Missionare von Mariannhill
 
01.07.2010
Missions-Magazin Mariannhill: Die liebevolle Anwältin
Österreicherin engagiert sich zwei Jahre für die Menschen in der Diözese Lae in Papua Neuguinea. Jetzt ist sie zurück in der Heimat
Missions-Magazin Mariannhill
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Mariannhill: Frau Eva Böhm, würden Sie sich bitte unseren Lesern kurz vorstellen.

Eva Böhm: 1964 wurde ich in Klagenfurt im Süden von Österreich geboren, eine Gegend, die ich, je mehr ich in der Welt herumkomme, immer mehr wegen ihrer wunderschönen Landschaft und ihrer Lebensqualität schätze. Zum Studium zog es mich schließlich nach Wien. Ich habe Rechtswissenschaften studiert und war danach als Assistentin am Uni-Institut für Kirchenrecht tätig. Dort wurde mein Interesse für Theologie geweckt, und durch das Entgegenkommen meiner damaligen Chefin konnte ich auch dieses Studium noch nebenbei abschließen. Ich wusste immer schon, dass ich nicht in den klassischen juristischen Berufen wie Richterin, Rechtsanwältin oder in der Wirtschaft arbeiten will. 1994 ging ich für ein Jahr nach Indien, um in verschiedenen Sozialprojekten mitzuhelfen. Diese Erfahrungen haben mich sehr geprägt, ich habe erkannt, dass ich unendlich reicher beschenkt werde, als ich selbst geben kann. Es stand schon damals für mich fest, dass ich wieder einmal in ein Sozialprojekt in einer uns fernen Kultur gehen möchte. Zuerst habe ich aber in Wien in einer Beratungsstelle für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen gearbeitet, danach acht Jahre lang als Anwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt. Ab Januar 2007 war ich als Entwicklungshelferin in Papua Neuguinea und habe bei den Missionaren von Mariannhill in der Diözese Lae in den Sozialprojekten der Kirche mitgearbeitet. Dabei hat es mich selbst erstaunt, wie wenig ich meine Freunde und Hobbys in Wien vermisst habe. Normalerweise gehe ich dreimal pro Woche in die Oper oder ins Theater, immer auf Stehplatz - so habe ich für ganz wenig Geld schon viele Sternstunden erlebt! Das habe ich in Lae aber eigentlich gar nicht vermisst.

Mariannhill: Sind Sie sehr traurig, dass Sie wieder nach Österreich zurückkehren mussten?

Eva Böhm: Ja, die Rückkehr ist mir sehr schwer gefallen. Wenn man so intensiv mit den Menschen zusammenlebt, ihre Nöte und Sorgen um das tägliche Überleben oder um menschenwürdige Bedingungen täglich vor Augen hat, kann man sich nicht einfach verabschieden und hier in Europa so weiterleben, als gäbe es die andere Welt nicht. Ich frage mich auch jetzt noch täglich, wie es wohl diesem oder jenem Kind, dieser oder jener Frau, die ich täglich auf der Straße oder auf dem Gelände der Pfarre St. Mary´s gesehen habe, gehen mag. Zwei Jahre sind sehr kurz, um etwas aufzubauen. Man kommt über erste Anfänge nicht hinaus. Ich bewundere die Missionare und Schwestern, die schon seit Jahrzehnten und unter vielen Schwierigkeiten und mit Rückschlägen in Lae mit den Menschen leben und arbeiten. An ihren Erfahrungen sieht man, wie lange auch kleinste Veränderungen brauchen, vor allem bis sie von den Menschen selbst an- und aufgenommen und nicht nur von außen gutgemeint aufgesetzt werden. Es war schwer, alles so unfertig zurücklassen zu müssen. Leider lief meine Karenzzeit in der Gleichbehandlungsstelle aus, daher konnte ich meinen Einsatz in Lae nicht verlängern.

Mariannhill: Welche Aufgaben hatten Sie in Papua Neuguinea?

