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Vortrag von Pater Jörg Thiemann CMM über das Beten

1.Beten und leben lassen sich nicht voneinander trennen

Vom Heiligen Don Johannes Bosco wird folgendes erzählt. Als es um seine Heiligsprechung ging, soll ein Kardinal gefragt haben: „Wann hat er bei all seiner vielen Aktivität überhaupt gebetet?“ Daraufhin fragte ein anderer: „Wann hat er nicht gebetet?“ Ich fand diese kleine Geschichte im Religionsbuch. Sie führt auch hin zum Thema dieses Vortrages. Bevor ich auf diese Geschichte weiter eingehe, möchte ich über Don Bosco erzählen. Sicher ist er vielen bekannt. Johannes Bosco lebte zu Beginn des 19. Jahrhundert als Priester in Turin in Italien. Er sah, wie viele Kinder und junge Menschen verwahrlost waren. Er stellte nicht nur die materielle Verwahrlosung der jungen Menschen fest, sondern auch die innerliche. Viele waren ausgestoßen von ihren Eltern. Johannes Don Bosco nahm sich der jungen Menschen an. Er entwickelte eine reichhaltige Aktivität. Er gründete Schulen. Er brachte vielen jungen Menschen ein Handwerk bei.  Er gab jungen Menschen das Gefühl, dass sie wertvoll sind. In jedem versuchte Johannes Bosco das Gute zu entdecken und zu fördern. Dabei muss er also unermüdlich gewirkt haben

Schauen wir uns die Fragen, an welche die Herren gestellt haben. In der ersten Frage "Wann hat Don Bosco überhaupt gebetet!" zeigen sich die üblichen Vorstellungen über das Beten. Demnach bedeutet 'Beten' das Sprechen mit Gott zu einer bestimmten Zeit. Für das Beten werden feste Zeiten reserviert. Auch denkt der Fragesteller wahrscheinlich an das Beten an festen Orten. Unter 'Beten' wird dann auch das 'Beten' bestimmter Formen und festgelegter Gebete verstanden, wie zum Beispiel der Rosenkranz, das Vater Unser. Dieses ist ungefähr die übliche Vorstellung vom 'Beten' Die ist zuerst einmal nicht schlecht anzusehen. Denn das 'Beten' feste Zeiten und Orte, vorformulierte Gebetszeiten. Priester und auch Ordensleute sind dazu angehalten, ihren Tag in feste Gebetszeiten einzuteilen und auch ernst zu nehmen. Dabei ist auch zu sagen, dass die Kirche auch ganz bewusst die Laien einlädt zum Stundengebet. Durch die Gebetszeiten unterbricht der Ordensmann / Ordensfrau sein aktives Handeln. Dadurch, dass er die Arbeit liegen lässt, zeigt er: Nicht mein Handeln ist wichtig, sondern dass Gott handelt. Die Arbeit, so wichtig sie auch ist, ist nicht das wichtigste. Am allerwichtigsten ist das Gebet, das Zusammensein mit Gott. Gott ist unsere Kraftquelle. Ohne das Gebet können wir nicht leben. Es ist auch das Gebet, das unseren Alltag prägt und bestimmt.

Wenn zu dem kirchlichen Stundengebet alle Getauften eingeladen sind, so ist es nicht von der Hand zu weisen, dass Menschen, die keine Priester sind oder nicht einem Orden angehören, wesentlich andere Voraussetzungen für das Beten. Otto Pesch führt in einem Aufsatz aus, dass der Alltag früher bestimmt war vom Tagesrhythmus. Für die Familien, die in der Landwirtschaft gearbeitet haben, war es einfach zusammen zu kommen und den Tag mit einem Gebet zu beginnen oder zu beschließen. Tischgebete waren in den Familien selbstverständlich. Nun hat sich das im Laufe der Jahrhunderte grundlegend geändert. In Familien ist es oft so, dass die einzelnen Familien oft einen unterschiedlichen Tagesablauf haben. Man geht zu verschiedenen Zeiten außer Haus, man kommt zu verschiedenen Zeiten wieder. Das erschwert zum Beispiel das gemeinsame Beten. Es ist auch schwierig, sich feste Zeiten zu reservieren. Keineswegs will Pesch aber sagen, dass es unmöglich sei zu beten. Nur die Möglichkeiten und die Gelegenheiten sind andere.

