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Ansprache des stellvertretenden Provinzials, Pater Mario Muschik beim Requiem von Pater Alfons Brunner in Würzburg:

„It’s allright!“

Sehr geehrte Trauernde Angehörige und Trauergäste, 
Liebe Mitbrüder,
Liebe Mitchristen,

„It’s alright!“ Das hat Pater Alfons in den vergangenen zwei Jahren immer wieder geantwortet, wenn wir ihn gefragt haben, wie es ihm geht. „It‘s alright!“ – Es ist in Ordnung. Natürlich ging es ihm nicht immer gut, manchmal hatte er gesundheitliche Probleme und Schmerzen. Aber für ihn war das auch in Ordnung, er war zufrieden, er war mit sich und der Welt und Gott im Frieden, alles war in Ordnung für ihn.

Im Rückblick wirkte er auf mich wie der greiße Simeon, von dem wir im Evangelium gehört haben. Dieser Mann hatte von Gott zugesagt bekommen, dass er zu seinen Lebzeiten den Erlöser sehen darf. Und dann ist es Wirklichkeit geworden. Er war dabei, als Maria und Josef das Jesuskind in den Tempel gebracht haben. In großer Dankbarkeit hat er dann gebetet: „Nun lässt du Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast. Ein Licht zur Erleuchtung der Heiden.“ Für Simeon war die Welt in Ordnung, nun konnte er in Frieden sterben, nachdem er Jesus begegnet war.

Auch im Leben von Pater Alfons spielte Jesus eine große Rolle. Geboren war er am 7. April 1936 in Oberviechtach, wo er später auch die Volksschule besuchte. Schon früh interessierte er sich für das Priestertum, so dass er in das Bischöfliche Knabenseminar in Straubing eintrat, und danach von 1952 bis 1954 in unser Spätberufenenseminar in Reimlingn. Von 1954 bis zum Abitur 1957 war er Schüler am Mariannhiller Studienseminar Aloysianum in Lohr am Main und am dortigen staatlichen Gymnasium.

Bald nach dem Abitur, im Oktober des Jahres 1957 begann er sein Noviziat in Mönchsdeggingen, wo er ein Jahr später seine Erste heilige Profess ablegte. Bald darauf begann er mit dem Studium der Philosophie und Theologie in Würzburg. Während dieser Zeit lebte er im Mariannhiller Piusseminar. Im Jahr 1961 legte er seine Ewige Profess ab und band sich damit auf Lebenszeit an unsere Gemeinschaft, und viel mehr noch an Jesus Christus. Seine Augen hatten das Heil gesehen. Was Simeon im hohen Alter erlebt hatte, das hat Pater Alfons bereits in jungen Jahren erleben dürfen: Die Begegnung mit Jesus Christus. Im Dienst als Priester und Missionar hat er diese Erfahrung auch vielen anderen Menschen möglich gemacht.

Nach Beendigung seiner Studien empfing Pater Alfons am 14. März 1964 die Priesterweihe. Seine Bestimmung von Seiten des Ordens war Simbabwe. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er allerdings erst im Dezember 1967 dorthin ausreisen. In der Zeit zwischen Priesterweihe und Ausreise war Pater Alfons in der Fördererbetreuung im Umkreis von Würzburg und als Präfekt an unserem Internat in Maria Veen eingesetzt.

Im Januar 1968 kam er in Bulawayo an und arbeitete in den folgenden 52 Jahren in Simbabwe. Er war tätig in der Stadtpfarrei St. Pius in Bulawayo auf den Stationen Brunapeg, Fatima, Magama und Empandeni,  Die längste Zeit arbeitete er auf der Station Ekuseleni. Er war es auch, der diese 1980 nach dem Bürgerkrieg wiedereröffnete. Bis 2000 leitete er diese Station.

Daraufhin war er in der Stadtpfarrei St. Andrews in Bulawayo tätig, und später als Seelsorger für die Schwesterngemeinschaft und das Waisenhaus Sacred Heart Home in Bushtick. Ab 2012 übernahm er auch die Seelsorge im Altenheim Coronation Cottages in Bulawayo, was er bis ins Jahr 2020 beibehielt.

Besonders erwähnen möchte ich auch die große Freude, die er an Autos hatte. Wenn er Beispielsweise von seinem Kübelwagen in Simbabwe erzählt hat, haben seine Augen geleuchtet. Gerne hat er selber Reparaturarbeiten an seinen Autos gemacht. Wenn er nicht Priester geworden wäre, dann ganz bestimmt Automechaniker.

Im Herbst 2020 rieten ihm die Ärzte, sich in Deutschland medizinisch behandeln zu lassen. Seit Dezember 2020 war er daher Mitglied unserer Hausgemeinschaft hier in Würzburg.

Seine ruhige Freundlichkeit, Dankbarkeit und Zufriedenheit in den letzten Jahren waren bewundernswert. Er hat, so glaube ich sagen zu dürfen, Frieden ausgestrahlt.

Er hat für mich durchaus etwas von Simeon, der in Frieden gehen konnte, weil er das Heil gesehen hatte. Pater Alfons hat aus der Verbindung mit Jesus gelebt und gute Arbeit geleistet im Weinberg des Herrn. Ich glaube, er hat am Ende seins Lebens gespürt, dass alles in Ordnung war. Ist’s alright!

So vertraue ich darauf, dass er jetzt für immer bei Christus sein darf, wo alles Licht und Leben ist, wo alles gut ist. AMEN.

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