Eva Böhm: Ich sollte die sozialen Aktivitäten der Diözese unterstützen, wobei im Grunde mir überlassen war, mit welchen Gruppen ich arbeiten oder welche Initiativen ich setzen möchte. In den ersten Monaten habe ich versucht, mir einen Überblick zu verschaffen, was für Projekte es innerhalb der Kirche, aber auch außerhalb - bei Nichtregierungsorganisationen und auf lokaler und Provinzregierungsebene - gibt, und habe dann dort begonnen, wo es Interesse und Kooperationsbereitschaft von einheimischen Ansprechpartnern gab. Ich habe wöchentlich in der von Bruder Werner aufgebauten Berufsschule unterrichtet und in den zwei Jahren mit den etwa 30 jungen Männern und Burschen, die dort zum Metallarbeiter ausgebildet werden, ein so gutes Verhältnis aufgebaut, dass auch Themen wie Schwangerschaft, die Rolle von Männern in der Kindererziehung oder die körperlichen Veränderungen in der Pubertät besprochen werden konnten - lauter Themen, die ansonsten in der schulischen wie familiären Erziehung tabu sind. Wir haben aber auch über Gewalt, Menschenrechte, die Folgen von Jugendarbeitslosigkeit und Ähnliches gesprochen. Es war für mich eine Freude zu sehen, wie die Burschen mehr und mehr gelernt haben, eigene Meinungen zu haben und diese auch zu äußern. Regelmäßig habe ich auch Seminare für Frauen abgehalten - mit Informationen, was sie gegen Gewalterfahrungen tun können, und dazu Polizistinnen, eine junge Richterin und einen Gynäkologen eingeladen. Die Seminare sind überhaupt gut angekommen. Einmal hatte ich ein Wochenende nur mit Männern - da ging es um Gewaltfreiheit in der Familie, die Drogenproblematik, Aids und auch ganz viel um Schwangerschaft und Geburt - biologisches und psychologisches Wissen dazu. Gemeinsam mit einer sehr engagierten Frau aus der evangelischen Kirche haben wir ein wöchentliches Programm im Frauentrakt des Provinzgefängnisses gestaltet - Lebenskunde wie Hygiene, Kochen, Nähen, aber auch hier viel über das Thema Gewalt gesprochen. Fast alle der etwa 25 inhaftierten Frauen sind Mörderinnen ihrer Männer oder der "Nebenbuhlerin" , es ging da also ganz stark um Gewalt, die auch von Frauen verübt wird und was sie für Folgen hat (so leiden fast alle diese Frauen extrem darunter, dass sie ihre Kinder nicht sehen dürfen; manche wissen gar nicht, bei wem ihre Kinder leben, ob sie in die Schule gehen - es gibt ja keine "Jugendfürsorge" und kein Sozialamt, das auf diese Dinge schauen würde) und wie man mit dem Schmerz, als Frau betrogen oder mit vier Kindern verlassen zu werden, so umgehen kann, dass man sich nicht selbst am meisten schadet. Sehr nahe habe ich mich auch den Straßenkindern gefühlt, die täglich bei Pater Arnold, dem Pfarrer von St. Mary´s, vor der Tür standen. Es wäre unser größter Wunsch gewesen, für diese Kinder ein Tageszentrum aufzubauen, einen Sozialarbeiter auszubilden und anzustellen und diese Kinder mit sinnvollen Programmen, einem warmen Essen, medizinischer Grundversorgung und einer Duschmöglichkeit zu unterstützen. Leider konnte vom Bischof in den zwei Jahren kein Raum zur Verfügung gestellt werden. Pater Arnold hat dafür flächendeckend Literacy classes eingerichtet - kleine Gruppen von Jugendlichen und Erwachsenen, die lesen und schreiben lernen. Ich habe mich um die Anfangsfinanzierung und die Ausbildung der Lehrer und Lehrerinnen für diese Gruppen gekümmert - die Literacy classes laufen bis heute toll und funktionieren in den einzelnen Pfarreien sehr gut. Zu guter Letzt konnte ich auch noch das Geld für einen richtigen Schulanbau auftreiben - zwei neue, große Klassenzimmer und neue Toiletten sind in der überfüllten St. Martin´s Primary School dazugekommen, in die hauptsächlich Kinder aus einem der ärmsten Slums von Lae gehen.

Mariannhill: Wie war die Zusammenarbeit mit den Missionaren von Mariannhill und den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut? Gab es gemeinsame Interessen, die über Ihre Arbeit hinausgingen?

