headermariannhill2

Die zunehmende Gewalt in Kolumbien zwingt Adveniat-Partner Leyner Palacios seinen Deutschlandbesuch abzusagen 

Essen, 3. Dezember 2019. „Die zunehmende Gewalt zwingt mich, meine geplante Deutschlandreise abzusagen.“ Das sagte der kolumbianische Friedensaktivist und Adveniat-Partner Leyner Palacios gegenüber dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Im Rahmen der bundesweiten Weihnachtsaktion der Katholischen Kirche „Friede! Mit Dir!“ wollte Palacios in Deutschland von der Situation in Kolumbien und der Adveniat-Hilfe beispielsweise für die von ihm gegründete „Interethnische Wahrheitskommission für die Pazifikregion“ berichten. „Wir erleben hier in den Dörfern um Bojaya einen Krieg. Sie wollen uns weiterhin töten.“ Palacios ist Überlebender des Massakers von Bojaya. Die Bewohner der Kleinstadt in der westkolumbianischen Provinz Chocó waren am 2. Mai 2002 zwischen die Fronten der rechtsgerichteten Paramilitärs und der Farc-Guerilla geraten. 79 Menschen, davon 32 Familienangehörige von Leyner Palacios, starben als eine Bombe die Kirche traf, in der sie Schutz gesucht hatten.

Vor dem Massaker hatte die Bevölkerung die Regierung um Unterstützung gebeten, wie sie es aktuell wieder tut. „Die Menschen befürchten, dass sich die blutige Geschichte wiederholt“, mahnt die Kolumbienreferentin des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat Monika Lauer Perez. Gerade in den abgelegenen Gegenden eskaliere die Gewalt zwischen Paramilitärs, Drogenkartellen und Guerillabewegungen. „Opfer sind die Zivilbevölkerung, die indigenen Völker sowie die Menschenrechts- und Friedensaktivisten“, beklagt Adveniat-Expertin Lauer Perez. „Die Regierung unter Präsident Duque muss die Bürger vor der zügellosen Gewalt schützen, den Dialog mit der ELN unbedingt wiederaufnehmen und die Landreform – wie im Friedensabkommen vorgesehen – umsetzen, damit der Frieden endlich bei denen ankommt, die am meisten unter dem Krieg gelitten haben und weiterhin leiden.“

Bewegung scheint nun aufgrund der zwei Wochen andauernden Proteste in der Hauptstadt Bogotá und anderen großen Städte zu kommen. Angesichts des für heute geplanten Generalstreiks in Kolumbien ist Präsident Ivan Duque auf einige Forderungen eingegangen. Er wolle die Verhandlungen mit der ELN, der aktuell größten Guerilla des Landes, wieder aufnehmen. Bedingung: Sie müsse alle ihre Geiseln freilassen und ihre kriminellen Aktivitäten beenden. Die Bischöfe der von der Gewalt am meisten betroffenen Gebiete haben in einem Brief die ELN gebeten, alle Entführten freizulassen. Nur dann könne die Regierung wieder verhandeln.

Vor drei Jahren war in dem Land, das seit mehr als 50 Jahren unter Gewalt und Krieg leidet, Hoffnung aufgekeimt. Nach langen Verhandlungen im kubanischen Havanna zwischen Regierung und der damals größten Guerilla, den „Revolutionären Streitkräften Kolumbiens“ Farc, hatten beide Seiten 2016 einen Friedensvertrag unterzeichnet. Die vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützte „Nationale Versöhnungskommission“ der Katholischen Kirche in Kolumbien hatte dafür gesorgt, dass Leyner Palacios und weitere 59 Opfer der Gewalt am Verhandlungstisch angehört wurden. „Präsident Duque hat den von seinem Vorgänger und Friedensnobelpreisträger Manuel Santos angestoßenen Friedensprozess sträflich vernachlässigt. Kolumbien droht erneut immer tiefer in Krieg und Gewalt zu versinken, weil auch die Regierung ihre Zusagen nicht einhält. Es stehen nicht die Menschen und ihr Wunsch nach Frieden im Mittelpunkt, sondern die Machtinteressen der politischen und wirtschaftlichen Elite“, kritisiert die Adveniat-Kolumbienreferentin Monika Lauer Perez.

­