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Predigt von Altbischof Maximilian Aichern OSB beim Requiem für Pater Johannes Kriech CMM in der Pfarrkirche Gallneukirchen am Montag, den 18. November 2019 

In menschlicher Trauer, aber christlicher Hoffnung versammelte geistliche Brüder und geistliche Schwestern, verehrte Anwesende von den Mariannhiller Missionaren, Verwandte, Pfarrangehörige von Krenglbach, Professorenkollegen und einstige Schüler und Schülerinnen von Wels sowie Freunde von Konsistorialrat Oberstudienrat Magister Pater Johannes Kriech, Mariannhiller Missionar!

In der eben gehörten Evangelienperikope (Lk 12,35-40) mahnt unser Herr Jesus Christus zur Wachsamkeit. Wie treue Türhüter sollen Jüngerinnen und Jünger ihren Herrn erwarten, jederzeit wachsam und bereit für seine Ankunft, denn der Menschensohn wird plötzlich und unerwartet kommen. "Lasst die Lampen brennen", sagt Jesus. Das Licht einer Lampe erleuchtet in der Finsternis unseren Weg. Auch der Glaube ist wie eine Lampe, die uns am Weg durchs Leben ein Kompass zu Gott hin ist. Das alles trifft gewiss auf Pater Johannes Kriech zu, den Gott nun heimgerufen hat in die Wohnungen, die Jesus uns in der Ewigkeit bereitet hat.

Pater Johannes war ein wachsamer und gläubiger Mensch. Die trotz seiner lebenslangen Erkrankung für uns so plötzliche Begegnung mit seinem und unserem Herrn hat ihn nach unserem menschlichen Ermessen nicht unvorbereitet gefunden. Wie er zeitlebens seine Krankheit bewältigte, im Annehmen und Weiterarbeiten, was ihm möglich war, ist für jeden von uns ein Vorbild. Pater Johannes war als Mensch fröhlich, echt, er hat nie gespielt, er war nie fanatisch, aber voll Hoffnung und Zuversicht, auch immer sehr realistisch. Am St. Martins-Tag hat ihn Gott heimgerufen. Vom Hl. Martin wissen wir, dass er auch sehr krank daniederlag, seine Jünger beteten für seine Gesundung, weil sie ihn weiterhin für die Seelsorge brauchten und er selbst sagte zu Gott gerichtet: "Non recuso laborem!" – "Ich weise die Lebensmühe nicht zurück!" Und Gott ließ ihn wieder gesund werden, wie wir es aus seiner Lebensbeschreibung wissen. Unseren Pater Johannes Kriech, den wir alle schätzten und noch weiter gebraucht hätten, hat Gott aber heimgerufen in Seine Anschauung.

Berührend berichtet die Trauernachricht über sein Leben. Pater Johannes wurde am 20. März 1944 geboren und stammt aus einer christlich-praktizierenden Familie in Edtsdorf, Gemeinde Engerwitzdorf, Pfarre Katsdorf. Nach Volks- und Hauptschule daheim kam er als 14-Jähriger in das Mariannhiller Internat St. Berthold in Wels. Nach der Matura 1964 schloss er sich den Mariannhiller Missionaren an. Sein Theologiestudium verbrachte er bei den Jesuiten im Canisianum in Innsbruck. Dort lernte er Bischof Paul Rusch von Innsbruck-Feldkirch kennen, der jahrelang österreichischer Jugendbischof und österreichischer Arbeiterbischof (Sozialbischof) war. Ich wurde dann sein Nachfolger als Sozialreferent in der Österreichischen Bischofskonferenz. Bischof Rusch hat auch immer die markant für Seelsorge und Mission hervorragenden Missionare genannt, zu denen ja auch der Gründer der Mariannhiller Missionare, Franz Pfanner aus Langen bei Bregenz, gehörte. Wir alle schätzten damals Bischof Rusch, der uns jungen Leuten markante christliche Wege für unser Leben in Verbindung mit Bibel und Zeitnotwendigkeiten aufzeigte. Die Priesterweihe zu Peter und Paul 1971 spendete dem Kandidaten Johannes Kriech dann sein Heimatbischof Franz Zauner, mein Vorgänger als Diözesanbischof, im Neuen Dom, dem Mariendom in Linz. Gleich nach der Priesterweihe 1971 bis zur staatlichen Pensionierung 2005 wirkte Pater Johannes Kriech als Religionsprofessor am Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium in der Schauerstraße in Wels. Gleichzeitig wirkte er über viele Jahre als Erzieher im Internat St. Berthold in der Welser Rainerstraße an der Seite von Pater Dr. Berthold Mayr. Ich habe nach meinem Amtsantritt als Linzer Diözesanbischof im Jänner 1982 sehr bald Pater Johannes Kriech kennen gelernt bei Besuchen in seinem Ordenshaus in der Welser Rainerstraße und dann bei der Pfarrvisitation in der Welser Stadtpfarre beim Besuch des Religionsunterrichtes am Gymnasium in der Schauerstraße. Ich bemerkte sofort, wie er trotz seiner körperlichen Behinderung bei Schülern und Lehrerkollegen in bestem Gesprächskontakt und in hoher Wertschätzung stand. Ebenso war es auch im Internat St. Berthold. Und Pater Johannes Kriech war dann ab 1983 für 12 Jahre auch Provinzial der österreichischen Mariannhiller Provinz und stand auch in den weiteren Jahren als Mitglied des Leitungsteams den Mitbrüdern und ihren Anliegen immer zur Verfügung. Und die Mitbrüder schenkten ihm großes Vertrauen. Und nach seiner staatlichen Pensionierung als Religionsprofessor 2005 begann er einen vieljährigen Dienst als Pfarrer in Krenglbach bei Wels, einer Pfarre, die dem Augustiner Chorherrenstift St. Florian inkorporiert ist. Sehr gerne arbeitete er dort mit Zustimmung seiner Oberen, sehr angesehen bei allen Pfarrangehörigen. Und größte Freude bereitete es auch ihm, als durch historische Forschung bekannt wurde, dass ein früherer Pfarrer von Krenglbach unser so beliebtes Weihnachtslied "Es wird scho glei dumpa, es wird scho glei Nacht" gedichtet hat, ein Musiker es mit Noten unterlegte, und wir alle auch heute mit Begeisterung dieses Weihnachtslied singen! Seine Gesundheit wurde aber immer schwächer und so musste er die Pfarre im Oktober 2018 verlassen, und er lebte seither in guter Pflege im Haus St. Raphael der Kreuzschwestern in Bad Schallerbach. Eine Bronchitis machte ihm jetzt schwer zu schaffen, so kam er vor wenigen Tagen zur Behandlung ins Ordensklinikum der Kreuzschwestern in Wels, wo ihn unser Herr und Gott plötzlich in der Nacht des 11. November im Alter von 75 Jahren heimgerufen hat. Trotz seiner großen gesundheitlichen Herausforderungen in seinen Lebensjahren ist Pater Johannes Kriech daran nicht zerbrochen, sondern zu einem begnadeten Seelsorger und Menschenfreund gereift.

