Deutscher Katholikentag in Würzburg
von Frater Anthony Nonso Dim CMM
Sonntag, Würzburg, 17. Mai 2026. Unter einem brütenden blauen Himmel, durchzogen von wirbelnden Wolken, trägt sich die Stimme von Bischof Heiner Wilmer, dem neu gewählten Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, über den Hof der Würzburger Residenz. Sie erreicht jeden Winkel des Ortes, ohne jedoch zu ihm zurückzukehren oder zu verhallen: Moderne Mikrofontechnik. Und der Platz ist voll.
Als die Messe endet, löst sich die Menge in kleine Gruppen auf, die Worte des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz – „Mut haben, aufstehen und losgehen“ – noch frisch, noch kraftvoll. Diese sanfte Ermahnung wird zum natürlichen Nachsatz des diesjährigen Katholikentag‑Mottos: „Hab Mut, steh auf.“ Das Motto ist überall zu sehen: am Bahnhof, am Kiliansdom, in der ganzen Stadt Würzburg, gedruckt auf T‑Shirts, Einkaufstüten und Broschüren, und weiße Zelte, die die Stadt Würzburg wie Schneeflocken überziehen, wenn man sie von der Alten Mainbrücke aus sieht.
In Würzburg war 100 Jahre zuvor ein mächtiges Gebäude errichtet worden, um mutige Missionspriester auszubilden, die aus dem deutschsprachigen Raum nach Afrika gesandt werden sollten – nach der offiziellen Gründung der Missionare von Mariannhill im Jahr 1909 durch ein Dekret von Papst Pius XI., nach dem das Piusseminar benannt ist. So entstand der Raum zum Träumen; so wurde das Piusseminar als Erfüllung dieser missionarischen Vision gebaut.
Das Piusseminar wurde 79 Jahre nach dem ersten Katholikentag errichtet, der 1848 als Versammlung katholischer Gläubiger in Deutschland begann. Seitdem hat es subtile und weniger subtile politische und gesellschaftliche Umbrüche überdauert – darunter zwei Weltkriege. Die Versammlung entstand in den revolutionären Wirren als Generalversammlung der Katholischen Vereine Deutschlands, organisiert von Adam Franz Lennig, um die bürgerlichen Rechte der Katholiken zu stärken und das Verhältnis zwischen Kirche und Staat zu festigen.
Es ist daher nur folgerichtig, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, und Bundeskanzler Friedrich Merz anwesend waren – ebenso wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der in seiner auf Einheit zielenden Ansprache bemerkte, dass es für den gesellschaftlichen Zusammenhalt hilfreich sein könne, darüber nachzudenken, dass der andere vielleicht nicht völlig Unrecht hat.
Ebenso passend ist es, dass Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), diesen Katholikentag als einen wichtigen bezeichnete – in einer Zeit, in der Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt bedroht sind. Der gastgebende Bischof von Würzburg, Dr. Franz Jung, beschrieb den Katholikentag als wertvolle Plattform für konstruktiven Dialog. Und ein Vertreter des Vatikans, Kardinal Mario Grech, Generalsekretär der Bischofssynode, nahm an einer Podiumsdiskussion teil und konzelebrierte beim Schlussgottesdienst, einer unter vielen Geistlichen und Gläubigen aus nah und fern, die die Universalität der katholischen Kirche sichtbar machten, ebenso wie die Vielzahl der Sprachen, die während der fünf Tage vom 13. bis 17. Mai in den Liturgien in Würzburg zu hören waren.
Im Geist des diesjährigen Imperativs – „Hab Mut, steh auf“ – dankte Bischof Wilmer für die Ansprache von Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, der beim Schlussgottesdienst dazu aufrief, mutig gegen Antisemitismus aufzustehen. Das passt – in Ort und Zeit: in Würzburg, nur wenige Gehminuten von jenem Ort entfernt, an dem Mariannhills Pater Engelmar Unzeitig Theologie studierte und jene Überzeugungen formte, die ihn später zur Kritik am Hitler-Regime führten, zu seiner Verhaftung, seiner Inhaftierung in Dachau und schließlich zu seinem Tod.
Der Katholikentag fand nur wenige Wochen vor einer Wallfahrt zu Ehren von Pater Unzeitig in Glöckelberg statt – und ein Jahr bevor das Piusseminar sein 100-jähriges Jubiläum als dauerhaftes Denkmal missionarischen Mutes feiert. Und wie lautet noch einmal jener Satz von G. K. Chesterton – irgendetwas darüber, dass Zufälle geistliche Wortspiele seien? Und ist Abt Franz Pfanners oft zitiertes „Wenn keiner geht, gehe ich“ nicht bemerkenswert ähnlich dem diesjährigen Katholikentagsmotto?
Was bedeutet der Katholikentag in diesem eher ungünstigen Jahr, in dem die wirtschaftliche Ordnung der Welt aus den Fugen zu geraten scheint, in dem die Demokratie bedroht ist, in dem die Enzyklika von Papst Leo über unseren neuen „Nachbarn“ namens Künstliche Intelligenz kurz vor der Veröffentlichung steht, in dem Terror und Christenverfolgung in Regionen wie Nordnigeria anhalten, in dem hitzige Debatten über Migration, ökologische Krisen, die Spannungen zwischen Russland und den NATO-Staaten, das allgegenwärtige Gefühl geopolitischer Fragmentierung und zunehmende Hasskriminalität die öffentliche Diskussion prägen?
Wofür steht man auf, zehn Jahre nach der Seligsprechung von Pater Unzeitig, ein Jahr nach dem 200. Geburtstag von Abt Franz Pfanner? Diese Fragen haben für Mariannhiller und ihre Weggefährten sowohl geistliches als auch politisches Gewicht.
Mariannhiller Mitbrüder aus dem Piusseminar waren selbstverständlich anwesend, lebendig, begeistert und voller missionarischem Eifer. Ein herzlicher Dank gilt Pater Hubert Wendl für die Organisation. Hab Mut. Steh auf. Und Missionare wissen, dass es damit nicht endet: wir machen weiter beim Aufbrechen. Der nächste Katholikentag wird 2028 in Paderborn, Nordrhein-Westfalen, stattfinden.
