headermariannhill2

"Ein bisschen Frieden!" Liebe Schwestern, liebe Brüder, mit diesem Lied hat vor vielen Jahren eine junge Sängerin lange Zeit die Menschen begeistert. Wenn ich die Lage in der Welt sehe, dann möchte ich mit der Sängerin übereinstimmen. Viele Kriege belasten auch heute noch die Welt. Wir schauen an diesem Weltmissionssonntag auf die Menschen in Westafrika. Viele dieser Länder sind von Unfrieden, von Gewalt und auch ganz besonders vom islamischen Terror heimgesucht. Obwohl manche Länder reich an Bodenschätzen sind und sie eine gute Wirtschaft haben könnten, sind sie doch bettelarm. Hinzu kommt in diesem Jahr ganz erschwerend die Coronakrise. Sie verschärft das Problem der Not und auch das Problem der Gewalt. Viele Menschen in den westafrikanischen Ländern müssen Gelegenheitsjobs nachgehen. Auch sie werden in der Coronakrise angehalten, auf Distanz zu gehen. Doch für den Straßenverkäufer in Lagos oder für die Marktfrau an ihrem Gemüsestand in Accra ist das eine absurde Vorstellung. Sie müssen doch die Nähe zum Mitmenschen suchen, um etwas zu verkaufen. Dann gibt es Millionen von Menschen in den afrikanischen Ländern, die schlichtweg nichts zu essen haben, wenn sie einen Tag nicht ihrer Arbeit als Schuhputzer, Motorradtaxifahrer oder Zeitungsverkäufer nachgehen können. Hinter diesen Sorgen und Nöten stehen noch viele andere Sorgen, welche die Menschen gerade in diesen Ländern plagen. Es ist nur die Spitze des Eisberges, was ich da aufgezählt habe.

Wir könnten nun sagen: Auch wir in Deutschland und auch in Europa haben doch genug eigene Sorgen, gerade wenn wir uns die steigenden Zahlen vor Augen führen. Das ist richtig. Denn auch in unserem Land sind viele Menschen von Existenzsorgen geplagt wegen der Coronakrise. Doch gerade wir als Christen und als Christinnen denken immer noch an Menschen, die in weitaus schlimmeren Lagen leben. Der Nächste ist für mich der Mensch, mit dem ich zusammenlebe, der mir täglich von Angesicht zu Angesicht begegnet. Der Nächste wird aber auch immer mehr der Mensch, der tausende von Kilometern von mir entfernt lebt. Wir alle sind miteinander verbunden. Ich darf mich berühren lassen von dem Leben der Menschen in Westafrika, die unter Kriegen leiden.

Jeder kann sich fragen: Was kann ich an meinem Platz und an meinem Ort tun, um mich mit diesen Schwestern und Brüdern, mit diesen Nächsten solidarisch zu verhalten. Wo wir uns betreffen lassen von der Not und dem Leid anderer, dort machen wir einen ersten Schritt zum Frieden. Das ist auch eine wichtige Voraussetzung, sich für den Frieden einzusetzen. Ich setze mich für den Frieden ein, wo ich mich selbst um soziale Gerechtigkeit mühe, wo ich es kann. Die Ursache für den Krieg ist oft Gier nach immer mehr Besitz, nach immer mehr Macht. Ich setze mich für den Frieden ein, wenn ich bereit bin zu teilen, wenn mir immer bewusst bleibt, dass diese Welt auch anderen ein menschenwürdiges Leben bieten kann. Frieden stiften kann auch bedeuten, dass ich mich einsetze, Partei ergreife für die armen Menschen.

Wir alle haben die Verantwortung, an dem Ort, an dem wir leben, nach Möglichkeiten zu suchen, solidarisch zu sein, Zeichen des Friedens zu setzen. Dann leben wir das wichtigste Gebot der Bibel: "Du sollst Gott und den Nächsten lieben wie dich selbst!" Dann setzen wir die Worte aus dem Buch Exodus um. Wir dürfen die Lage von Menschen in Not nicht für unseren Vorteil ausnutzen, sondern wir müssen "Mitleid" haben, so wie Gott mit den armen Menschen Mitleid hat. Dann stiften wir Frieden, dann wird der Wunsch des Liedes "Ein bisschen Frieden" besonders für die Menschen in Westafrika wirklich.

Gedanken von Pater Jörg Thiemann CMM

­