Grundsätzliches sage ich auch zur Frage nach der Pflicht zum Gebet. Pflicht ist nicht etwas, was nur negativ besetzt ist. Pflicht kann auch ein Schutz sein gegen die eigene Nachlässigkeit oder dass die Praxis des Gebetes gänzlich aufgegeben wird. Nicht immer habe ich ja gleich Lust zum Beten. Nicht immer freue ich mich auf den Gottesdienst. Beten und auch der Besuch des Gottesdienstes können auch zur guten Gewohnheit werden. Es sollte immer die Liebe zu Gott, das Bedürfnis mit IHM in Kontakt zu sein das Beten bestimmen. Beten hilft mir, in der Liebe zu wachsen. Wenn ich mit Kindern oder auch Erwachsenen über das Beten spreche, dann vergleiche ich das immer auch mit dem Kontakt zu einem guten Freund. Ich möchte mit dem guten Freund immer gerne zusammen sein. Ein guter Freund kann mir auch dann ein Rückhalt sein, wenn er nicht in meiner Nähe ist. Ich weiß, es steht jemand zu mir. Wenn ich nie Kontakt pflege, dann kann die Freundschaft verschwinden.

Ich bin davon überzeugt, dass Johannes Don Bosco ein betender Mensch war. Er war es auch in dem Sinn wie ich es beschrieben habe. Doch kommt in der Gegenfrage "Wann hat er nicht gebetet" für mich klar zum Ausdruck, dass Beten mehr ist feste Gebetszeiten bedeutet, mehr als Formeln. Beten und Leben sind eine Einheit. So wird es ja auch in den Artikeln beschrieben. Ich bin ein Christ nicht nur am Sonntag in der Messe. In der Heiligen Messe bekomme ich Kraft für mein Leben. Messe kommt vom Wort Missa -Sendung. Die Feier der Messe ist eine Sendungsfeier. Wir werden gesandt, als Christen zu leben, IHN zu verkünden in Wort und in Tat, durch unser Leben. Beten und Gottesdienst müssen mein Leben bestimmen. Sie stehen nicht nebeneinander. Es wäre eine völlig falsche Einstellung, würde ich mir sagen: Sonntags bin ich Christ - das reicht! Mein Leben muss bestimmt und durchformt werden von Gott, von seiner Liebe, die ich vor allem im Gebet erfahren kann. Dieses wird ausgedrückt in 2745: Beten und christliches Leben lassen sich nicht trennen. Denn es handelt sich hier um dieselbe Liebe und denselben Verzicht, der aus der Liebe hervorgeht; um dieselbe kindliche und liebende Gleichförmigkeit mit dem liebenden Ratschluss des Vaters; um dieselbe verwandelnde Vereinigung im Heiligen Geist, die uns Christus Jesus immer mehr gleich gestaltet und um dieselbe Liebe zu allen Menschen, mit der Jesus uns geliebt hat. "Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!" (Joh 15,16-17)

 

Wir können das bei Jesus sehen. Seine Gebetspraxis schauen wir uns im folgenden Punkt an.

