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Wie fängt man ein Neues Jahr an? Mit welchen Vorsätzen? In wessen Namen? Auf welchen Schwur? Und überhaupt – was ist denn schon neu im Neuen Jahr? Edith Stein meinte einmal, wir sollten jeden Tag (nicht nur den ersten Tag des Jahres) "wie ein neues Leben beginnen". Grund zu solchem Neuanfang gebe es allemal und zuhauf. Es erfülle sie, Edith Stein, immer wieder mit Dankbarkeit, wenn sie an die wunderbaren und geheimnisvollen Fügungen Gottes in ihrem Leben denke.

Warum tun wir es denn nicht, jeden Tag neu zu beginnen? Warum zaudern und zögern wir, neu anzufangen? Warum nützen wir nicht die Chance, wenn schon nicht, wie Edith Stein vorgeschlagen hat, jeden Morgen, so doch wenigstens zum Beginn eines Neuen Jahres? Fehlt es uns an Vorbildern? An Menschen, die uns den Weg weisen? – Ich glaube, nah besehen, entpuppen sich unsere Fragen als Ausreden. Denn die Bibel ist übervoll mit Vorbildern, und die Texte der Evangelien strotzen geradezu von passenden Beispielen! – Da sind die Hirten! Sie "eilten nach Bethlehem und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag" (Lk 2,16). Sie berichteten ihren Nachbarn und Kollegen, was sie gehört und gesehen hatten – und alle staunten über ihre Worte.

Spätestens jetzt stellt sich die Frage an uns: Wie wäre es, wenn wir uns aufmachten und uns "beeilten" auf dem Weg nach Bethlehem? Wie wäre es, wenn auch wir hingingen, um das Kind anzubeten? Wie wäre es, wenn wir mit anderen – mit Verwandten, Freunden, Bekannten – die Freude teilten, die uns widerfahren ist auf unseren eigenen Wegen? Die Hirten, durch die Bank einfache, ungebildete Menschen, zeigten höchste Herzensbildung, aber auch ein waches Interesse daran, die Erlebnisse, die sie auf den Fluren von Bethlehem hatten, mit anderen zu teilen. – Ferner könnten wir lernen, etwa von Maria, der Mutter des Neugeborenen, wie man mit dem Gotteswort umgeht? Oder mit Begebenheiten, deren tiefere Bedeutung uns zunächst noch nicht einleuchtet. Sie, Maria, "bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach". (Lk 2,19) – Maria, die Hörende. Maria, die Bewahrende. Maria, die Willige. Maria, die Nachdenkliche. Maria, die Mütterliche. Maria, die Ausharrende. Jetzt schon, nach dem Besuch der Hirten an der Krippe, aber auch in den kommenden Monaten und Jahren, besonders unter dem Kreuz auf Golgotha!

Was sonst noch möchte Maria uns zum Neuen Jahr sagen? – Vielleicht dies: Bleibt dem Herrn treu. Harrt aus. Bewahrt und bewegt seine Worte in euren Herzen. Bleibt 

in der Liebe Gottes und bittet den Allmächtigen immer wieder um seinen Segen und seinen Schutz für dieses Jahr! Oder wir orientieren uns an den Worten der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, deren bescheidenes Gebet auch unsere Neujahrs-Gedanken miteinschließt: Ich bitte nicht um Glück der Erden; nur um ein Leuchten dann und wann. Lass sichtbar deine Hände werden, ich deine Liebe ahnen kann.

 

Gedanken zum Neuen Jahr 2020 von Pater Adalbert L. Balling CMM

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