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Gedanken zum Pfingstfest von Pater Jörg Thiemann: 

"Die Tür ist zu!" Liebe Schwestern, liebe Brüder - das kann ein sehr grausamer Satz sein. Wie anders hört es sich doch an, wenn mir jemand sagt: "Die Tür ist offen!" So ein Wort kann Freundschaft anbieten. Dieser Satz trägt auch eher dazu bei, Frieden zu stiften.

Pfingsten feiern wir heute. Das Evangelium und auch die Lesung aus der Apostelgeschichte haben eines gemeinsam. Sie erzählen uns von Türen, die geschlossen sind - geschlossen sind aus Angst und Furcht vor den Menschen, aus Angst und Furcht um ihr eigenes Leben. Sie erzählen uns aber auch, wie Gott es fertig bringt, durch diese Türen hindurch zu gehen. Wir hören wie die Jünger ausgesendet werden.  

In der Apostelgeschichte kommt Gott in Feuerzungen, in einem Brausen, der das ganze Haus erfüllt. Wir hören von einem Getöse. Diese Beschreibungen zeigen, dass etwas geschieht, was sehr lebendig ist, ja viel Aufmerksamkeit hervorruft. Was geschieht, das weckt Neugier. Was ist da los? Das werden sich die Menschen gefragt haben. Sie hören, dass die Apostel in fremdem Sprachen reden. Es ist etwas eigenartiges, ja sonderbares, was da geschieht. Die Apostel verkünden mutig und entschlossen in allen Sprachen Gottes große Taten. Was sie versuchen ist doch - die Türen der Herzen aller Menschen für Gott zu öffnen. Sie tun es mit Gottes Kraft, Gottes heiligem Geist.

Gott will an ihnen und auch an allen Menschen Großes wirken. Das ist die Aufgabe der Kirche, genau das zu verkünden. Ich hatte ja in der Einleitung davon gesprochen: Pfingsten ist das Geburtsfest der Kirche. Mit dem, was wir in der Apostelgeschichte gehört haben, fängt es an. Gottes große Taten werden verkündet. Die Kirche ist die Gemeinschaft aller Frauen und Männer, die an Jesus glauben, die fest davon überzeugt sind: Jesus ist auferstanden. Auch wir werden zum ewigen Leben geboren. Wir haben das an Ostern gefeiert und es sollte unser ganzes Leben bestimmen. Diese Welt hat ihren Ursprung in der Liebe Gottes. Wir dürfen mutig diesen Glauben vertreten. Wir dürfen auch mit unserem Verhalten auffallen, wenn wir anders sind, wenn wir uns bemühen, die Nächstenliebe zu leben, und mehr noch - die Liebe zu den Feinden. Wir geben von Gott Zeugnis, wenn wir uns um Barmherzigkeit mühen.  Als Christen sollten wir auf den Glauben an Jesus aufmerksam machen und damit im besten Sinn des Wortes "Getöse" machen. "Macht Lärm!" Das hatte Papst Franziskus mal der Jugend zugerufen auf einem Weltjugendtag. Wir dürfen so leben, dass die Menschen uns erkennen als Christen und als Christinnen.

Als getaufte und auch gefirmte Christen haben auch wir diese Berufung, diese Sendung, wie sie die Jünger im Evangelium erfahren. Jesus haucht die Jünger an. "Empfangt den Heiligen Geist!" Das sagt er ihnen. Ich höre in diesem Satz wie eine Einladung, wie eine Aufforderung, Gottes Geist zu empfangen. Habt euer Herz offen für seinen Heiligen Geist. Seid offen für das, was Gott in euch wirken will. Jesus will eines: Jesus will die Welt und die Menschen mit Gott versöhnen. Jesus will die Menschen zu einer neuen Liebe zu Gott führen, ihnen den Sinn des Lebens neu aufdecken. Nur mit seiner Kraft, mit der Kraft des Heiligen Geistes können die Jünger, können wir, kann die Kirche ihren Auftrag erfüllen, hinauszugehen in die Welt, zu den Mitmenschen. Wir dürfen den Glauben weiterschenken.

Gott will auch zu uns kommen, durch unsere geschlossene Türen. Viele Türen sind heute verschlossen durch Ängste, durch Gleichgültigkeit, durch die Ärgernisse, die in der Kirche vorgekommen sind. Wir stoßen auf Türen, die durch Egoismus geschlossen sind, durch Trägheit, durch den Wunsch, bequem zu leben. Türen sind auch zu, weil es Unfriede gibt mit anderen Menschen, Unfrieden auch mit sich selbst. Wir dürfen uns selbst fragen: bin ich offen für Gott und sind meine Türen offen für IHN, für sein Wirken in der Welt an mich?   

An Pfingsten feiern wir: Gott sendet uns seinen Geist. Denn Gott will uns aussenden zu den Menschen, das neue Leben zu verkünden und zu bezeugen, auf verschiedenen Wegen, mit den verschiedenen Gaben und Begabungen, die Gott uns schenkt. Wir sind ausgesendet, die Türen anderer für Gott zu öffnen. Sind wir dazu bereit?

Wir Missionare von Mariannhill wünschen Ihnen und Ihren Lieben ein frohes und gesegnetes Pfingstfest!

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