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Schwester Pallotti Findenig CPS leitete eine Andacht in der Stollenkapelle in Langen, Vorarlberg. Hier der Wortlaut ihrer Ansprache: 

Liebe Feiergemeinde hier am Stollen!

Wir haben einen bewegten Tag hinter uns und sind hier am Stollen, um diesen Tag abzuschließen, um zu danken für all das Gute, das hier geschieht und geschehen ist und für den Menschen, der nicht weit von hier geboren wurde und vor 110 Jahren sein Leben im weit entfernten Südafrika Gott, seinem Schöpfer, zurückgegeben hat. Sein Leben ist dem Insiderkreis hier hinlänglich bekannt, damit möchte ich Euch alle nicht langweilen. Und wenn jemand ein Detail vergessen hat, dann bitte in der Sonderausgabe vom Ahorn Blättle nachlesen! Ein paar Gedanken zu ihm und von ihm zur Einstimmung auf das Gebet.

Ohne einen Satz, den er gesprochen hat, wäre keine und keiner von uns hier:

„Wenn keiner geht, gehe ich!“

Wenn keine/keiner geht, gehe ich! Haben Sie das schon einmal gedacht, gesagt, getan? Ja, es kommt auf den Anlass an. Wenn keiner geht, gehe ich. Wenn keiner geht, gehe ich auch nicht. Warum sollte ich? Kommt es wirklich auf mich an? Wer bin ich denn schon! Es gibt andere mit mehr Können, mehr Talenten, mehr Fähigkeiten… Wenn keiner vom sinkenden Schiff geht, gehe ich auch nicht. Oder? Bin ich da der Erste? Wenn keine gegen Unrecht aufsteht, stehe ich auch nicht auf. Wenn keiner hinläuft, um zu helfen… Wenn alle in der Firma eine Frau mobben, was tu ich dann? Wenn keine diese Frau verteidigt, tu ich es? Ich habe den Eindruck, wenn kein Land mit Klimaschutz Ernst macht, warum soll Österreich es tun? So ungefähr ist der Gesamteindruck der heutigen Politik – weltweit. Warum wir, warum ich, wenn es andere auch nicht tun!

Es gehört oft eine Portion Mut dazu, gegen den Strom zu schwimmen, zu seiner Meinung zu stehen öffentlich. Als der damalige sowjetische Präsident Chruschtschow in seiner berühmten Rede die Stalin-Ära verurteilte, soll jemand in der Kongresshalle gerufen haben: „Wo waren Sie, Genosse Chruschtschow, als alle diese unschuldigen Menschen hingeschlachtet wurden?“ Chruschtschow hielt inne, blickte sich in der Halle um und sagte: „Würde derjenige bitte aufstehen, der das gesagt hat?“ In der Halle wuchs die Spannung. Niemand stand auf. Dann sagte Chruschtschow: „Nun, das ist die Antwort, wer Sie auch immer sein mögen. Ich war damals in genau gleicher Lage wie Sie jetzt.“

„Wenn keiner geht, gehe ich!“ Gesagt, getan – von Franz Pfanner mit 55 Jahren.

Thomas Merton, amerikanischer Trappist und Autor, schreibt über ihn: "Er glich äußerlich einem alttestamentlichen Propheten: Die Augen, die in einem Adlergesicht standen, leuchteten wie die eines Sehers. Die feinfühligen Lippen, die sich in einem zierlichen Prophetenbart bewegten, waren fähig, einen Kreuzzug wachzurufen…“

In ihm brannte das Feuer der Hingabe an Jesus Christus, eine Liebe, die ans Äußerste ging, auch an die Grenzen der Welt.

Abt Franz warb im Gebiet der Monarchie um Frauen. Bei einer Volksmission, die wir CMM und CPS vor Jahren in Lingenau hielten, sagte mir eine alte Frau: Die Mütter sperrten ihre Töchter ein, wenn Abt Franz predigte, sie waren nicht zu halten und wollten gleich mit ihm nach Afrika. Er verlangte viel von den jungen Frauen. Radikal war damals der Eintritt in die junge Schwesterngemeinschaft. Der Eintritt war direkt in Südafrika. Er war wegen seines roten Bartes bald der beliebteste Mann: Rote Haare galten als Zeichen der Weisheit! Wir versuchen, den Gründungsauftrag in unsere Zeit zu übersetzen. Ein Gründungsziel war eine lebendige Kirche in Afrika – dieses Ziel ist erreicht und doch immer noch ausbaufähig.

In seinem Missionseifer ging er den römischen Behörden zu weit – er wurde als Abt abgesetzt und musste sich in die Berge zurückziehen, er wählte den kleinen Ort Emaus. Dort errichtete er in die Felsen hinein einen Kreuzweg, den er täglich betete. Er durfte weder mit den Patres noch den Schwestern Kontakt haben. Er schreibt nach seiner Absetzung als Abt: „Ich war nie ruhiger und heiterer als heute. Als gestern, am Tag des Hl. Athanasius, des großen Verfolgten, mein Suspensionsschreiben kam, dachte ich an diesen Helden und war getröstet."

„Wenn nur auf jede Weise Christus verkündigt wird, das ist meine Freude!“ und „Unser Missionsgebiet ist ein Stück vom Reiche Christi und das hat keine Grenzen!“

Und, als ob er den Zustand unserer Welt bereits vorausgesehen hätte: „Wann wird die Welt es einsehen, dass sie zur Einfachheit zurückkehren muss, wenn bessere Zeiten kommen sollen?“

Was heißt das für mich, für jede und jeden von uns? „Wenn keine geht, gehe ich!“ Es kommt auf mich, auf jede und jeden von uns an, dass Jesus Christus in unserer Welt lebendig ist und bleibt. Von einem anderen Franz, dem von Assisi, stammt die Aussage: „Verkündet das Evangelium, wenn nötig, verwendet Worte!“ Wenn nötig: Das heißt, das Buch, das von Menschen in welcher Sprache auch immer gelesen und verstanden wird, ist das Leben, unser gelebtes Zeugnis, unsere Überzeugung. Jesus hat kein einziges geschriebenes Wort hinterlassen, er hinterließ uns das Zeugnis seines Lebens bis zur Hingabe des letzten Tropfen Blutes. Und er hinterließ uns sein Mit-uns-sein bis ans Ende der Welt.

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