Eva Böhm: Besser hätte ich mir die Zusammenarbeit nicht wünschen können. Am schönsten für mich war, dass ich sofort als gleichwertig, mit aller Offenheit und richtiggehend freundschaftlich von den Mariannhiller Missionaren aufgenommen wurde - ohne Ausnahme. Ich habe große Bewunderung für das enorme Arbeitspensum der Missionare, aber auch dafür, wie sie mit persönlichen Enttäuschungen umgehen, wenn z.B. jemand, dem sie jahrelang geholfen haben, sie dann plötzlich bestiehlt oder mit Lügengeschichten versucht, Geld herauszulocken. Die beiden Missionarinnen vom kostbaren Blut haben mich durch ihre Disziplin beeindruckt, ihre absolute Verlässlichkeit in den vielen kleinen, aber notwendigerweise jeden Tag zu erledigenden Dingen. Mit allen gemeinsam hatte ich wohl die Liebe zu Land und Leuten, wenngleich man meinen kurzen Aufenthalt nicht mit den vielen, vielen Geschichten und Erlebnissen vergleichen kann, die die seit fünfzig Jahren im Land befindlichen Missionare erzählen können, aber auch das Bedürfnis, etwas gegen die sozialen Un­gerechtigkeiten zu tun - gegen eine Regierung, die sich um die Sicherstellung der Grundbedürfnisse ihrer eigenen Bürger kaum bis gar nicht kümmert.

Mariannhill: Welchem Bild von Papua Neuguinea begegnen Sie in Österreich oder Europa?

Eva Böhm: Mein Eindruck ist, dass Papua Neuguinea immer noch das “Unbekannte Land” ist. Auch ich wusste , bevor ich vor meiner Ausreise anfing, mich intensiv mit dem Land zu beschäftigen, nichts darüber, außer dass es dort Männer mit rot und gelb geschminkten Gesichtern gibt. Ich werde gefragt, ob es in Papua Neuguinea noch Menschenfresser und primitive Stämme gibt, welche Sprache dort gesprochen wird, ob die Regierung sehr korrupt ist. Die meisten Menschen wissen gar nicht, wo das Land genau liegt - das hätte auch ich Ihnen vorher aber nicht sagen können....

Mariannhill: Worin unterscheidet sich für Sie die papuanische von der österreichischen Mentalität?

Eva Böhm: Das ist eine sehr schwierige Frage, denn zwei Jahre sind eine viel zu     kurze Zeit, um eine fremde Mentalität, noch dazu in einer so anderen Kultur, auch nur ansatzweise zu verstehen. Sofort auffällig ist das Wantok-System, die unbedingte Unterstützung für alle Familien- und Clanangehörigen, die die gleiche Sprache sprechen wie man selbst. Unterstützt zu werden, besonders finanziell, wird für alle Beteiligten als selbstverständlich betrachtet. Wer ein Einkommen hat, muss zunächst einen Großteil davon verteilen - um die Begräbniskosten des Cousins 3. Grades mit­zuzahlen, das Schulgeld der Kinder der Schwester der Schwägerin und den Fotoapparat des Onkels. Was noch übrigbleibt, hat man dann selbst zum Leben. In Papua Neuguinea gibt es auch keine "Singles" in dem Sinne, dass es Ein-Personen-Haushalte gäbe. Die Menschen wohnen in Großfamilien, auch wer in der Stadt ein Haus hat, wird dieses sofort mit unaufgefordert angereisten entfernten Verwandten und Nachbarn aus dem Heimatdorf teilen müssen. Natürlich ist er dann auch für deren Verpflegung zuständig. Dahinter steht natürlich die jahrtausendealte Erfahrung, dass der Clan nur als ganzes überleben kann, dass man intern zusammenhalten muss, um nach außen, gegen die angreifenden Stämme, stark zu sein. Eine Person wird nicht als Individuum und individuelles Wesen gesehen, sondern primär als Mitglied des Clans. Für meine Arbeit brachte das die Herausforderung mit sich, dass man auch das westliche Konzept von Menschenrechten nicht eins zu eins übertragen kann, sondern sich überlegen muss, wie ich einzelnen benachteiligten Personen, z.B. geschlagenen Frauen, helfen kann, ohne die Gruppe oder andere Mitglieder der Gruppe als ihr Gegenüber darzustellen, gegen das sie sich zur Wehr setzen muss. Sie wird sich nie als "einzelne" erleben, die gegenüber dem Clan ein Recht durchsetzen will.

