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Ansprache von Generalvikar Pater Michael Maß CMM anlässlich des Requiems von Pater Wolfgang Zürrlein CMM in der Mariannhiller Herz-Jesu-Kirche in Würzburg: 

Doch danke ich Gott für alles Frohe und Leidvolle […], eingedenk des Liedes: Es kommt die Zeit, wo du begreifst, dass alles Segnung war.     Seliger Pater Engelmar, 13. August 1944

Liebe Familie, liebe Schwestern und Brüder,

dieses Wort stammt von unserem Seligen Mitbruder Pater Engelmar Unzeitig. Ganz bewusst habe ich es an den Anfang dieser Predigt für unseren lieben verstorbenen Pater Wolfgang Zürrlein gesetzt. Dafür gibt es zwei Gründe; zum einen hat Pater Wolfgang viele Jahre seines Lebens und Arbeitens dem Seligen Engelmar gewidmet und sich als Postulator in dessen Seligsprechungsprozess sehr verdient gemacht. Und zum anderen sind wir heute hier, um das Leben unseres lieben Verstorbenen zu feiern. Um Gott für alles Frohe, das wir mit und durch Pater Wolfgang erleben durften, zu danken.

Vermutlich könnten wir hier stundenlang von wunderbaren und lustigen Begegnungen mit ihm berichten. Immer wieder hat sein typischer Einwand „Na ja, des kann ma so ned saach, des glaab i ned“ zur Aufheiterung beigetragen und den ein oder anderen zum Lachen gebracht. Wolfgang war ein geselliger Mensch, der gerne bei seiner Familie, seinen Freunden und seiner Gemeinschaft war und dieses Zusammensein sehr geschätzt hat. Er war immer dankbar dafür.

Als seine Ordensfamilie dürfen wir auf ein langes und erfülltes Ordensleben des Verstorbenen zurückblicken. In den 67 Jahren als Mariannhiller hat er nach seinem Studium und seiner Priesterweihe viele verschiedene Aufgaben erfüllt: Präfekt in Internaten, Novizenmeister hier in Deutschland und Hausoberer. 12 Jahre lang hat er für unsere Kongregation auch in der Generalleitung in Rom gearbeitet. Wir sind dankbar für all das Frohe und Gute, das er unserer Gemeinschaft, der Kirche und vor allem auch den vielen Menschen, die er als Priester und Ordensmann begleitet hat und denen er zur Seite stand, geschenkt hat.

Natürlich vergessen wir dabei nicht das Leidvolle, das er vor allem in den letzten beiden Jahren durch seine schwere Krankheit erleben musste. Immer wieder musste er nach hoffnungsvollen Behandlungen herbe Rückschläge einstecken. Aber davon hat er sich nicht unterkriegen lassen. Zäh und voller Energie hat er den nächsten Schritt in Angriff genommen. Und dabei, bis zum Schluss, hat er nie gejammert oder sich beklagt. Das war für mich immer wieder bewundernswert. Ich bin mir sicher, dass ihm hier der Selige Engelmar ein Vorbild war, die Kraft und das Vertrauen zu haben, Gott auch für Leidvolles zu danken.

An anderer Stelle schreibt der Selige Engelmar: Da wird allen klar, dass nicht nur Mut und Tapferkeit, sondern auch Geduld und stilles Durchhalten große Tugenden sind. (22. März 1942)

Genau so habe ich Wolfgang in den letzten Jahren erlebt: mutig und tapfer hat er gegen seine Krankheit angekämpft, solange es ging und dabei hat er vieles mit Geduld und in Stille durchgehalten. Ein Beispiel, das ich hoffentlich nie vergessen werde.

Liebe Familie, Schwestern und Brüder, der Selige Engelmar war erfüllt mit unglaublichem Vertrauen in die Liebe, Barmherzigkeit und Nähe Gottes, auch und vor allem in seiner grausamen Zeit im Konzentrationslager Dachau. Unser lieber Verstorbener hat sich dies als Beispiel genommen, dem er in seinem priesterlichen Leben folgen wollte. Er hatte es sich zum Inhalt seines Lebens gemacht, die Frohbotschaft des Herrn zu verkünden. Die Zusagen, dass Gottes Liebe und Barmherzigkeit allen Menschen gilt und er sie keinem vorenthält. Und dass letztlich unser Leben in ihm, dem Allmächtigen und Guten, geborgen und vollendet ist. Daran hat uns der heilige Paulus in der Lesung erneut erinnert.

Trauert nicht wie die, die keine Hoffnung haben. Denn unser Leben wird in die Gemeinschaft mit Gott geführt, und letztlich in ihm vollendet.

Dafür ist unser Herr Jesus Christus gestorben, damit wir das Leben haben, es in Fülle haben und einst in das neue und ewige Leben in und bei Gott eingehen können. Denn der Tod ist für uns Christen nicht das Ende. Ganz im Gegenteil! Der Tod hat nicht das letzte Wort, sondern Gott, der uns in Christus, in der Kraft des Heiligen Geistes zu diesem neuen Leben führen wird. Das ist die Hoffnung, von der Paulus spricht, die Hoffnung, mit der wir einander trösten sollen. Und wenn wir unser menschliches Leben in das Licht dieser Hoffnung stellen, wenn wir mit diesem Glauben und Vertrauen auf unser Leben blicken können, dann werden wir verstehen, dass letztlich alles Segnung war. Dann werden wir immer wieder neu fähig sein, Gott für alles zu danken, für Frohes aber auch Leidvolles. Im Licht der Auferstehung werden wir erkennen, dass Gott uns nie verlässt und uns vor allem in schweren Tagen trägt. Ich bin mir sicher, dass unser Wolfgang das gerade in den letzten Wochen und Monaten erfahren durfte. Er war getragen von Gott, umgeben von lieben Menschen – und dass er so erkennen durfte, dass alles Segnung war.

So beten wir, dass er nun bei unserem Gott in Frieden ruhen darf. Beten wir um Dankbarkeit für sein Leben und beten wir um Vertrauen und Kraft, dass auch für uns die Zeit kommen wird, in der wir begreifen, dass alles Segnung war. AMEN.

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