headermariannhill2

Gedanken von Pater Jörg Thiemann CMM zum Fronleichnamsfest: "Wie wünschen wir es uns doch, dass diese Zeit von Corona zu Ende geht. Ich möchte gerne einmal wissen, wie wir vielleicht in 10 oder 20 Jahren über diese Zeit denken. Was wird mit den Sorgen sein, die sich viele Menschen jetzt machen? Was wird sich durch diese "Krise" denn in unserem Leben verändert haben zum Positiven oder zum Negativen? Oder sind wir ziemlich schnell zur Tagesordnung übergegangen. Wie weit hat sich diese Situation auf unseren Glauben ausgewirkt, auf mein Verhältnis zu Gott?

Corona verlangt uns einiges an Verzicht ab. Das spüren wir heute. In vielen Gemeinden fällt die Fronleichnamsprozession aus. Doch gerade deswegen dürfen wir glauben: Jesus, das lebendige Brot, Jesus, der mit uns eins sein will, Jesus, der uns das ewige Lebens schenkt - er geht mit uns, er ist bei uns auf verschiedene Weise. Wir dürfen glauben, dass wir auch jetzt nicht allein gelassen werden. Wir gehen in der Tat eine Durststrecke.

Durststrecken, Zeiten, in denen es schwer wird, die kennen wir im Leben, die kennen wir im Glauben. Das Beten fällt uns nicht leicht. Wir haben Zweifel an Gott, hadern mit ihm. Das Volk Israel, das 40 Jahre durch die Wüste gewandert ist, hat sicher so manche Durststrecke erlebt. Zuweilen war der Hunger so stark, dass sie sich gewünscht haben, wieder Sklaven zu sein, dafür aber genug Nahrung zu haben. Lieber Unfreiheit als Hungern. Doch ein Rückzug nach Ägypten hätte neue Unfreiheit bedeutet.

Doch die Israeliten sollen lernen, auf Gott zu vertrauen. Darum erinnert Mose die Israeliten daran, dass es Gott war, der ihnen das Manna schenkte.  In der Zeit der Wüste, als sie an Hunger litten, da haben die Israeliten eines erfahren: Wir sind zuerst von Gott beschenkt. Wir sind allein von ihm abhängig. Er schenkte den Israeliten das Manna und ließ aus der Quelle Wasser sprudeln. Mose erinnert die Israeliten daran, wie liebevoll  Gott für sie sorgt und sie nicht im Stich lässt.

An Gott glauben, sich von ihm beschenkt zu wissen, das bedeutet Leben, das führt in die Freiheit. Gott schenkt uns Leben. Leben ist mehr als Essen und Trinken. Wir brauchen zum Leben vor allem sein Wort, seine Liebe und seine Zuwendung. Wir können sie erfahren in der Zuwendung und in der Liebe, die uns Menschen schenken. Wir können Gottes Fürsorge erfahren, wenn Menschen uns gegenüber fürsorglich sind. Auch wir können Gottes Liebe und Fürsorge anderen Menschen erfahren lassen. Wir können uns immer wieder bei schweren Zeiten fragen: Was hat mir geholfen. Was hat mir Leben geschenkt.

Gottes Liebe und Fürsorge, sein Wort schenkt er uns vor allem in Jesus. Gott hat uns für ein erfülltes Leben geschaffen, für das Leben in seiner Nähe, für das Leben, wo wir seine Liebe immer tiefer erfahren dürfen. Es ist das ewige Leben, das Jesus verspricht. Jesus ist für uns das Brot. Er lädt uns ein, IHN zu empfangen. Damit lädt Jesus uns ein, mit IHM Beziehung und Freundschaft zu leben. Seine Freundschaft und das ewiges Leben erfahren wir bereits in dieser Zeit, wenn seine Worte,  seine Liebe für unser Leben am wichtigsten sind. Wenn wir Jesus empfangen, dann können wir immer mehr eins mit IHM werden.

Gerne hätten wir IHN durch die Straßen getragen. Das hätte ein Zeichen werden können, dass Gott in jedem Lebensbereich zu finden ist. Das kann die Schule sein, in der Kinder auf das Leben vorbereitet werden. es kann ebenso ein Kindergarten sein, ein Krankenhaus, eine Einrichtung für Menschen mit einer Behinderung, ja sogar eine Fabrik, in der Menschen ihr tägliches Brot verdienen. An diesen und auch vielen anderen Orten, wo Menschen leben, ist Gott, ist Jesus da in den Durststrecken. An diesen Orten können wir erfahren, wie sehr Gottes Wort ewiges Leben schenken kann. Gott schenkt uns überall seine Nähe. Er ist da, in Jesus, in seinem Wort, im Sakrament, in der Nähe der Mitmenschen, ja auf verschiedene Weise. Hoffen wir, dass wir im kommenden Jahr IHN wieder durch die Straßen unserer Dörfer und Städte tragen dürfen, durch unser Leben."

­