Mariannhill: Welchen Unterschied gibt es für Sie im kirchlichen Leben Papua Neuguineas und dem in Österreich?

Eva Böhm: Das Augenscheinlichste war für mich, wie sehr die Priester und auch die Bischöfe ganz normal, ohne Abgehobenheit, mit den Menschen leben. Unser Bischof wie auch der Pfarrer der Kathed­rale St. Mary´s haben am Abend das Geschirr gewaschen, ihr Auto hergeborgt, Pater Arnold hat sogar die Kirche selbst geputzt. Es gibt keine Amtsstunden, keine Voranmeldung, kein Sekretariat, das Leute auf den Sankt-Nimmerleinstag verschiebt. Wer etwas will, steht vor der Tür. Persönlich habe ich die Predigten von Pater Arnold als große Bereicherung erlebt. Geschichten, Symbole, Anekdoten, die er jedes mal einbaute, haben die Einheimischen und mich gleichermaßen angesprochen und das Wort Jesu für uns ganz persönlich lebendig gemacht. Schön waren auch die Vorfreude und der Ehrgeiz, mit denen die Menschen die Liturgie vorbereitet haben. Die Gruppen haben oft wochenlang vorher mit den Gesangsproben begonnen und legten immer Wert auf perfekten traditionellen Schmuck. Die Kirche war immer voll, obwohl die Messen nie unter 90 Minuten dauerten, verging die Zeit wie im Flug und waren nie langweilig oder öd wie in unseren Breitengraden leider so oft. Besonders positiv empfand ich den Umgang der Menschen mit ihren Toten - die Särge stehen während der Begräbnismesse in der Kirche, haben ein kleines Glasfenster, das geöffnet wird, dann kann man noch einmal daran vorbeiziehen und Abschied nehmen. Es ist üblich, dass Verwandte in der Kirche für ihre Verstorbenen deren Lieblingslied singen - ein immer sehr bewegender Moment, der so etwas wie eine letzte Liebestat für die Toten ist, denn Musik spielt im Leben der Neuguineer eine große Rolle. Ein schönes Zeichen dafür, dass wir alle gemeinsam die gleiche Kirche sind, war für mich besonders kurz nach meiner Ankunft die Tatsache, dass ich mich in einem fremden Land, mit einer Sprache, die ich noch nicht verstand, am Sonntag in die Messe begeben kann und trotzdem immer ganz genau weiß, was jetzt gerade geschieht, dass ich gleich teilnehmen und trotz des äußeren Fremdseins ganz dabei und mittendrin sein kann. 

Mariannhill: Wie ist es um die Rolle der Frau in Papua Neuguinea bestellt?

Eva Böhm: Frauen haben auf dem Papier, ausdrücklich auch in der Verfassung des Landes, die gleichen Rechte. Zu meinem Erstaunen hat auch jeder schon das Wort "gender equality" gehört - die Leute haben zu diesem Begriff zumindest eine Vorstellung, was man wohl von der Durchschnittsbevölkerung bei uns nicht so behaupten kann... In der Realität sieht es natürlich anders aus. Beruflich haben Frauen wohl weniger Hindernisse zu erwarten als in Mitteleuropa, da das Thema Kinderbetreuung keines ist - es ist selbstverständlich, dass Mütter, Schwestern, Tanten oder Cousinen die Kinderbetreuung übernehmen, während die Frau arbeiten geht. Im Dorf nimmt eine Frau die Kinder ohnehin mit in den Garten und aufs Feld. Was aber die Würde und die Wertschätzung gegenüber Frauen betrifft, haben die Männer noch sehr viel aufzuholen. Ehestreitigkeiten werden oft mit extremer Brutalität beendet, indem Männer ihren Frauen mit einem Buschmesser Hand oder Fuß abhacken. Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Besonders häufig kommt es vor, dass junge Mädchen von einer ganzen Gruppe Männer vergewaltigt werden. Viele Frauen sind selbst der Überzeugung, dass es dem Mann zusteht, sie zu schlagen, wenn sie seiner Meinung nach etwas falsch gemacht haben. Dabei leisten Frauen Großartiges. Während Männer mit dem Leben in der Stadt, wo sie plötzlich keine anerkannte Rolle mehr haben, nicht zurechtkommen und zum Alkoholiker werden, erhalten Frauen die Familie, indem sie auf dem Markt Gemüse verkaufen. In vielen Familien, gerade in den Slums, sind es die Frauen, die für das Überleben sorgen, denn entweder sind die Männer ohnehin davongelaufen oder unfähig und unwillig, die Mühe regelmäßiger Arbeit auf sich zu nehmen. Zu mir kam eine junge, sehr gut ausgebildete Frau. Sie hat die Schule bis zur 12. Klasse besucht und danach als Friseurin in einem Hotel gearbeitet - mit sehr gutem Einkommen. Ihr Mann war Analphabet, arbeitslos und Alkoholiker, betrachtete aber seine Frau als nicht gut genug. Er nahm ihr regelmäßig das gesamte Geld ab und versoff es am Abend mit seinen wantoks. Die Frau war verzweifelt, weil sie nicht einmal das Schulgeld für ihre beiden Töchter bezahlen konnte. Mit Unterstützung ihrer Chefin schaffte es die junge Frau, sich von ihrem Mann zu trennen. Sie zog mit den Töchtern zu ihrer Schwester und überließ nur noch einen Teil ihres Einkommens ihrem Mann. Dieser zog daraufhin bei seiner ebenfalls arbeitenden Schwester ein, die ihn nun nach dem wantok-System miterhalten muss, ob sie will oder nicht. Für mich hat sich vor allem gezeigt, welche Kraft und welches Durchhaltevermögen die Frauen haben. Würden sie sich gehen lassen wie die Männer, wäre vor allem das städtische Umfeld in PNG ein Sumpf an Hoffnungslosigkeit. Das aus Afrika bekannte Sprichwort “Hilfst du einer Frau, sich selbst zu helfen, hilftst du einem ganzen Dorf” hat auch für PNG volle Gültigkeit.

