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Am Samstag, 4. Juli 2020, feierte Provinzial Pater Christoph Eisentraut CMM im Missionshaus St. Josef, Reimlingen, ein Requiem für die vier Mitbrüder, Pater Chrysostomos Trummet, Bruder Alois Humpf, Bruder Raimund Berchtenbreiter und Bruder Gebhard Hörburger, welche dem Corana Virus zum Opfer fielen. Anwesend waren neben etlichen Mitbrüdern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auch zahlreiche Angehörige und Freunde der Verstorbenen. 

In seiner Ansprache würdigte Pater Christoph die Lebensleistung der Verstorbenen: 

"Liebe Schwestern und Brüder,

in kurzem Zeitraum von zwei Wochen verloren wir Mariannhiller Missionare Ende März und Anfang April vier Mitbrüder aus dem Pflegeheim hier im Missionshaus. Den Anfang machte Pater Chrysostomos (Siegfried) Trummet, der am Samstag 28. März, einen Tag vor seinem 86. Geburtstag, verstarb. Ihm folgte eine Woche später Bruder Raimund (Adolf) Berchtenbreiter. Er hätte kurz darauf seinen 80. Geburtstag feiern dürfen. Ihm folgte wiederum eine Woche später, am Karsamstag, Bruder Alois Humpf aus der Provinz Simbabwe, der sich für medizinische Behandlungen in seiner Heimat aufhielt. Er wäre im August erst 70 Jahre alt geworden. Er wollte unbedingt nach Simbabwe zurück und sein Wirken fortführen. Und am darauffolgenden Tag, dem Ostersonntag, verstarb Bruder Gebhard (Johann) Hörburger aus der Region Österreich im Alter von 83 Jahren.

Ein Oberpfälzer, ein Unterfranke, ein Schwabe und ein Vorarlberger, ganz unterschiedliche Charaktere mit sehr verschiedenen Lebensläufen.

Pater Chrysostomos arbeitete die ganze Zeit als Seelsorger in der Heimat. Er war ein frommer und seeleneifriger Priester, manchmal auch ein bisschen spinnert, wenn er z.B. immer wieder mal im Sessel schlafen musste, weil sein Bett so von Büchern bepackt war! Er hatte eine Freude, das Wort Gottes zu verkünden, sei es in Predigt oder bei Exerzitien. Eine CPS Schwester schrieb mir, dass sie sich an ihn erinnert, wie er Ende der 60er Jahre als junger Priester öfters mit einem kleinen VW in die Missionsschule von Neuenbeken kam. Sein Autokennzeichen war WÜ-AP 12. Die Mädchen der Schule nannten ihn deshalb den Wüstenapostel! Ein recht passender Ausdruck für diesen Mann Gottes!

Bruder Raimund verbrachte die meiste Zeit seines aktiven Lebens in unserem Mutterhaus, dem Monastery in Mariannhill, Südafrika. Er führte dort die Tradition vieler anderer Missionsbrüder vor ihm fort und leitete eine große Werkstatt, die Schneiderei, die nicht nur das Kloster mit den notwendigen Schneiderarbeiten und auch guten Einnahmen von anderen Kunden versorgte, sondern auch viele katholische und protestantische Gemeinden mit religiösen Bekleidungsgegenständen ausstattete. Und Bruder Raimund bildete als erfahrener Meister viele Menschen in seinem Beruf aus. Heute gibt es leider keinen Mariannhiller mehr, der als Schneider arbeitet, aber die Personen, die Bruder Raimund ausgebildet hat, führen den Betrieb weiter und bilden selber wieder andere aus. Nachhaltigkeit nennt man das heute! Auch in vielen anderen Bereichen des großen Klosters, von den Einkäufen bis zur leider notwendigen Sicherheit wegen der hohen Kriminalität, setzte er sich eifrig ein.

Bruder Alois war mir persönlich der am meisten Vertraute unter diesen vier Verstorbenen. Er kam nur kurze Zeit vor mir in Simbabwe an, weil er zuvor schon einige Jahre in Mariannhill / Südafrika gearbeitet hatte. Ich glaube, ich kann mit aller Vorsicht sagen, dass damals innerhalb der Mariannhiller Gemeinschaft in Simbabwe eine andere Art von Gemeinschaft bestand, wie im sehr von Traditionen geprägten Mariannhill. Das kam Bruder Alois sehr gelegen. Es gab in der Provinz keine größere Gemeinschaft. Wir hockten nicht aufeinander und schauten uns nicht gegenseitig in die Kochtöpfe. Wir waren verstreut auf Pfarreien und Missionsstationen in der großen Missionsdiözese Bulawayo und die Aufgabe von Alois war es, ein Gemeinschaftshaus unserer Provinz aufzubauen, wo die meisten von uns vor allem am Montag zusammenkamen und wunderbare Gemeinschaft erfuhren. Wir hatten damals ein unbandiges Zusammengehörigkeitsgefühl, sicher auch mitverursacht durch die Jahre davor, als mehrere Mitbrüder der Provinz auf gewaltsame Weise ihr Leben verloren hatten (1976 bis 1988). Aber all das wäre nicht geschehen, wenn Bruder Alois nicht für drei Jahrzehnte die gute Seele von diesem Provinzhaus gewesen wäre, von „Queenspark“ wie wir es nach dem Stadtteil nannten. Er blühte auf in dieser Aufgabe als Hausvater und Hausmutter für alle Mitbrüder und kümmerte sich auf vorbildlichste Art um die Alten und Sterbenden der Provinz. Jeder von uns damals hätte sich gewünscht, von Bruder Alois in den Tod begleitet zu werden. Und er wäre sicher sehr gerne am Athlone Cemetery in Bulawayo beerdigt worden, wo so viele ruhen, denen er die Augen zugedrückt hat.

