Verehrte Angehörige, Verwandte,
Freunde und Bekannte von Br. Kletus, verehrte Trauergemeinde!
Die Worte des Evangeliums, das wir
gerade gehört haben, sind uns bereits gestern als Frohe Botschaft
des 12. Sonntags im Jahreskreis begegnet. Es sind Worte des Herrn,
die uns in die Mitte christlichen Glaubens und Hoffens führen
können, gerade auch im Zusammenhang von Tod und Beerdigung eines
Mitbruders.
„Für wen haltet ihr mich?“, fragt
Jesus seine Jünger. Es ist die Frage an jede und jeden von uns, eine Frage, der wir uns stellen müssen,
wenn wir uns Christen nennen, eine Frage, auf die wir eine Antwort
aus sehr persönlicher Entscheidung geben müssen.
Petrus anwortet für die anderen: Wir
halten dich für den Messias Gottes. Er bekennt damit: „Du bist der
Gesalbte Gottes, der Christus, der voll Sehnsucht am Ende der Zeiten
erwartet wurde, in dem Gott selbst als der große Heilbringer erhofft
wurde. Gottes Heilshandeln ist in dir schon Wirklichkeit geworden.“
- Jesus weist dieses Bekenntnis nicht zurück. Er will aber nicht,
dass davon weiter geredet wird. Und er fügt der gängigen
Messiasvorstellung einen völlig fremden Akzent hinzu: Der
Menschensohn müsse vieles erleiden, er werde verworfen und getötet
werden, aber am 3. Tag auferstehen. Wir wissen, dass Paulus vor
seiner Glaubenswende mit Gewalt gegen die vorgegangen ist, die den
Gekreuzigten und Auferweckten als den Messias glaubten und
verkündeten. Ein gekreuzigter Messias – undenkbar.
Für wen haltet ihr mich? Wir dürfen
glauben und darauf bauen, dass wir in Jesus Christus in die Liebe und
Zuwendung Gottes und sein Heil hineingenommen sind. Er ist der
menschgewordene Gott in allem uns gleich, auch im Leiden und Sterben.
Er ist nicht nur ein Gott für die guten Stunden des Lebens. Er ist
alle Wege der Menschen mitgegangen und kann uns gerade im täglichen
Kreuz, wer kennt es nicht?, Kraft sein, wenn wir ihm nachfolgen
wollen. Er ist durch seine Auferstehung die große Hoffnung über den
Tod hinaus. Jede und jeder, die ihm und seinem Wort vertrauen, die
nicht ihr Ich, nicht ihre Wünsche und Vorstellungen als Maßstab
ihres Lebens nehmen, werden in ihm ihr Leben retten in alle Ewigkeit.
Seit der Taufe dürfen wir uns Christen
nennen. Eine leere Worthülse? Oder sind wir uns der Würde, die uns
von Gott geschenkt wurde, bewusst? Christsein ist nicht zuerst eine
Lehre, vielmehr eine persönliche Beziehung zu ihm, dem Christus.
Diese Beziehung kann in verschiedenen Lebens-formen gelebt werden.
Eine davon ist die Nachfolge nach den evangelischen Räten. Br.
Kletus wusste sich vom Herrn für diesen Weg angesprochen und ist ihn
gegangen, um in der Gemeinschaft der Missionare von Mariannhill dem
Herrn, der Aufgabe der Gemeinschaft und den Menschen zu dienen.
Br. Kletus ist hier in Reimlingen am 5.
März 1915 geboren, ihm wurde der Name Matthäus gegeben. Seine
Mutter war eine geborene Reimlinger und ging im 1. Weltkrieg, als der
Vater eingezogen war – die Familie wohnte in Nördlingen- hierher.
Nach 5 Jahren Volksschule folgte die gymnasiale Ausbildung in
Dillingen und dann hier im Seminar. Dann griffen die politischen
Ereignisse hart in sein Leben ein. Im Frühjahr 1936 wurde er zum
Arbeitsdienst einberufen. Dann folgten von April 1937 bis April 1939
zwei Jahre Militär. Trotz der drohenden Kriegsgefahr entschloss sich
der junge Mann, ins Noviziat der Gemeinschaft der Missionare von
Mariannhill einzutreten, wurde am 25. April 1939 ins Noviziat
aufgenommen und erhielt den Namen Kletus. Aus dem Noviziat musste er
zum Kriegsdienst einrücken, war längere Zeit auf Kreta eingesetzt
und schließlich an der Ostfront, geriet in russische Gefangenschaft,
aus der er 1945 gesundheitlich angeschlagen entlassen wurde.
Seinen Plan, als Priester und Missionar
zu wirken, hatte er nicht verloren. Er trat nochmals ins Noviziat
ein, legte am 3. Mai 1947 die 1. Profess ab und nahm vom Pius-Seminar
aus das Studium der Philosophie und Theologie an der Universität
Würzburg auf. Nach 6 Semestern musste er aus gesundheitlichen
Gründen diesen Weg aufgeben, blieb aber seinem Ideal treu und diente
nun als Bruder der Gemeinschaft und ihrer Aufgabe.
Er hat verschiedene Dienste übernommen:
Pförtner im Pius Seminar, Assistent von Br. Ingbert, dem
Heilpraktiker hier in Reimlingen, er arbeitete in der
Provinzverwaltung in Würzburg am Röngenring und dann im Pius
Seminar, leistete wieder halbtags Pförtnerdienst im Pius Seminar und
übernahm ab 1987 verschiedene Aufgaben im Missionshaus hier in
Reimlingen. Viele haben ihn in seiner freundlichen Art als Pförtner
des Missionshauses erlebt. Am 26. Januar 2005 ging Br. Kletus ins
Alten- und Pflegeheim hier im Missionshaus. Für Bruder Kletus wurde
es eine besondere Belastung, dass sein Kopf, wie er immer wieder
sagte, nicht mehr so recht mitmachte. Er konnte an guten Tagen sehr
interessant über seine Erlebnisse im Krieg und in der Gemeinschaft
erzählen. „Nehmen wirs, wie es ist“ konnte er immer wieder
sagen. Natürlich machten sich die hohen Lebensjahre bemerkbar. Doch
tagsüber konnte er die meiste Zeit auf sein und auch den Rollstuhl
schiebend durchs Haus gehen. Dabei war es ihm ein besonderes
Anliegen, vor der Kapelle an den verschiedenen Stellen Öllichter
anzuzünden. Solange er konnte, betete er täglich in der Kapelle
oder im Gang davor den Kreuzweg. Auch der Rosenkranz gehörte zu
seinem Tagesrhythmus. Vor gut einer Woche kam ein gesundheitlicher
Einbruch, er wurde immer schwächer bis er dann am Donnerstag Morgen
zu dem heimkehren konnte, der gesagt hat: Wer sein Leben um
meinetwillen verliert, wird es gewinnen.
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