Der Mann, der den letzten Schlüsselbund trug: Zum 80. Geburtstag von Bruder Sebastian Fischer CMM

Der Mann, der den letzten Schlüsselbund trug: Zum 80. Geburtstag von Bruder Sebastian Fischer CMM

Bruder Sebastian Fischer CMM © missionare von mariannhill

Stell dir vor, du wärst derjenige, der immer wieder Todesnachrichten überbringen muss, der unzählige Beerdigungen organisiert und daran teilnimmt. Stell dir vor, du trägst die Verantwortung für die Pflege betagter Mitbrüder in der verletzlichsten Phase ihres Lebens, behältst sie aufmerksam im Blick und bist ständig in Bereitschaft – manchmal sogar auf Kosten deines eigenen Schlafs.
Und dann stell dir vor, du leitest eine Gemeinschaft und erhältst die Nachricht, dass das große Haus aufgegeben werden muss, weil es logistisch nicht mehr zu halten ist. Stell dir den Preis des Gehorsams und der Loslösung vor, die Übung von Vertrauen, Ausdauer, Geduld und Demut. Stell dir die vielen kleinen Details vor, die mit der Räumung eines so großen Gebäudes verbunden sind – vom größten Kruzifix in der Kapelle bis zu den kleinsten in den privaten Zimmern der Brüder. Du bist fast achtzig Jahre alt, hebst schwere Lasten, trägst Verantwortung und ziehst aus einem Ort aus, an dem du Jahrzehnte gelebt hast.
Die Leitung Bruder Sebastians in der Gemeinschaft von Reimlingen, als letzter Superior des Hauses in seinen letzten Jahren, ist eine Geschichte großer Tapferkeit. Man erinnert sich nicht verschwommen daran, sondern als Sammlung kleiner Szenen – eine Vignette nach der anderen.
Bruder Sebastian Fischer ist vielen Menschen in Deutschland als Reisebruder bekannt. Geboren wurde er 1946 in Lauda. Bereits im Alter von 16 Jahren kam er in das Missionshaus St. Josef in Reimlingen, um dort eine Lehre als Buchbinder zu machen. 1965 legte er seine Ordensgelübde ab. Seit 1970 bis heute betreut und besucht er als Reisebruder die Freunde, Förderer und Wohltäter der Missionare von Mariannhill. Seit 1980 war er verantwortlich für das Pflegeheim der Gemeinschaft, und von 2007 bis zur Auflösung des Missionshauses in Reimlingen im Juni 2025 war er dessen Hausoberer und Koordinator. Seither gehört er zur Hausgemeinschaft in Würzburg.
Wir danken Bruder Sebastian für seinen Mut als Missionar, für seinen tiefen Glauben und seine Liebe im Dienst an alten wie jungen Mitbrüdern. Er wird immer in Erinnerung bleiben als der Mitbruder, der die letzten Schlüssel von Reimlingen trug.