Bruder Gebhard hat auch viele Jahre in Simbabwe gearbeitet, später auch in Sambia und immer wieder in verschiedenen Häusern Europas seine handwerklichen Fähigkeiten eingesetzt. Zusammen mit dem damals schon nahezu erblindeten Pater Calasanz Hofmann baute er die Nkayi Mission im Norden der Diözese Bulawayo auf. Die ersten Jahre hausten sie wahrlich in erbarmungswürdigen Verhältnissen einer Blechhütte dort, bevor ein kleines Haus gebaut werden konnte. Das hat beiden nichts ausgemacht. Sie hatten einen großen Eifer und eine genauso große Opferbereitschaft. Bruder Gebhard erlebte die Zeit des Unabhängigkeitskrieges gegen das Apartheidsregime  in Rhodesien vor allem in der Empandeni Mission, im Grenzgebiet zu Botswana. Der heutige Regionalobere der Mariannhiller in der Region Mthatha, Südafrika, Pater Gideon Sibanda, wuchs auf einer Außenstation von Empandeni auf. Er war ein kleiner Junge während der Zeit des Krieges. Auf der Jagd nach Freiheitskämpfern brannte damals die rhodesianische Armee viele Hütten im Grenzgebiet nieder, auch die von Gideons Familie. Pater Gideon berichtete mir in seinem Kondolenzschreiben: Bruder Gebhard „helped my family a lot with food and clothing when our home was burnt down and destroyed by the Rhodesian security forces during the liberation war in Zimbabwe.“ Bruder Gebhard hat seiner Familie, die nichts mehr hatte, damals mit Lebensmitteln und Kleidung zum Überleben geholfen. Pater Gideon und seine Familie sind noch heute sehr dankbar dafür.

Vier markante Persönlichkeiten, kernige Missionare haben uns verlassen. Menschen, mit großem Eifer, mit Ecken und Kanten und auch manchen kleinen und großen persönlichen Schwächen. Die, die diese Mitbrüder kannten, wissen um diese. Sie brauchen nicht erwähnt werden. Darum kümmert sich Gott in seiner Barmherzigkeit. Aber alle vier ermöglichten es Gott, durch ihre menschliche Schwäche hindurch Großes zu bewirken. So wie Paulus wunderbar im 2. Korintherbrief ausdrückt, was Gott ihm eingegeben hat, als er ihn um das Beseitigen einer menschlichen Schwäche gebeten hat (2 Kor 12,9): „Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber will ich mich also meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.“

Und so empfehlen wir diese vier Mitbrüder und uns selber der Barmherzigkeit Gottes: Ich bekenne ..."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tröstende und wohlwollende Worte fand auch Generalsuperior Pater Thulani Mbuyisa in seiner Botschaft an die Hinterbliebenen: 

Lieber Bruder Sebastian und Mitbrüder, liebe Mitarbeiterinnen im Missionshaus! 

Keiner von uns hätte vorhersagen können, was dieses Jahr passierte, als wir uns im Herbst 2019 bei der Kanonischen Visitation in Reimlingen begegneten oder dann auch noch einmal Anfang März zur Feier des 75. Todestages vom Seligen Pater Engelmar Unzeitig in Würzburg.

Die Covid-19 Pandemie hat uns alle überraschend erwischt. Sie entwickelte sich schnell von etwas, das den meisten von uns unbekannt war, zur am meisten von den Menschen weltweit besprochenen Angelegenheit. Sie führte vielerorts zu einem Lock-Down, einem fast totalen Stillstand des öffentlichen Lebens und verursachte auf unvorstellbare Weise Schmerz und Leid, Krankheit und Tod.

Heute versammelt Ihr Euch im Angedenken an die Mitbrüder, die während dieser Zeit der Pandemie verstarben. Ich und alle Mitbrüder sind mit Euch in Dankbarkeit verbunden: wir danken Gott, der uns mit dem Leben dieser vier Mitbrüder gesegnet hat, wir danken, dass deren Leben unsere Gemeinschaften durch ihre Präsenz und ihren Dienst bereichert hat. Wir danken ihren Familien, die uns mit ihren Söhnen, Brüdern und Onkeln beschenkt haben. Wir danken diesen verstorbenen Mitbrüdern für ihren Einsatz und treuen Dienst für Gott und sein Volk als Teil unserer Kongregation.