  1. ) Das Gebet im Leben und Wirken des Herrn

Jesus ist als Kind jüdischer Eltern aufgewachsen. Maria und Josef waren fromm, in einem positiven Sinn. Sie lebten im jüdischen Glauben und vollzogen in ihrem Leben die Frömmigkeitsformen. So nahmen sie an einer Wallfahrt nach Jerusalem teil. Jesus war dabei. Sie bemerkten plötzlich, dass Jesus nicht mehr bei ihnen war. Nach dreitägigem Suchen fanden sie ihn im Tempel. Die Antwort, die er seinen Eltern gibt, ist bekannt: "Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?" Jesus beginnt in dieser Geschichte sich von seinen Eltern abzunabeln. Als zwölfjähriger wird er religiös erwachsen. Er entwickelt auch ein Gespür, dass sein Vater, also Gott, an bestimmten Orten besonders zu erfahren ist. Der Tempel war für die gläubigen Juden der Ort der besonderen Gegenwart Gottes. Sicher ist der Tempel nicht der einzige Ort, an dem ein Mensch beten kann. Sicher ist es auch eine Kirche nicht. Doch für unser religiöses Leben brauchen wir auch bestimmte Orte, um Gott nahe zu kommen. Das kann sicher eine Kirche sein. Auch außerhalb der Gottesdienstzeiten suchen Menschen Kirchengebäude auf, um zur Ruhe zu kommen. Das habe ich als Wallfahrtsseelsorger oft erleben dürfen. Kirchen und Kapellen können Heimat werden für Christen. Seine ganz besondere Nähe zum Tempel zeigt Jesus in der Erzählung von der Tempelaustreibung. Der Tempel war zu einem Marktplatz verkommen, an dem gehandelt und auch gefeilscht wurde. Der Tempel unterschied sich in nichts mehr von anderen Orten. In heiligem Zorn stößt Jesus die Tische um: "Mein Haus soll ein Haus des Gebetes sein. Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht." "Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!" Spiegelt sich im Verhalten der Menschen zum Tempel nicht auch eine innere Haltung wider. Gott hat im Leben immer weniger Bedeutung. Das Geld ist zum Gott geworden. Auch hier zeigt sich, dass Gott an bestimmten Orten besonders verehrt wird. Es ist also nicht gleichgültig wie sich ein Mensch in der Kirche benimmt. Ein Kirchengebäude verlangt schon auch eine gewisse ehrwürdige Haltung.

Für Jesus aber waren auch bestimmte Zeiten des Gebetes sehr wichtig. In den Evangelien wird berichtet, dass er "wie gewohnt" am Sabbat in die Synagoge ging. Es gibt im Gebetsleben auch gute Gewohnheiten. Vor allem zeigt sich in dieser Praxis von Jesus, dass er auch die Gemeinschaft schätzte und dass er die jüdische Praxis schätze. Indem Jesus auf diese Weise den Sabbat heiligte und sich damit als Glied der jüdischen Gemeinde sah, schöpfte er daraus auch Kraft für sein Leben. In ihm wuchs vor allem durch diese Praxis auch das Bewusstsein für seine Berufung.

Jesus hat das Beten immer als sehr wichtigen Aspekt des Lebens gesehen. In Gebet sah er den Menschen verbunden mit Gott. Darum betonte er auch die richtige Haltung beim Beten. In der Bergpredigt spricht Jesus: "Wenn du betest, dann mach es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich gerne an die Straßenecken, um von den Leuten gesehen zu werden. Macht es nicht wie die Heiden, die glauben, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen! Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest und schließ die Tür zu. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten!" Beten ist auch ein ganz intimes Tun mit Gott. Wer betet, umgesehen zu werden, geht es nicht um Gott, nicht um geistliches Wachstum im Glauben, nicht darum, in der Liebe zu wachsen, sondern um sein Lob. Das ist der Lohn, den Jesus verspricht, wer zu Gott im Verborgenen betet und dabei Gott sucht. Auch Jesus selbst hat sich oft zurückgezogen, um in der Einsamkeit zu beten. Im Evangelium hören wir, dass er die Nacht durch gebetet und danach die Apostel ausgewählt hat. Der Evangelist Lukas erzählt uns die folgende Begebenheit. Jesus hat in der Einsamkeit die ganze Nacht gebetet. Die Jünger müssen ihn beobachtet haben. Sie, die sie sicher auch in der jüdischen Tradition des Betens standen, müssen gespürt haben, dass Jesu Gebet ein besondere Form des Betens war. Was hat Jesus bei seinem Beten wohl ausgestrahlt? Das ist schwer zu sagen. Die Jünger bitten Jesus: "Herr, lehre uns beten, wie auch schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat." Daraufhin lehrt Jesus den Jüngern das Vater Unser. Im Neuen Testament gibt es eine zweite Version dieses Vater Unsers. Es ist die Matthäusversion, die heute gebetet wird. Das Vater Unser ist das intimste Gebet, das Menschen sprechen können. Jesus zeigt hier seine innige Vertrautheit mit Gott. Zu dieser sind auch wir Menschen eingeladen. Beten heißt: Vertraut werden mit Gott, wie ein Kind mit seinem Vater im besten Fall vertraut ist. Dieses Gebet ist das Gebet, das am häufigsten auch heute noch gesprochen wird. Bei allen Anlässen wird es gebetet. Es verbindet die Menschen als Schwestern und Brüder untereinander.