Wir allen danken Pater Johannes Kriech für seine gläubige, menschenfreundliche und weltoffene Lebensgesinnung. Wir kondolieren und danken seinen Angehörigen, aber auch allen, die ihm zeitlebens geholfen haben. Ich danke ihm namens von uns Linzer Bischöfen Zauner, Wagner, Schwarz, Scheuer und vor allem ganz persönlich im eigenen Namen. Und mit mir danken viele, die mit Pater Johannes zusammengearbeitet haben. Viele von ihnen sind heute hier anwesend und geleiten ihn auf seinem letzten Weg, so viele aus seiner Heimatgemeinde, aus Wels und aus Krenglbach. Und wir danken allen, die ihm besonders in der letzten Zeit beigestanden sind, im Heim in Bad Schallerbach und im Krankenhaus in Wels. Pater Johannes bleibt unvergessen. Historiker sagen: "Nichts stirbt, was in dankbarer Erinnerung bleibt"!

Liebe Schwestern und Brüder! Die Trauerparte der Ordensgemeinschaft der Mariannhiller und ich haben versucht, das Bild des Verstorbenen nachzuzeichnen. Dabei konnte es nicht anders sein, als dass der Schmerz über sein Fehlen neu entfacht wurde. Uns ist aber im Maß dieses Schmerzes zugleich das Maß unserer Dankbarkeit und Liebe zu ihm gegeben. In einem Friedhof las ich einmal auf einem Grabstein: "Mors est terminus vitae, non amoris!" – "Der Tod ist die Grenze des Lebens, nicht der Liebe!" Und in dieser Liebe erahnen wir etwas von der Vollendung dieses Lebens. Gott hat dieses Bild von der Zeitlichkeit hinübergehoben ins Ewige, dass sich nichts daran verwische, dass es erhalten bleibe in seiner ganzen Schönheit, seiner ganzen Frische.

Das Christusgeheimnis, dem Pater Johannes auf dem Erdenweg des Glaubens sein JA gegeben hat, dem wir wohl alle unser JA geben, dieses allein ist die Verkündigung dieser Stunde. Der Trost dieser Stunde ist unsere Dankbarkeit und unsere Liebe, die keine Schranken kennt, auch die des Todes nicht. Unser Trost ist der Herr selbst, den er schon schaut, wir müssen noch glauben.

Pater Johannes war immer sehr neugierig. Er wollte über Wichtiges in Kirche und Gesellschaft informiert sein, damit er in der Seelsorge richtig reagieren könne. Er hat sich oft nach Ereignissen in Konferenzen in Kirche und Gesellschaft erkundigt. Deshalb bin ich überzeugt: "Non dormit in tumulo, sed vigilat de coelo!" – "Er schläft nicht im Grab, er wacht von der Ewigkeit her!"

Schwestern und Brüder! Was nehmen wir für uns von diesem Gottesdienst für Pater Johannes Kriech, den der Herr uns geliehen, aber nun heimgeholt hat, für unser weiteres Leben mit? Die Wachsamkeit! Wir lesen ja in der Bibel: "Der Herr spricht: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, werde ich bei ihm eintreten und das Mahl mit ihm halten und er mit mir!" Amen.

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