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Kardinal Reinhard Marx predigt bei Gottesdienst auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau

Bei einem Gottesdienst auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau am Sonntag, 12. Juni, hat Kardinal Reinhard Marx die Bedeutung von Erinnerung und Gedenken hervorgehoben. In seiner Predigt in der Todesangst-Christi-Kapelle betonte der Erzbischof von München und Freising: „So ein Erinnerungstag ist nicht nur historisch wichtig, sondern auch, um etwas über unsere Welt zu lernen und etwas über unseren Glauben zu lernen. Das ist Dachau: ein Ort, sich neu zu vergewissern über den Weg, den wir gehen, als Menschen und als gläubige Christen.“
 
Der Gottesdienst fand anlässlich des diözesanen Gedenktags der seligen Märtyrer von Dachau statt. Bei 40 der 57 seliggesprochenen Märtyrer, die im KZ Dachau inhaftiert waren und dort verstarben, jährt sich 2022 der Todestag zum 80. Mal. „Ein solcher Ort und das Zeugnis der Märtyrer von Dachau sind wichtig für die Gesellschaft von heute, für unser Miteinander“, so Kardinal Marx. Es sei wichtig, „Dachau nicht zu einem musealen Erinnerungsort zu machen, sondern zu einem Ort, wo begriffen wird, verstanden wird, wo wir in die Wahrheit geführt werden.“
 
Vielfach sei nach dem Zweiten Weltkrieg gefragt worden, ob man überhaupt noch beten, überhaupt noch von Gott sprechen könne. „Ja, man muss – aber anders“, sagte der Erzbischof. Angesprochen werden müsse „nicht der allmächtige Gott – sondern der leidende Gott, der lebendige Gott, der Gott, der unser Bruder geworden ist, der Gott, der uns nicht allein lässt, der im Leben und Sterben mit uns geht, leidenschaftlich, liebend, nahe, ein Gott, der trotz allem und in allem auch in der Nacht der Hölle bei uns ist“. Eine Gottesidee, die das Leid der Menschen nicht berücksichtige, sei „nichts wert“, betonte Kardinal Marx: „Gott geht mit seiner ganzen Existenz in die Welt ein, und er wird diese ganze Welt mit ihren Leiden, mit ihren Wunden heilen, zu Ende führen, in sich aufnehmen.“
 
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von der Münchner Dommusik unter Leitung von Domkapellmeisterin Lucia Hilz. Es erklang die „Dachauer Messe“ des ehemaligen Häftlings und Benediktinerpaters Gregor Schwake OSB (1892-1967). Diese Messe komponierte der Benediktiner 1944 im KZ Dachau, hier wurde sie im selben Jahr auch heimlich uraufgeführt. Im Gottesdienst wurde zudem ein Text von Titus Brandsma (1881-1942) vorgetragen. Der niederländische Ordenspriester, Journalist und Professor für Philosophie wurde am 15. Mai 2022 in Rom als erster der seligen Märtyrer von Dachau heiliggesprochen.
 
Der Gedenktag für die seligen Märtyrer von Dachau wird in der Erzdiözese München und Freising seit 2017 auf Initiative von Kardinal Reinhard Marx am 12. Juni begangen. Am Vortag wurde in diesem Jahr in Polen in besonderer Weise an Schwester Maria Felicitas Ellmerer aus dem oberbayerischen Grafing erinnert: Sie wurde im Dom zu Wrocław, dem früheren Breslau, seliggesprochen. Sr. Maria Felicitas, 1889 in Grafing geboren und auf den Namen Anna getauft, tritt 1911 der Kongregation der Schwestern von der Heiligen Elisabeth bei und wird am 24. März 1945 in Neisse, dem heutigen polnischen Nysa, von Soldaten der sowjetischen Roten Armee erschossen, als sie sich und andere Frauen vor drohenden Vergewaltigungen schützt. (bs/cs)

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