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Gedanken von Pater Jörg Thiemann zum Fest der Dreifaltigkeit: "Momentan leben wir doch in spannenden und auch unruhigen Zeiten. Wir erleben die Zeit von Corona. Es gibt die einen, die weiterhin vorsichtig sein wollen. Anderen gehen die Lockerungen nicht schnell genug. Die Meinungen gehen auseinander. Wir erleben den Klimawandel. Wie ist das Klima zu retten? Die Meinungen gehen auseinander. Rassistische Unruhen keimen an manchen Orten wieder auf. Der Gewaltausbruch in den USA wegen des Todes von George Floyd, der eines gewaltsamen Todes durch Polizeigewalt starb, zeigt, wie brüchig Friede ist.

Doch auch in der Kirche ist nicht alles friedlich. Papst Franziskus hat offensichtlich einen schweren Stand in der Kurie. Jeder, der sich in der Kirche engagiert, wird spüren, wie schwer es ist, sich über einen gemeinsamen pastoralen Weg einig zu werden.

Es ist durchaus menschlich, dass es Meinungsverschiedenheiten gibt. Verschiedene Ansichten anderer bereichern. Durch die Meinungen und Denkweisen anderer kann ich doch dazulernen und spüren: „Es gibt viele Weg, die nach Rom führen.“ Es gibt viele Wege, sein Leben zu gestalten. Es gibt viele Wege, seinen Glauben zu leben. Ich kann doch einem, der anders ist, anders lebt, anders denkt, anders betet, mit Achtung begegnen.

Paulus schreibt am Ende seines Briefes an die Korinther: „Seid eines Sinnes, haltet Frieden! Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein!“ Wo sich Menschen gegenseitig achten, sich als Schwestern und Brüder betrachten, da kann Frieden entstehen, da kann eine Gemeinschaft oder eine Familie friedlich  miteinander nach Lösungen für Fragen und Probleme suchen. Da wird jeder Mensch leben können. Es wird das Miteinander gesucht. Jeder ist mit seinen Gaben und Fähigkeiten wichtig, wertvoll. Es gibt sie zwar nicht, so eine ideale menschliche Gemeinschaft. Dennoch können wir uns immer wieder um diese Gemeinschaft mühen.

Wo wir uns mühen, aufeinander zuzugehen, dort kann etwas von dem sichtbar werden, was "Dreifaltigkeit" für das Leben im Glauben bedeutet. Viele Menschen tun sich schwer mit diesem Wort. Doch zeigt dieses Wort „Dreifaltigkeit“ viel von dem, wer Gott ist, was sein Wesen ist. Dreifaltigkeit bedeutet: Wir glauben an den einen Gott. Dieser Gott wirkt in drei Personen, in dreifacher Weise. Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist leben die Liebe auf dreifach verschiedene Art und Weise. Gott ist Vater, der uns liebt, die Welt aus Liebe geschaffen hat. Gott ist auch Sohn. Wir haben im Evangelium gehört, dass Gott seinen Sohn in diese Welt gesandt hat, um sie zu retten. So tief geht die Liebe Gottes zu seiner Welt. In Jesus hat Gott der Welt seinen Frieden gebracht. Jesus wollte mit seinen Worten die Liebe Gottes zu allen Menschen bezeugen. Die Menschen sollen wieder mehr eins werden mit Gott und in Gott.

Gott sucht Gemeinschaft mit den Menschen, wirkt auch heute noch unter uns. Er schenkt uns dazu seinen Heiligen Geist. Wo Menschen Liebe erfahren, wo sie Frieden stiften, dort gehen sie aus sich heraus, sehen von sich ab, verschenken sich aneinander. Dort wirkt Gottes Geist. Gott ist die Liebe und der Friede. Seine Liebe zeigt Gott in der Hingabe, seine Liebe zeigt Gott in der Gemeinschaft mit uns. Diese Liebe ist auf verschiedene Weise zu erfahren. Dreifaltigkeit ist das Zeichen für eine Gemeinschaft, die eines Sinnes ist.

Wo wir uns um diese Liebe mühen, wo wir nach Frieden suchen, ihm nachjagen, dort sind wir Zeugen von Gott, der dreifaltig ist. Liebe und Frieden zeichnen uns aus, als einzelne Christen und als Gemeinschaft der Kirche."

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