Ihr versammelt euch heute, um an sie zu denken, erzählt oder lauscht Geschichten über sie; Ihr berichtet von euren eigenen Erfahrungen mit ihnen. Wir erinnern uns an sie niemals als Zahlen und Statistiken, vielmehr als je einzigartige Menschen, als Brüder, mit denen wir das Leben geteilt haben, als Ordensleute und Missionare. Wir denken an sie, wie sie mit uns zusammen auf dem Weg der Nachfolge gepilgert sind und mit uns täglich auf das Wort Gottes gehört haben, Brot und Wein teilten im Eucharistischen Mahl. Wir legen sie im heutigen Gedenkgottesdienst in die liebevollen und barmherzigen Hände Gottes, auf dass sie gereinigt von Schuld zusammen mit unserem Gründer Abt Franz Pfanner und unserem Seligen Mitbruder Pater Engelmar und allen Heiligen am Festmahl des Ewigen Lebens teilhaben dürfen.

Während dieser schwierigen Stunden, Tage und Wochen waren die Mitbrüder weltweit mit Euch im Gebet verbunden. Heilige Messen wurden für Euch und die verstorbenen Mitbrüder gefeiert. Wir haben den Seligen Engelmar um seine Fürbitte angefleht durch das Beten der Novene und der Engelmar Litanei. Wie nie zuvor sahen wir uns als Gemeinschaft herausgefordert, in Solidarität zusammenzustehen. Und ich danke Gott, dass diese Pandemie uns weiterhin zusammenschweißt und hilft, die Bande der Brüderlichkeit und Gemeinschaft zu stärken.

Ich danke Mitbrüdern aus aller Welt für die Botschaften, die sie gesendet haben, für ihre Gebete und Heilige Messen. Diese Pandemie ist noch immer unter uns. Wir müssen daher unsere Gebete intensivieren, dass der barmherzige Gott uns helfen möge, dieser raubgierigen Krankheit ein Ende zu setzen.

Ich möchte auch die vielen Botschaften der Unterstützung und des Gebetsversprechens erwähnen, die wir von den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut, anderen Ordensgemeinschaften und Kirchenführern aus verschiedenen Ländern, in denen wir präsent sind, erhalten haben. Möge Gott sie alle mit seinem Segen beschenken!

Ich möchte Dir, Bruder Sebastian Fischer, und für die Zeit Deiner Erkrankung und Deines Krankenhausaufenthaltes Bruder Konrad Diethei danken, dass Ihr unsere Mitbrüder während der Zeit der Erkrankung und des Sterbens begleitet habt. Danken möchte ich allen Mitbrüdern in Reimlingen. Ich kann nur versuchen, den Schmerz zu begreifen, den Ihr in Euren Herzen hattet und die Schwierigkeiten, als Ihr auch mit Euren eigenen Ängsten zurechtkommen musstet. Trotzdem seid Ihr den erkrankten und sterbenden Mitbrüdern zur Seite gestanden, als sie mit diesem unsichtbaren und doch so oft tödlichen Virus rangen. Euer Leben war auch in Gefahr und einige von Euch wurden ebenfalls angesteckt. Wir danken Gott, dass Ihr dies nun überstanden habt. Für all dieses danke ich Euch.

All dies wäre nicht möglich gewesen ohne den hingebungsvollen Dienst des Personals im Pflegeheim. Pater Provinzial hat mir mitgeteilt, dass einige von Ihnen dabei selbst mit dem Virus infiziert wurden. Jeder und jedem dieser Pflegekräfte danke ich von ganzem Herzen. Ihr habt Euer eigenes Leben riskiert, um unseren Mitbrüdern in dieser so herausfordernden Zeit beizustehen. Ich und meine Mitbrüder können Euch niemals genug danken. Aber Gott wird es tun. Möget Ihr und mögen Eure Familien die Liebe und den Schutz Gottes erfahren.

Liebe Mitbrüder, es gibt keinen besseren Weg Gott für unsere Mitbrüder Pater Chrysostomos Trummet, Bruder Raimund Berchtenbreiter, Bruder Alois Humpf und Bruder Gebhard Hörburger zu danken, als durch die Feier der Eucharistie. Während wir uns an das Leben, das Leiden, den Tod und die Auferstehung Christi erinnern, beten wir, dass diese unsere Mitbrüder mit den Heiligen des Himmels am Eucharistischen Mahl teilhaben dürfen. Denken wir dabei an die Worte Jesu zur trauernden Martha: (Joh 11,23): „Dein Bruder wird wieder auferstehen!“ Unsere Mitbrüder werden wieder leben!

Mögen die Jungfrau Maria, Mutter von Mariannhill, der Diener Gottes Abt Franz Pfanner und der Selige Pater Engelmar Unzeitig uns mit ihrem wirkmächtigen Gebet begleiten. Möge ihr Gebet uns, unsere Familien, die Missionsschwestern vom Kostbaren Blut, unsere Wohltäter und Freunde und die gesamte Welt vor dieser Pandemie schützen.

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