Mariannhill: Gibt es Hilfsprojekte, die man besonders unterstützen soll?

Eva Böhm: Mit dem entsprechenden Geld könnte man Räume für das Tageszentrum für die Straßenkinder anmieten oder kaufen und das Projekt, das bisher am geeigneten Ort gescheitert ist, doch noch in die Tat umsetzen. Auch die laufende Führung eines solchen Zentrums kostet natürlich Geld - die Bezahlung mindestens eines Sozialarbeiters, Essen für die Kinder, die medizinische Versorgung. Aber auch außerhalb einer solchen institutionellen Struktur ist die von Pater Arnold Schmitt geleistete Arbeit mit den zahlreichen Straßenkindern natürlich vor allem eine Frage des Geldes. Er bezahlt für sehr viele Kinder, deren Familien es sich nicht leisten können, einen Teil des Schulgeldes. Die Hungrigsten unter ihnen werden von ihm mit Keksen und Packerlsuppe versorgt. Manchmal gelingt es ihm, von zu Hause ausgerissene und seitdem auf der Straße lebende Kinder zu einer Rückkehr in ihr Dorf zu bewegen - unter Bezahlung des Busgeldes. Die Literacy classes sollten weitergeführt und auf noch andere Slums ausgedehnt werden. Schließlich verdient die von der Diözese Lae betriebene Ambulanz “Center of Mercy” jegliche Unterstützung - dort wird die Schlange der Patienten täglich immer länger, weil die staatlichen Ambulanzen und Kliniken wegen Misswirtschaft und Korruption oft nicht einmal mehr Pflaster oder einen simplen Verband vorrätig haben. Das “Center of Mercy” hat vor kurzem eine eigene Mutter-Kind-Abteilung eröffnet und ist damit höchst fortschrittlich auf dem Gebiet der Schwangerschaftsvorsorge und Kleinstkinderbetreuung in einem Land, in dem wegen mangelnder Vorsorge die Sterblichkeitsrate von Müttern und Kindern bei der Geburt extrem hoch ist. Und meiner Lieblingsschule, den Burschen mit der Metallerausbildung, würde ich natürlich auch einen neuen Anstrich und bessere Ausstattung wünschen...

Mariannhill: Möchten Sie noch einmal nach Papua Neuguinea zurückkehren?

Eva Böhm: Kein Tag, kaum eine Stunde vergeht ohne Sehnsucht nach Papua Neuguinea. Um mich selbst noch ein bißchen in Wunschträumen zu wiegen, habe ich bis jetzt die Koffer noch nicht verräumt.

Mariannhill: Frau Böhm wir danken Ihnen für das ausführliche Gespräch!

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