headermariannhill2

Gedanken zum Fest Christi Himmelfahrt von Pater Jörg Thiemann CMM: Eine Erfahrung haben die allermeisten schon gemacht: im Stich gelassen zu werden. Eine solche Erfahrung ist bitter. Sie ist eine große Enttäuschung. Wo man Menschen als Hilfe gebraucht hätte, ist man plötzlich auf sich allein gestellt.

Heute feiern wir Christi Himmelfahrt. Wir feiern eines: Jesus lässt die Jünger nicht im Stich, und auch wir sind nicht im Stich gelassen. Das Fest Christi Himmelfahrt ist ein Fest der Hoffnung und auch der Zuversicht. Es ist das Fest, bei dem Gott uns zusagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ „Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen und ihr werdet meine Zeugen sein!“ Schauen wir uns einfach einmal die Situation an, in der Jesus diese Worte spricht. Er ist auferstanden. Jesus nimmt von den Jüngern Abschied. Vorher aber hat er einen großen Auftrag für sie. Sie haben von jetzt an die Aufgabe, sein Werk weiter zu führen. „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern…“ Er traut ihnen das zu.

Doch Jesus weiß auch um die Schwierigkeiten, welche die Jünger erleben werden. Jesus weiß um die Ängste und Sorgen, um die Anfechtungen und das, was die Jünger bedrängt. Er weiß, dass alles über die menschliche Kraft gehen kann. Darum macht er seine Zusagen.

Es sind Zusagen, die auch uns gelten. Es sind Zusagen, die auch wir dringend brauchen in unserer Zeit. Denn jetzt ist unsere Zeit, Jesus zu verkünden. Jetzt ist unsere Zeit, die Botschaft in Wort und auch in Tat zu verkünden. Wir sind jetzt die Boten von Jesus. Als getaufte und auch als gefirmte Christen/innen sind wir jetzt ausgesendet, Boten des Reiches Gottes zu sein.

Sicher: wir werden hier nie den Himmel oder das Paradies schaffen können. Leider wird unsere Welt und auch unser Leben immer wieder bestimmt von Hass, Gewalt, Ungerechtigkeit. Die politische Lage ist in einigen Ländern sehr unsicher. Erschüttert hat uns das schreckliche Attentat von Manchester. Wo ist in unserem persönlichen Bereich schon alles so gut, wie man es sich vorstellt. In diese Welt hinein dürfen wir die frohe Botschaft tragen.

Dort, wo uns das gelingt, da lässt sich erahnen, was Himmel bedeutet. Himmel bedeutet nicht abgehoben zu leben von der Welt und ihren Sorgen. Der Glaube an Jesus bewährt sich in allen Lebensbereichen. Ich kann in der eigenen Familie Zeuge meines Glaubens sein. Dazu muss ich nicht ständig predigen. Dazu braucht auch nicht alles friedlich und harmonisch zu sein. Vielleicht aber gelingt es im Umgang miteinander, eben weil der Ehepartner/in als von Gott geschenkt angesehen wird, weil die Kinder uns so als von Gott geschaffen angesehen werden, doch ein wenig die Liebe Gottes erfahrbar werden zu lassen.

Am Arbeitsplatz sind die Leistung und das Funktionieren gefordert. Ist mein Mitarbeiter nur so viel wert, wie er leistet. Was ist mit denen, die weniger leisten können als andere. Ich habe die Möglichkeit, jedem meiner Mitarbeiter und auch denen, für die ich als Vorgesetzter verantwortlich bin, mit Achtung zu begegnen. Wann ist ein Tag sinnvoll verlebt. Wenn ich möglichst viel erlebt habe oder wenn ich möglichst vielen als Mensch, als Christ begegnet bin. Wo habe ich jemanden aufgerichtet, Mut gemacht, ein gutes Wort gesagt. Wie bin ich heute anderen begegnet.

Wie gesagt: Wir können nicht das Paradies schaffen. Aber wir können Hoffnungsträger sein. Wir dürfen Mut haben, als Christen/innen zu leben. Denn wir sind nicht allein. Wir haben Jesu Zusagen. Wir haben eine neue Ausrichtung durch den Glauben bekommen, ein neues Ziel. Von diesem Ziel her leben wir. Wir dürfen Mut haben, denn Jesus ist bei uns. Und: jetzt ist unsere Zeit.

­