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Pater Adalbert Balling macht sich so seine Gedanken zu "Halloween"...

Es ist für einige Snobs schon eine Wissenslücke, wenn einer nicht weiß, was Halloween bedeutet. Dabei kennt man in Deutschland diesen „Kult“ erst seit ein paar Jahren. In den größeren Städten hat er schier aus dem Stand heraus zahlreiche Fans gefunden. Aber was dieser neue Termin in unserem Kalender wirklich bedeutet und woher dieser „Kult“ kommt – das wissen die wenigsten Landsleute.

Zunächst einmal gilt es festzuhalten, dass das Wort Halloween wohl eine verkürzte Formel für „All Hallows Evening“ (Allerheiligen-Abend) ist – zum Unterschied von All Hallows / All Saints Day (Allerheiligentag). Halloween findet am Abend vor Allerheiligen statt. Doch was versteht man darunter? Das ist so einfach gar nicht zu erklären. Am besten wir greifen zurück in die Sagenwelt der alten Kelten. Und in ihre Religion vor über 2.000 Jahren. Große Verehrung genoss damals der Totengott Samhain. Er erlaubte den Verstorbenen, am 31. Oktober auf die Erde zurückzukehren und ihre noch lebenden Verwandten zu besuchen. Nun fürchteten sich aber die Kelten vor diesen Geistern; daher suchten sie diese zu besänftigen, indem sie ihnen in dieser Nacht Speiseopfer darbrachten. Alten Bräuchen zufolge zogen auch Druiden (keltische Priester) durch die Dörfer und forderten Gaben ein, zuweilen sogar Menschenopfer, für den Totengott. Wer sich weigerte, musste mit dem Todesfluch Samhains rechnen. 

Um sich davor zu schützen – vor dem üblen Fluch, vor den bösen Geistern, vor den Verwünschungen des Totengottes – trugen die Druiden Tiermasken. Sie glaubten, so durch die Kraft der Tiere geschützt zu sein. Mit den Jahren entwickelte sich daraus der Brauch, Kürbisse und Rüben auszuhöhlen und sie mit Tierfratzen und dämonischen Visagen zu dekorieren. Auch stellte man Kerzen in die hohlen Früchte. Alles – wie gesagt – um Schlimmes fernzuhalten und eventuelle Fluchworte zu bannen. 

Zur Verbreitung dieses Brauchtums hat vor allem die irische Sage um den Säufer Jack beigetragen. Dem soll es gelungen sein, den Teufel zu überlisten und bloßzustellen. Der Satan, arg in der Klemme, versprach, er wolle Jack für alle Ewigkeit in Ruhe lassen und nicht länger nach dessen Seele jagen. Jack wurde darüber berühmt – und sehr alt. Als er starb und am Himmelstor um Einlass klopfte, wies man ihn ab – wegen seiner ausgelassenen Sauferei. In der Hölle hatte Jack auch kein Glück; der Teufel musste ihn, auf „höheren Befehl“, ebenfalls abweisen. Aber er gab dem Trinker eine glühende Kohle mit – direkt vom Höllenfeuer genommen, damit er sich auf dem Rückweg nicht verlaufe. Praktisch, wie er veranlagt war, steckte Jack die Kohle in einen Kürbis, den er als Reiseproviant bei sich führte. So durchstreift er, ruhe- und rastlos für alle Ewigkeit, weiterhin die Erde mit dem Wissen, weder Gnade im Himmel noch Aufnahme in der Hölle gefunden zu haben. 

Weltweiter Siegeszug

Von daher also später die ausgehöhlten Steckrüben und Kürbisse am Abend vor Allerheiligen. Zunächst im keltischen Raum – vor allem in Irland. Mit den irischen Einwanderern kam dieser Brauch auch in die Vereinigten Staaten von Amerika. Vor gut 150 Jahren. Und schon bald entwickelte sich dieser Tag zu einem populären Fest, vor allem der Kinder und Jugendlichen. Mit Michael Myers‘ Film „Halloween-Gemetzel“ trat schließlich dieser ursprünglich keltische Kult seinen Siegeszug rings um die Welt an. Clevere Geschäftsleute vermarkteten ihre Produkte an Halloween – wie an Weihnachten oder zum Muttertag. Kindergruppen fingen an, durch die Straßen zu ziehen und um Geld oder Süßigkeiten zu betteln, so wie es – hierzulande – bisher nur am Martinstag oder an Dreikönig (Sternsinger!) üblich war. 

Für die christlichen Kirchen stellt sich mit Halloween ein neues Problem: Wieweit sollte man dem ursprünglich keltischen Brauchtum Einlass gewähren? In begrenztem Maße? Unter Ausschluss gewisser Auswüchse? Mit Betonung der religiösen Sitte, am Allerheiligen/Allerseelentag in besonderer Weise der Toten zu gedenken?

Einige Kirchenvertreter sehen den Rummel um Halloween zu nahe am undurchsichtigen Hexenglauben und Satanskult angesiedelt. Sie befürchten das Sich-Ausbreiten von Satansmessen und schwarzer Magie. Sicher nicht ganz unbegründet. 

Andere bringen das wachsende Interesse an Halloween in Westeuropa mit der zunehmenden Vorliebe für Märchen und Sagen und Zauberer in Verbindung und verweisen auf den kometenhaften Aufschwung der Harry Potter- sowie Tolkiens Herr der Ringe-Bücher. 

Die Sehnsucht der Menschen nach geheimnisvollen und magischen Welten, aber auch nach Horrorgeschichten und Horrorfilmen scheint urtief verankert zu sein. Alles, was gruselig ist, alles was kitzelt, alles, was im Reich der Dämonen angesiedelt ist, hat zur Zeit Hochkonjunktur. Die Gefahr besteht, dass darüber das Gespür für das Sakrale und Göttliche verloren geht. Und dass jene Urangst, die einst die alten Kelten dazu veranlasste, die Toten wohlwollend zu stimmen, indem sie ihnen am All Hallows Eve, am Allerheiligenabend, Kerzen anzündeten – dass diese Ängste erneut um sich greifen. Das zu verhindern wäre eine wichtige Aufgabe des Christentums, das unter anderem angetreten ist, um Ängste abzubauen und die Frohbotschaft zu künden. 

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