Ich komme auf die Vertrautheit von Jesus im Gebet zurück. Ganz intim wird er mit seinem Vater im Garten Gethsemane. In seiner schwersten Stunde betete er: "Vater, wenn es dir möglich ist, dann lass diesen Kelch an mir vorüberziehen. Aber nicht mein Wille, sondern dein Wille möge geschehen! Hier zeigt sich der tiefste Sinn des Betens. Das herauszufinden oder zu entdecken, was der Wille Gottes in meinem Leben und auch in bestimmten Situationen ist. Jesus war bestimmt von einem tiefen Vertrauen auf Gott. Das zeigt sich in seiner tiefsten Verlassenheit am Kreuz. Jesus war so tief mit Gott verbunden, dass er für seine Feinde beten konnte. Gleichwohl erlebte Jesus auch, dass er sich von Gott verlassen gefühlt hat. Am Ende seines Lebens betete er: "Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist!"

Wenn ich diese Gedanken über das Beten von Jesus einmal versuche zusammenzufassen, und diese Gedanken sind nur eine Spitze des Eisberges von dem, was über das Beten von Jesus geschrieben werden könnte, dann möchte ich sie zusammenfassen: Jesus kannte feste Zeiten, feste Orte und feste Gebete. Jesus aber suchte auch immer wieder die Einsamkeit des Betens auf, um mit Gott, dem Vater verbunden zu werden. Jesus betete auch in bestimmten Situationen seines Lebens. Bei der Brotvermehrung und auch bei vielen Wunden wird beschrieben, dass er zuerst die Zwiesprache mit Gott suchte.

Offensichtlich hat das Gebet von Jesus ausgestrahlt und sich auf sein Leben ausgewirkt, so dass Vera Krause in ihrem Aufsatz schreiben kann: Jesu Leben war ein gebetetes Leben.

  1. Betet ohne Unterlass -konkretes Leben bei uns

Im Artikel 2757 lesen wir im Katechismus: "Unablässig betet, wer sein Gebet mit Taten, und Taten mit Gebet verbindet. Nur so können wir der Ansicht sein, dass sich der Grundsatz, jederzeit zu beten, verwirklichen lässt" Es gilt immer wieder festzustellen, dass das Gebet und auch die Tat eine Einheit sind. Sie sind zwei wichtige Säulen des christlichen Lebens. Aus dem Gebet, das lebensnotwendig ist, wächst unser Tun. Das lesen wir in Artikel 2744: Beten ist lebensnotwendig. Der Beweis durch das Gegenteil ist nicht weniger überzeugend: Wenn wir uns nicht vom Geist leiten lassen, fallen wir in die Knechtschaft der Sünde [Vgl. Gal 5, 16-25] zurück. Wie kann der Heilige Geist "unser Leben" sein, wenn unser Herz fern ist von ihm? "Nichts ist so wertvoll wie das Gebet: Es macht Unmögliches möglich und Schweres leicht ... Ein Mensch, der betet, kann unmöglich sündigen" (Johannes Chrysostomus, Anna 4,5)."Wer betet, wird sicherlich gerettet; wer nicht betet, verdammt sich sicherlich" (Alphons v. Liguori, mez.).

Aus diesen Gedanken der verschiedenen geistlichen Lehrer sprechen viele Erfahrungen im geistlichen Leben. Wer betet, ist wie eine Rebe am Weinstock. Wer betet, ist in ständigem Kontakt mit der Quelle. Aus diesen Beschreibungen über die Notwendigkeit des Gebetes zeigt sich auch die Erfahrung, dass Jesus seine Zusage wahr macht. "Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt. Der Artikel 2743 schreibt dazu: Beten ist immer möglich. Die Zeit des Christen ist die Zeit des auferstandenen Christus, der zu uns spricht: "Ich bin bei euch alle Tage" (Mt 28,20), wie groß die Stürme [Vgl. Lk 8,24] auch sein mögen. Unsere Zeit liegt in Gottes Hand.

