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Er wollte Weihnachten 1976 nach Hause kommen, doch kurz vor seiner Abfahrt nach Deutschland wurde er ermordet: Pater Possenti Weggarnter aus Pelkering bei Triftern. In seiner Heimatpfarrei wurde zu seinem 45. Todestag ein neues Buch über den Missionar und Menschenfreund präsentiert.

IMG 5152Pfarrkirche St. Stephanus in Triftern © 2021 pater andreas rohring cmmTriftern. Mit 21 Jahren hatte sich Anton Weggartner entschieden, in die Kongregation der Missionare von Mariannhill einzutreten und in die Mission nach Afrika zu gehen. Am 1. Juni 1934 verließ er den elterlichen Hof in Wiesing bei Triftern, verabschiedete sich von Elternhaus und Geschwistern, vom Ordenshaus und den Mitbrüdern in Würzburg und schiffte sich in Rotterdam auf der „Adolph Wormann“ ein, um schließlich nach langer Seereise nach Afrika zu gelangen. „Das Gefühl großer Freiheit und sprühende Lebensfreude lösten den nagenden Heimwehschmerz schnell ab“, schreibt Prof. Dr. Hannelore Putz, die Archivdirektorin des Bistums Passau, die in einem Buch die spannende Lebensgeschichte von Pater Possenti Weggartner aufgeschrieben hat. Bis zum furchtbaren Ende, der Ermordung durch einen Terroristen am 5. Dezember 1976. Mit dem Missionar aus Niederbayern starben im Kugelhagel Altbischof Adolph Schmitt und Schwester Maria Francis, Schwester Ermenfried Knauer überlebte schwer verletzt. Der Anschlag beherrschte für kurze Zeit die Nachrichten weltweit. Pater Possenti wurde mit den anderen Getöteten in Bulawayo in Simbabwe begraben, in Triftern erinnern eine Straße und ein Denkmal in der Kirche an den Ordensmann.

Fast auf den Tag genau 45 Jahre nach den tödlichen Schüssen kamen die Gläubigen, darunter viele Verwandte von Pater Possenti Weggartner, nach Triftern in die Pfarrkirche, um gemeinsam mit Bischof Stefan Oster dem Toten zu gedenken, für ihn zu beten und an ihn zu erinnern.

„Er war einer von uns!“ Mit diesen Worten zur Begrüßung machte Pfarrer Dr. Waldemar Hadulla deutlich, dass der Missionar im kollektiven Gedächtnis seiner Heimatgemeinde fest verankert ist, auch wenn er 40 Jahre fern der Heimat wirkte. Bischof Stefan Oster ging in seiner Predigt auf zwei Begriffe ein, die zentral für Weggartners Leben waren: Mission und Heiligkeit. Er sei stolz und dankbar gewesen, dass er Missionar sein durfte. Und er habe den ausdrücklichen Wunsch gehabt, heilig zu werden. Beide Begriffe klingen heute etwas befremdlich. Doch eigentlich, so Bischof Stefan Oster, „ist es der Wille Gottes, dass wir heilig werden“. Gott habe eine Idee von jedem und jeder von uns. Er wolle mit seiner Liebe die beste Version aus uns „herauslieben“. Pater Possenti hat vor allem als Lehrer der unterdrückten Mehrheit Großes geleistet. 

Bischof Oster ließ keinen Zweifel daran, dass Pater Possentis Lebensbilanz beeindruckend ist. Er habe bereits etwas verinnerlicht gehabt, was große Teile der Kirche erst in den letzten Jahrzehnten gelernt hätten: „Wer heute den Glauben woanders hinbringen will, wer sich danach sehnt, dass Christus im Herzen des anderen aufgeht, der muss erst einmal von denen lernen, zu denen er geht, muss erst einmal Empfangender sein.“ In den Briefen des Triftener Missionars spüre man, dass er von den Einheimischen gelernt habe, von ihnen beschenkt worden sei. „Ich bin überzeugt, dass ihr in ihm einen Fürsprecher habt, weil er seine Heimat immer geliebt und die Menschen hier immer wieder begleitet hat“, schloss der Bischof seine Predigt.

buchpossentiPater Christoph Eisentraut, Deutscher Provinzial der Kongregation der Missionare von Mariannhill, der selbst viele Jahre in Simbabwe wirkte, ließ keinen Zweifel daran, dass seiner Ansicht nach alle drei bei dem Attentat 1976 Getöteten Märtyrer seien. Er hoffe, dass dies bald auch von der Kirche anerkannt werde. Er lenkte seinen Blick aber auch auf den Täter. Die Freiheitsbewegungen der unterdrückten Schwarzen Mehrheit im Land seien damals nicht vom Westen unterstützt worden. Sie hätten sich deshalb kommunistischen Ländern zugewandt und seien entsprechend indoktriniert worden.

Doch selbst unter den Extremisten seien Glaubenszeugnisse möglich. Er nannte als Beispiel einen Anführer ausgerechnet aus der Gruppierung, aus der der Mörder von Pater Possenti hervorgegangen sei. Er sei katholisch und schließlich sogar Diakon geworden, womit sich ein Kreis zum Glaubenszeugnis des Missionars aus Triftern schließe.

Abschließend dankte Eisentraut allen, die mithelfen, dass die Erinnerung an Pater Possenti wachgehalten wird. Ähnlich äußerte sich Trifterns Bürgermeisterin Edith Lirsch. Sie würdigte den Missionar als Brückenbauer. Durch ihn hätten bei den Heimatbesuchen vor allem die Kinder Afrika mit anderen Augen sehen gelernt. „Die Menschen haben verstanden, über den Horizont hinaus zu schauen.“

Thomas Weggartner, Großneffe des Missionars und Bischöflicher Sekretär, stellte anhand ausgesuchter Bilder das neue Büchlein vor. Musikalisch umrahmt wurde die stimmungsvolle Andacht von Eva Hofbauer, Elisabeth Eder sowie Renate und Sepp Denk.

„Pater Possenti hat ein kraftvolles, lebensfrohes, gläubiges, bisweilen auch gefahrvolles Leben führen dürfen. Weil er entsprechend seiner Berufung lebte, wurde er zum überzeugenden ,Missionar‘ und Zeugen für Christus. Er war ein ,Abenteurer Gottes‘ und er hat sich sicher nicht nur einmal als solcher verstanden“, fasste Hannelore Putz das Leben des Missionars aus Triftern, der heilig werden wollte, in ihrem Text zusammen. Es sind Vorbilder wie er, die die Kirche heute mehr denn je braucht. Mit dem neuen Buch und mit dieser Andacht bleibt sein Zeugnis lebendig. (Wolfgang Krinninger)

Predigt von Bischof Stefan Oster als Audio:

Die ganze Pontifikalandacht als Audiobeitrag:

Fotos von Wolfgang Krinninger:
 

 

Fotos von Pater Andreas Rohring CMM:
 

 

Hier kann man das Buch ohne Probleme bestellen: Online Shop

 

 

 

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