gott entfernen. Sie können die Hoffnung vergessen, die uns im Glauben an Gott geschenkt ist.

DIE HOFFNUNG WACHHALTEN

Diese Hoffnung wollen wir darum wach halten in uns. Jesus hat im Evangelium alle Hände voll zu tun, uns anzuhalten wach zu bleiben. Einst wird Jesus wiederkommen, um diese Welt und auch uns zu erneuern. Darauf dürfen wir hoffen. Wir hoffen auf vieles in der Welt. Ich hatte am Anfang von so manchen Hoffnungen gesprochen. Doch die große Hoffnung ist Jesus. Er kommt wieder und schenkt uns sein Heil, er schenkt uns ewige Freude bei Gott. Diese Hoffnung ist es, die unser Leben bestimmen sollen. Wir müssen uns mit den Katastrophen in dieser Welt genauso auseinandersetzen wie unsere Mitmenschen, sei es der Klimawandel, sei es die Pandemie oder persönliche Schicksale. Doch der Glaube gibt uns Hoffnung. Wir leben auf Gott hin. Wo wir uns Gott neu zuwenden, wo seine Worte wichtig sind, wo wir unsere Sehnsucht nach Gott entdecken, dort erfahren wir bereits die Freude und die Fülle.

Advent - eine Zeit der Vorbereitung, eine Zeit, wach zu werden, wach zu bleiben. Vielleicht fallen coronabedingt verschiedene Angebote aus. Werden überhaupt Gottesdienste stattfinden? Wenn ja, wie? Dennoch können wir das Beste aus der Situation machen. Vielleicht nehmen wir uns in der Familie hier und da Zeit für ein Gebet, für einen schönen besinnlichen Text oder für ein ruhiges Sitzen im Kreis der Familie vor dem Adventskranz, für das Lesen eines Bibeltextes. Es gibt einige Möglichkeiten, unserer Hoffnung auf Jesus Nahrung zu geben. Halten wir unsere Hoffnung wach und leben wir daraus!

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