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Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni hat Misereor große Sorge vor der Gefahr, dass durch den Ukraine-Krieg Konflikte und Fluchtbewegungen in anderen Teilen der Welt aus dem Blick geraten und sich humanitäre Krisen verschärfen. Das Schicksal von Schutzsuchenden außerhalb Europas müsse ebenso in den Blick genommen werden, wie die verzweifelte Lage von Ukrainerinnen und Ukrainern. "Humanitäre Krisen – etwa im Jemen, in Syrien, in Afghanistan oder im Kongo verschärfen sich zusehends, geflüchtete Menschen sind schon jetzt unterversorgt. Nicht zuletzt spüren die Menschen auf der Flucht, die durch das internationale Hilfssystem unterstützt werden, die Folgen des Ukraine Krieges", so Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel.

Das Welternährungsprogramm muss derzeit die Versorgung der Menschen im Südsudan verringern, da die Mittel zunehmend begrenzt sind. Es wird die schlimmste Versorgungslage seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 2011 erwartet. Auch in West- und Zentralafrika sind die humanitären Bedarfe für 2022 laut UN zu bisher lediglich 18% finanziert. Menschen auf der Flucht sind davon ganz besonders betroffen. Die durch den Ukraine-Krieg abermals gestiegenen Lebensmittelpreise würden zudem insbesondere die Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens absehbar in weitere Krisen und Versorgungsengpässe treiben. "Der Krieg in der Ukraine verschärft den Hunger in der Welt, gefährdet damit die Versorgungslage und somit die Stabilität von Gesellschaften in ohnehin fragilen Kontexten im Globalen Süden", erklärt der Misereor-Chef.

Dramatische Situation für Geflüchtete und Binnenvertriebene

Schon vor Beginn des Ukraine-Krieges gab es mehr Geflüchtete und Binnenvertriebene weltweit als je zuvor – mit dem Angriff Russlands habe sich die Lage verschärft, da Kräfte, Ressourcen und Aufmerksamkeit nun prioritär in Europa gebunden seien. "Die Krisenherde dieser Welt sind nach wie vor da und nehmen an Zahl zu. Der internationale Flüchtlingstag ist ein geeigneter Moment das Schicksal aller Flüchtenden in den Blick nehmen, der Menschen, die aus Afghanistan, Myanmar, Venezuela, Syrien oder Südsudan fliehen und all der Menschen, die im eigenen Land vertrieben werden", so Pirmin Spiegel. Diese größte Gruppe der Flüchtenden finde immer weniger Gehör bei internationalen Geberkonferenzen, brauche aber dringend eine stärkere finanzielle Unterstützung.

Keine Ungleichbehandlung für verschieden Gruppen von Geflüchteten in Aufnahmeländern

Zugleich gebe es seit dem Ukraine-Krieg eine Diskussion um neue Möglichkeiten der Aufnahme von Geflüchteten. Anders als 2015 habe die EU die ukrainischen Flüchtenden 2022 über die Schutzgewährungsrichtlinie integriert und so den Zugang zum europäischen Arbeitsmarkt ohne langwierige Verfahren und Zugang zu Sozialleistungen und zu Integration ab dem ersten Tag ermöglicht. Trotz aller Verwerfungen in der europäischen Migrations- und Flüchtlingspolitik zeige dieser Schritt, dass gemeinsames Handeln im Sinne von Betroffenen möglich ist und die Ankommenden mit ihren Potenzialen mehr wahrgenommen würden. "Dieser Ansatz mit schnellem Zugang zum Arbeitsmarkt sollte auch für weitere Gruppen angewendet werden. Derzeit erleben wir eine Ungleichbehandlung verschiedener Gruppen Schutzsuchender trotz ähnlicher Ausgangslage. Diese guten Ansätze der schnellen Integration sollten auf weitere Gruppen übertragen werden", so Spiegel.

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