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Gedanken zum Weihnachtsfest 2020 von Pater Jörg Thiemann: "Da hatte ich einen Lichtblick." Etwas gab wieder Zuversicht in einer schweren Lage. Wie ich es in der Einleitung gesagt habe: Wir leben im Dunkel unserer Sorgen und Ängste wegen der Pandemie. Ein Lichtblick ist der 27. Dezember. Es ist der Tag, an dem der Impfstoff gegeben wird. Der Tag wird herbeigesehnt.

Herbeigesehnt - das ist das richtige Wort. Auch die Israeliten, die in der babylonischen Gefangenschaft lebten, sehnten sich Erlösung herbei. Ihnen wird verkündet, dass ihre Gefangenschaft ein Ende haben wird. Es ist Gott, der die Israeliten befreit, der wunderbar an seinem Volk handelt. Jesaja legt seine Hoffnung in ein Kind, das bald geboren werden soll. Diese Hoffnungen, die in dieses Kind gelegt werden, zeigen sich in den Namen, die diesem Kind gegeben werden. "Wunderbarer Ratgeber, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens!" Dieses Kind wird einmal die große Sehnsucht nach Frieden erfüllen. Dabei meine ich unter Frieden noch mehr als die Abwesenheit von Krieg. Ich selbst bin froh, noch nie einen Krieg miterlebt zu haben. Ich meine auch den Frieden in unseren Lebensbereichen, den Frieden im eigenen Herzen. Frieden - damit meint Jesaja auch Wohlergehen und Hoffnung. In dem Wort Frieden sind alle Sehnsüchte der Menschen enthalten. Wo diese Sehnsüchte nicht erfüllt werden, dort ist Finsternis. Licht ist dort, wo diese Hoffnungen Erfüllung finden.

Unter dem Licht dürfen wir Jesus sehen. Jesus ist das Licht, das in der Finsternis leuchtet. Es gibt so vieles, neben dem Coronavirus, was unser eigenes Leben finster machen kann. Das können Streitigkeiten sein. Das kann eine schwere Krankheit sein. Auch die Sorgen um das Klima der Welt macht vielen Menschen Sorgen. Gerade die jungen Menschen befürchten, dass diese Welt nicht mehr lebenswert sein wird, es sei denn, wir ändern in unserem Leben so einiges und fangen damit an, das Leben und die Zukunft der jungen Menschen zu bedenken. Es gibt vieles, was läuft an Ungerechtigkeiten. In dieser Welt, die im Moment aus den Fugen zu geraten scheint, feiern wir Weihnachten.

Doch uns wird an Weihnachten Hoffnung und Zuversicht geschenkt werden. Zuerst einmal: Es gibt vieles, was gut läuft. Es gibt viel Liebe und Barmherzigkeit unter den Menschen. Gott ist in diese Welt gekommen. Gott teilt unser Leben, von Anfang bis zum Ende, bis hin zum Sterben. Die Engel verkünden es den Hirten, den einfachsten Leuten ihrer Zeit. "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren: er ist der Messias, der Herr." Das können wir nur im Glauben erfassen. Wenn Jesus uns wichtig ist, dann können wir die Worte begreifen, welche die Engel den Hirten verkündet haben.  

Gott will uns in diesem Kind, in Jesus, erlösen und befreien, aus dem, was uns gefangen hält, aus dem, was uns schwer fällt, was unser Leben dunkel macht. Jesus kam in diese Welt als ein wehrloses Kind, als ein armes Kind, und hat sich auf die Seite der armen Menschen gestellt. Es sind die Menschen, denen das fehlt, was sie zum Leben brauchen. Es sind die Menschen, die einsam sind, ohne einen festen Halt, ohne Orientierung. Es sind die Menschen, die gefangen sind in einer Welt, in der wir immer funktionieren sollen, gefangen in einer Welt, in der nur die Bestleistungen zählen.

Doch bei Jesus sind wir alle, so wie wir sind, angenommen, gut und auch geliebt. Jesus geht andere Wege, Jesus hat andere Maßstäbe, Menschen zu beurteilen, als es in unserem Denken üblich ist.

Wir feiern Weihnachten - in der Corona-Pandemie, die uns schon seit Monaten gefangen hält. Vieles gibt es, was uns sorgt. Möge Jesus mit seiner frohen Botschaft für uns immer wieder neu der Lichtblick sein.

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