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Gedanken zum zweiten Adventssonntag von Pater Jörg Thiemann:  Liebe Schwestern, liebe Brüder, wen überkommt nicht schon einmal das Gefühl. Vieles scheint zur Routine geworden zu sein. Manche haben das Gefühl: "Was ich tue, das ist keine Herausforderung mehr." Es knirscht in den Beziehungen. Die Welt scheint im Moment aus den Fugen zu geraten. Da ist das grausame Geschehen in Trier, wo unschuldige Menschen sterben mussten, nur ein Beispiel von vielen. Doch auch wenn ich in das Leben der Kirche schaue, dann spüre ich: Es muss etwas anders werden, neu werden. Wo ist Gott in dieser Situation? Viele haben keinen Zugang zum Glauben. Gott scheint sich entweder verborgen zu haben oder - und das finde ich noch trauriger: Gott scheint zu uns keinen Zugang mehr zu finden. Da höre ich heute in der Lesung und auch im Evangelium: "Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott!" "Bereitet dem Herrn den Weg. Ebnet ihm die Straßen!" Diese Worte zeigen mir: Gott ist unterwegs zu uns Menschen. Als Jesaja diese Worte schrieb, wurde das Volk Israel vom babylonischen Exil befreit. Jesaja schrieb das dem Wirken Gottes zu. Jetzt stehen sie vor einem neuen Anfang. Was müssen die Menschen tun? Sie müssen bereit sein, Gott die Wege zu ebnen. Sie müssen das eine tun: Gott ihr Herz öffnen. Gott soll wieder neu die Mitte ihres Lebens werden. Dann kann geschehen, wovon Jesaja schreibt: "Was krumm ist, das muss gerade werden, was hügelig ist, soll sich ebnen." Jesaja meint gewaltige Veränderungen im Volk. Es sind auch wichtige Veränderungen in unseren Herzen. Doch Jesaja macht den Menschen Mut. Wo sie sich neu auf Gott einlassen, dort kann Gott wirken und auf uns zugehen. Dabei macht Gott immer den ersten Schritt auf uns zu. Wenn wir uns Gott wieder neu zuwenden, zum Beispiel, wenn wir das Sakrament der Beichte empfangen, wenn wir seine Liebe in unserem Leben versuchen zu verwirklichen, dann ist das alles unsere eine Antwort auf seine Liebe, auf seine Zuwendung zu uns. Wir müssen diese Schritte auch gehen. Nur dann bereiten wir ihm den Weg. Das kann für seine Kirche, in der es leider in den vergangenen Jahren viel Unheil gegeben hat, bedeuten, demütig zu werden. Die Kirche muss sich erneuern lassen. Sie muss konsequent Reformen angehen, um wieder neu den Zugang zu den Menschen zu gewinnen. Nötig wird es sein, aufeinander zu hören. Die Kirche muss auch den Mut haben, Machtpositionen aufzugeben. Die Kirche ist zu sehr der Macht erlegen. Wer in der Kirche wirkt, sei es hauptberuflich, sei es ehrenamtlich, muss das immer mehr im Geist des Dienens tun. Vor allem eines ist wichtig: Es muss in echter Demut geschehen, die bereit ist, Fehler einzusehen. Für jeden einzelnen kann das auch bedeuten, sich ehrlich immer wieder die Fragen zu stellen: Habe ich mit Gott, mit Jesus eine echte Liebesbeziehung. Klar kann keiner in jeder Sekunde an Gott denken. Doch Gott und unsere Beziehung zu ihm müssen immer der Grund unseres Denkens und unseres Tuns sein. Je mehr wir aus dieser Liebe heraus leben, je mehr wir uns öffnen, umso mehr können wir diese Liebe an unseren Mitmenschen weitergeben. So kann es uns gelingen, Jesus den Weg auch zu unseren Mitmenschen zu bahnen, so wie es Johannes tat. Johannes wusste: Der, den er verkündet, hat Größeres zu schenken - den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist es, der uns erneuert, immer wieder herausholt aus Gewöhnlichem, der Neues wirkt. Der Mensch, der Neues wirken will, für den wird nichts so weitergehen. Werden wir offen für Gott, der kommt.

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