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Prettau, die nördlichste Gemeinde Südtirols und Italiens, veröffentlicht kommentierte Kriegs-Chronik eines späteren Missionars von Mariannhill.   

„Endlich!“ Robert Alexander Steger, der Bürgermeister der Gemeinde Prettau, strahlte, als er am ersten Samstag im September seine Gemeindebürger und eine auserlesene Schar von Ehrengästen zur Präsentation eines „ganz besonderen Dorfbuches“ begrüßen konnte. „Seit Mitte April lagert dieses Werk aus der Feder unseres geschätzten Autors und Chronisten Eduard Tasser im Keller des neuen Gemeindehauses und wartet darauf, unter die Leute zu dürfen. Das Coronavirus hat eine offizielle Vorstellung bisher verhindert. Umso größer die Freude heute!“, sagte der erste Bürgermeister der 550-Seelen-Gemeinde.

Ausgehend vom „kurzen Bericht über die Anteilnahme von Prettau am Weltkrieg 1914-1919“ eines ehemaligen Kooperators namens Konrad Atzwanger entstand 103 Jahre nach den dramatischen Ereignissen des Ersten Weltkrieges ein Geschichtsbuch, „mit vielen, vielen Menschenbildern und Menschengeschichten, auch mit vielen Emotionen, das dazu beitragen will, dass wir nicht dazu verurteilt sind, die Geschichte zu wiederholen.“ Das sagte (mit Rückgriff auf ein bekanntes Zitat des spanischen Schriftstellers George Santayana) Südtirols Kulturlandesrat Philipp Achammer in einer Grußbotschaft an die Festgäste in Prettau.

„Etwas vom Spannendsten war die Suche nach dem Autor der höchst bemerkenswerten Kriegschronik. Außer dem Namen wusste man in Prettau und weit darüber hinaus nichts mehr vom Verfasser. Konrad Atzwanger schien nach seinem mehrjährigen Seelsorgedienst in Prettau wie vom Erdboden verschluckt“, erzählte der Buchautor Eduard Tasser. „Keine Angaben zu Herkunft oder späteren Wirkungsstätten, keine Nennung in den kircheninternen Personalverzeichnissen, keine Erinnerung alter Priester, kein Priestergrab – nichts! Selbst ‚Dr. Google‘ vom ‚World Wide Web‘ wusste lange Zeit keinen Rat. Bis er schließlich doch etwas ausspuckte.“ Ein Bericht aus der Afrikamission anno 1963 erwähnt einen Pater Konrad Atzwanger als Mitglied der in Südtirol weitgehend unbekannten „Congregatio Missionarium de Mariannhill.“ Damit war eine Spur gelegt, die die Suchenden alsbald ans Ziel führte. Konrad Atzwanger, ein blutjunger Geistlicher aus Hall in Tirol, trat 1923 erwähntem Missionsorden bei und wurde unmittelbar danach ins heutige Simbabwe (damals Südrhodesien) entsandt, wo er bis zu seinem Tod im 94. Lebensjahr am 23. Jänner 1987 wirkte.

Die nun erschienene Publikation, immerhin 364 Seiten stark, liest sich auch als Hommage an einen jungen Geistlichen, der sich in schweren Zeiten an die Seite der kleinen Leute in einem unscheinbaren Dorf stellte. Konrad Atzwanger nimmt in seiner Chronik nicht die Kriegsherren in den Blick und nicht ihre blutigen Schlachten, er kennt keine Helden, nicht einmal tapfere Krieger, sondern nur kleine Leute, einfache Menschen, die keine Geschichte geschrieben, wohl aber durchlitten haben.

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