headermariannhill2

Gedanken von Pater Jörg Thiemann CMM zum Weltmissionssonntag 2019.

„Eine Tasse Tee?“ Liebe Schwestern, liebe Brüder. Die meisten nehmen eine solche Einladung gerne an. Tee ist beruhigend, es ist ein Zeichen von Lebensqualität. Doch es gibt viele Menschen, besonders in Nordost Indien, die unter menschenunwürdigen Bedingungen Tee anbauen. Viele Familien leben von Teepflücken. Sie leisten ihre Arbeit für einen Hungerlohn.  Ein trauriges Beispiel ist die 16 jährige Monica Kandulna. Sie stammt aus einer Teepflückerfamilie.  Eines Tages wurde die Familie von einem Mann angesprochen. Er bot der Familie an, Monica eine Stelle als Hausmädchen in einer reichen Familie zu besorgen. Ein Jahr arbeitete sie in einem Haushalt dieser Familie. Dann wurde die Frau schwer krank. Sie brauchte eine neue Niere. Ohne sie zu fragen wurde Monica eine Niere entfernt. Doch es gab Komplikationen. Das Mädchen wurde der Familie zurückgegeben. Wenig später starb Monica an den Folgen dieser Operation. Weil die Eltern nicht lesen und schreiben können, können sie die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft ziehen. Das ist eine traurige Form von Menschenhandel. Die Not und die Armut der Menschen, der armen Teepflücker, werden schamlos ausgenutzt. Wie viele andere Familien auch, haben diese Menschen, die die härteste Arbeit leisten, nichts vom Tee. Sie arbeiten für 2, 20 € am Tag. Sie werden dabei noch betrogen. Oft bedeutet es, dass diese Menschen auch keine Schule besuchen können.

Gegen diese Situation treten Ordensfrauen auf. Eine von ihnen ist Schwester Anni. Sie geben diesen Menschen, die zu der untersten Schicht in Nordost Indien angehören, ihre Würde zurück. Sie zeigen ihnen, dass sie wertvoll als Menschen sind. Sie geben den Menschen praktische Hilfe. Sie gründen Selbsthilfegruppen, sie lernen den Frauen das Lesen und Schreiben und Rechnen. Sie ermutigen sie dazu, ihre Rechte einzufordern. Was sie am meisten wollen, ist, dass sie die Menschen vor Menschenhändlern retten wollen. Ihr Ziel ist es, dass gerade die jungen Menschen leben können. Sie werden vor den Gefahren des Drogenkonsums gewarnt. Vor allem wollen sie ihnen christliche Werte vorleben und mit der frohen Botschaft vertraut machen.  Inzwischen studieren junge Leute an College. Sie können das, was sie bei den Schwestern erfahren haben, weitergeben.

Die Schwestern sind ein Beispiel, dass wir uns nicht mit den ungerechten Zuständen in der Welt abfinden dürfen. Sie geben Zeugnis von Gott, von dem wir in der Lesung gehört haben, dass er nicht auf die Person sieht und nicht den Armen benachteiligt. Den Armen gilt ganz besonders die Liebe Gottes. Die Armen wissen auch eines: Wir sind zuerst Menschen, die Hilfe bekommen, die empfangen. Wenn wir anderen helfen in ihrer Not, dann sollte das in einer Haltung geschehen. Es ist die Haltung des Zöllners, von dem wir heute im Evangelium gehört haben. „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ so betet er. Er weiß, dass er vor Gott schuldig ist, dass er aus sich heraus nichts geben kann, sondern immer nur ein Bittender ist.  Jesus sagt: Ihm wird die Liebe geschenkt. Die Ordensfrauen helfen. Sie geben an die armen Menschen das weiter, was sie empfangen haben. Die Liebe, die sie durch Gott und den Glauben erfahren haben, ist Ansporn für ihren Einsatz. Viele von uns leben im Wohlstand, haben Arbeit. Doch es gibt keinen Grund, auf Menschen, denen es nicht gut geht, herabzublicken. Helfen und beten wir in der Haltung des Zöllners. Amen.

­