"Selbst auf dem Marktplatz oder auf einem einsamen Spaziergang ist es möglich, oft und eifrig zu beten. Auch dann, wenn ihr in eurem Geschäft sitzt, oder gerade kauft oder verkauft, ja selbst wenn ihr kocht" (Johannes Chrysostomus, ed. 2).

Wir können uns gerade beim Beten vergewissern: Jesus ist da. Unser Leben kann eine ganz andere Richtung bekommen, eine neue Freiheit, wenn wir im Gespräch mit Gott bleiben. Und das können wir zu allen Zeiten. Das können wir in festen Gebetszeiten, aber auch untertags und bei den alltäglichsten Geschäften und Handlungen wie wir es ja gehört haben. Ich kann alles, was ich tue, für Gott tun. Meine verstorbene Mutter hat uns Kindern einmal diese Geschichte aus ihrem Leben erzählt. Sie hatte als junge Frau bereits 3 kleine Kinder. Mein Vater war Wechselschichtarbeiter. Sie hatte wegen der Sorgen um ihre Kinder nicht die Zeit, sonntags in den Gottesdienst zu gehen. Das hat sie gebeichtet. Doch der Beichtvater hat ihr gesagt: "Dein Gottesdienst ist bei den Kindern!" Dort, wo ich für Menschen lebe, wo ich aus Liebe handle, dort kann das Tun auch Gebet genannt werden. Wir lesen ja im Johannesbrief: "Wer seinen Bruder nicht liebt, kann Gott nicht lieben!" Jesus sagt an anderer Stelle: "Alles, was ihr dem geringsten getan habt, das habt ihr mir getan!" Jesus begegnet uns im Mitmenschen, besonders in dem, der gerade meine Zuwendung braucht.

Betet ohne Unterlass - das kann sich auch zeigen in einer Form des Gebetes, die nicht zu unterschätzen ist. Es ist die Form des Stoßgebetes. Jesus hat immer wieder wie ich es ja sagte vor Handlungen den Blick zum Himmel getan. Auch wir können immer wieder in allen Situationen unseres Lebens Stoßgebete sagen. Stoßgebete, spontaner Dank, spontane Bitte, können immer mehr ein Ausdruck werden, dass wir mit Gott in Verbundenheit sind, und das nicht nur in festgelegten Gebetszeiten. Wir werden, je mehr wir uns um das echte Beten mühen, zeit unseres Lebens, hellhöriger werden für die Anrufe Gottes in unserem Alltag, in unserem konkreten Leben. Gott hört uns ja immer und überall. Vera Krause schreibt in ihrem Aufsatz über das Gebet: "In seinen oft einfachen Formen kann das Alltagsgebet helfen, den Glauben an die achtsame Liebe Gottes einzuüben, himmelsfähig zu werden in allem, was wir tun, gottinnig(Johannes vom Kreuz) mitten im Leben."

Zu diesen Gedanken passt eine Geschichte, die ich ihnen abschließend erzählen möchte: Ein lebte ein alter und hoch betagter Mönch. Zu diesem kam eines Tages der Engel, der ihn mit in den Himmel nehmen wollte. Weil aber der Mönch noch den Garten gründlich fertig stellen wollte, bat er den Engel um Aufschub. Der Engel gewährte ihm die Bitte und verschwand. Nach einiger Zeit kam der Engel wieder zurück. Doch auch dieses Mal wollte der alte Mönch nicht mit dem Engel gehen. Denn er stand vor einem großen Berg Geschirr. Wiederum respektierte der Engel die Bitte des alten Mönches. Nach einiger Zeit lag der Mönch in seiner Klosterzelle in seinem Bett und dachte bei sich: Nun mich der Engel in den Himmel holen. Jetzt bin ich bereit, mit dem Engel zu gehen. Da stand der Engel vor ihm und sagte zu ihm: Was glaubst du eigentlich, wo du die ganze Zeit gewesen bist.

Was glauben wir, wo wir sind, wenn wir unser Leben mit Gott verbunden leben, jeden Tag Gott schenken, in jeder Handlung Gott dienen wollen, uns aber auch immer wieder Kraft holen. Dass wir himmelsfähig werden durch das Gebet, dazu möchte ich Sie alle segnen....

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