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Ansprache anlässlich des Requiems für Pater Andreas Stadler CMM am 10. Juli 2021 in Gallneukirchen: 

Wir sind heute zusammengekommen in Trauer, aber auch in Freude! In Trauer, weil wir mit Pater Andreas Stadler einen überaus liebevollen und liebenswürdigen Menschen verloren haben, der die Güte und Menschenfreundlichkeit ausgestrahlt hat, von der unsere Lesung aus dem Philipperbrief gesprochen hat.

Aber auch in Freude, weil dieser zutiefst gläubige Mensch nach einem erfüllten Leben im gesegneten Alter von 94 Jahren sein Lebensziel erreicht hat, die himmlische Heimat. Die irdische Heimat, seine Heimat in Mühldorf, Gemeinde Viechtwang und seine große Familie haben ihm bis zuletzt immer viel bedeutet und wie gern hat er jede Gelegenheit zu einem Besuch „daheim“ genutzt. Aber zugleich war er fest verwurzelt in der himmlischen Heimat, die er schon erleben durfte in seinen Gebeten und in der Feier der Eucharistie. Und er war zuhause in unserer Mariannhiller Gemeinschaft, ja wir dürfen sagen, er hat sehr viel dazu beigetragen, dass die Mariannhiller Gemeinschaft in Österreich manchen anderen eine Beheimatung geschenkt hat!

Mit 16 verließ er schon das Elternhaus, um in Gmunden die Jungenoberschule zu besuchen. Er wohnte bei einer Kostfrau. Lange währte das nicht, denn mit 17 Jahren, am 16. Dezember 1944, wurde er ins Militär eingezogen. Nur einen Monat später wäre sein Leben fast zu Ende gewesen, als er mit einigen anderen jungen Burschen den Beschluss fasste, nach Hause zu fahren und dort das Kriegsende abzuwarten. Im Zug von Wels nach Grünau wurde er von der Militärpolizei aufgegriffen und es war mehr als ein Wunder, dass er nicht wie viele andere in den damaligen Wochen standrechtlich erschossen oder aufgehängt wurde. Er überlebte auch die restlichen Monate des sinnlosen Kampfes im Innviertel und genau an seinem 18. Geburtstag, am 4. Mai 1945, erreichte er wieder sein Elternhaus. Diese Monate haben sich tief in ihm eingebrannt, immer wieder erzählte er davon. Wahrscheinlich ist auch in dieser Zeit seine Berufung zum Priester gereift.

Die nächsten vier Jahre sahen wir ihn im Gymnasium im Stift Kremsmünster. Er spielte auch mit dem Gedanken, nach der Matura dort einzutreten und Benediktiner zu werden. Da er aber die Berufung verspürte, Missionar in Afrika zu werden, ging er stattdessen 1949 ins Noviziat der Mariannhiller nach Riedegg. Nach Afrika ist er nur auf Besuch gekommen und bis auf die Zeit des Studiums und dann 2 Jahre als Jungpriester in St. Georgen am Längssee hat er seine öberösterreichische Heimat nie verlassen. Das Internat St. Berthold in Wels und das Missionshaus Schloss Riedegg wurden die Orte, an denen er viele Jahrzehnte wirkte. Doch auch hier war er Missionar, vor allem bei der Glaubensweitergabe an junge Menschen. Wir werden am Ende des Gottesdienstes noch von einem Vertreter seiner Schüler in Wels hören, die heute selber schon meist Opas sind und noch immer ihren damaligen Erzieher in Liebe und Dankbarkeit verehren.

Lebensfreude hat ihn geprägt. Wie viel Spaß hatte er im Fasching, mit immer neuen Verkleidungen und Haarstilen und Haarfarben. Wie schätzte er die Begegnung mit anderen Menschen. Aber es war nie eine oberflächliche Freude; er hatte die Freude, die aus dem Herzen aufsteigt, die einem bescheidenem, zufriedenem und dankbarem Menschen geschenkt wird. Er hatte die Freude eines Menschen, der sich in der Liebe Gottes beheimatet weiß. Er hatte die Güte von Menschen, die andere mit all ihren Ecken und Kanten annehmen können, weil sie sich selber mit ihren eigenen Schwächen angenommen wissen.

Im Gottesdienst heute spielt die Mundharmonika-Gruppe, die Pater Andreas vor vielen Jahren gegründet und ausgebildet hat. Er wusste um die Lagerfeuerromantik, das Verbindende von Musik und Gesang, um die Freude und Erfüllung beim gemeinsamen Tun.

Als Pater Andreas Ende Mai diesen Jahres ins Rudigierhaus in Linz übersiedelte, sagte ich ihm: Wir bringen dir noch deine Mundharmonika. Wenn du die im Speiseraum spielst, werden die Damen im Haus dich gleich in ihr Herz schließen. Und er lächelte und meinte: Das werde ich machen! Leider war es ihm dann gesundheitlich nicht mehr möglich.

Zwei Lieblingslieder von Pater Andreas werden später bei der Beerdigung auf Schloss Riedegg erklingen. Das Pfadfinderlied: Mein ganzes Leben sei ein Fahren. Es drückt sehr gut aus, was diesen junggebliebenen alten Menschen bewegt hat:

Mein ganzes Leben sei ein Singen, sei wie ein Rufen in der Nacht. Es wird euch in den Ohren klingen, wenn ihr es wert seid, dass ihr wacht. - Mein ganzes Leben sei ein Finden, von Mensch zu Mensch, von Ort zu Ort. Es sei ein Geben und ein Künden, es sei die Tat voran dem Wort. - Mein ganzes Leben sei ein Loben, für alles was uns hier geschenkt. Es sei ein Dank dem Höchsten droben, der alles gibt und alles lenkt.

Ja, es drückt gut aus, was ihn motiviert hat. Und so habe ich auch mit einem Schmunzeln vernommen, dass Pater Andreas sich ausdrücklich für seine Beerdigung das Stück „Spiel mir das Lied vom Tod / Im Tal der Einsamkeit“ gewünscht hat, das Walter Buchinger am Ende der Beisetzung vortragen wird. Was für ein Wunsch! Musik aus einem der wohl besten Western von Sergio Leone aus den 60er Jahren. Aber gleichzeitig wie schön. Denn wenn ein Mensch wie Paulus glaubt: Weil Christus für mich das Leben ist, ist Sterben für mich Gewinn, dann kann er auch gelassen, schmunzelnd und ein wenig spöttisch mit dem Tod umgehen.

Und so sagt uns Pater Andreas heute: Ja, spielt mir das Lied vom Tod, weil ich mich vor dem Tod nicht fürchte. Denn der Tod ist nicht das Ende des Lebens, sondern das Ende des Sterbens. Er ist die Tür zur himmlischen Herrlichkeit. So kann ich mir gut vorstellen, wie unser lieber Andreas nun mit seiner Mundharmonika in den Lobgesang der Engel und Heiligen einstimmen darf! Amen!

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