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Seit über 40 Jahren begehen katholische, evangelische und orthodoxe christliche Gemeinden in Deutschland jeweils am letzten Sonntag im Januar den ökumenischen Bibelsonntag. Er stellt die Bibel als das alle Christinnen und Christen verbindende Buch ins Zentrum und wird häufig als Abschluss oder Eröffnung der ökumenischen Bibelwoche gefeiert.

Vor drei Jahren hat Papst Franziskus mit dem Motu Proprio Aperuit illis den katholischen „Sonntag des Wortes Gottes“ eingerichtet. Dieser Sonntag soll zusätzlich die zahlreichen Initiativen der Ortskirchen hin zu einem tieferen Zugang zur Heiligen Schrift ergänzen. Ausdrücklich betont der Papst ihre ökumenische Bedeutung: „Die Bibel ist das Buch des Gottesvolkes, das im Hören auf die Schrift aus der Zerstreuung und Spaltung zur Einheit gelangt. Das Wort Gottes vereint die Gläubigen und macht sie zu einem Volk.“

Seit dem vergangenen Jahr werden in den katholischen Gemeinden beide Bibelsonntage (der ökumenische wie der katholische) gemeinsam am letzten Sonntag im Januar begangen, diesjährig am 30. Januar 2022. Die Gemeinden können neben den Texten zum 4. Sonntag im Jahreskreis zusätzlich den Bibeltext des ökumenischen Bibelsonntags (Dan 3,51–90) im Gottesdienst verwenden. Ein ökumenischer Gottesdienstvorschlag enthält neben Fürbitten, Einführungen, Gebeten, Liedvorschlägen und kreativen Gestaltungsideen auch Predigtimpulse.

wortgottes2022Kennen Sie schon unser "Wort Gottes für jeden Tag 2022"?Als Motto des Gottesdienstes wurde für 2022 gewählt: „Gepriesen bist du, Gott, der in die Tiefen schaut!“ (Dan3,54a). Dieser Vers stammt aus dem Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen. In scheinbar auswegloser Gefahr vertrauen sie auf Rettung durch Gott. „Menschen brauchen Geschichten, besonders auf langen und unabsehbaren Wegen. In diesen Geschichten verändert sich die Perspektive. Gerade in der aktuellen Phase der Pandemie ermutigen mich die Erzählungen und Gebete aus dem Buch Daniel sehr. Sie stiften Hoffnung. Die frühe Kirche sah in der Rettung der jungen Männer einen Verweis auf die Auferstehung. So lese ich das Buch Daniel als Zeugnis dafür, dass wir auch in diesen oft schweren Tagen nicht verlassen sind,“ erläutert Wolfgang Baur, Beauftragter für Ökumene und stellvertretender Direktor im Katholischen Bibelwerk e. V. zum aktuellen Bibelsonntag.

Für die praktische Umsetzung des Bibelsonntags erinnert Papst Franziskus, dass die Predigt aus der Meditation der Heiligen Schrift erwachsen und der Tag auch für Beauftragungen zum Lektorat und zu ähnlichen Diensten genutzt werden soll. Er ermutigt gleichzeitig, den Gläubigen der Gottesdienstgemeinde die Bibel oder eines ihre Bücher zu übergeben, um das Lesen, die Vertiefung und das Beten mit der Heiligen Schrift hervorzuheben.

Hintergrund

Der ökumenische Bibelsonntag wurde 1982 eingerichtet. 2019 führte Papst Franziskus den „Sonntag des Wortes Gottes“ ein. Die Deutsche Bischofskonferenz hat im gleichen Jahr aufgrund der besonderen ökumenischen Situation in Deutschland und der langjährigen Praxis des ökumenischen Bibelsonntags die Entscheidung für die Einrichtung eines „Sonntag des Wortes Gottes“ getroffen. Er fand 2021 erstmals – bewusst zusammen – mit dem ökumenischen Bibelsonntag statt.

Hinweise:

Das Material für den Gottesdienst zum Bibelsonntag wird jedes Jahr gestaltet vom Katholischen Bibelwerk e. V. zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), dem Deutschen Liturgischen Institut, der Deutschen Bibelgesellschaft und der evangelischen Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung.

Der Gottesdienstentwurf sowie die Materialien zum Bibelsonntag sind unter www.bibelwerk.de/verein/was-wir-bieten/oekumene verfügbar.

Das Katholische Bibelwerk bietet ein vertieftes und regelmäßiges Lesen der Heiligen Schrift ab dem 14. Januar 2022 in Form einer an jedem 14. eines Monats stattfindenden „Lectio divina“ an. Mehr unter: www.lectiodivina.de

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