Missionare von Mariannhill
 
22.06.2010
Deutschland: Ansprache bei der Beerdigung von Bruder Kletus Rathgeber

Verehrte Angehörige, Verwandte, Freunde und Bekannte von Br. Kletus, verehrte Trauergemeinde!

Die Worte des Evangeliums, das wir gerade gehört haben, sind uns bereits gestern als Frohe Botschaft des 12. Sonntags im Jahreskreis begegnet. Es sind Worte des Herrn, die uns in die Mitte christlichen Glaubens und Hoffens führen können, gerade auch im Zusammenhang von Tod und Beerdigung eines Mitbruders.

„Für wen haltet ihr mich?“, fragt Jesus seine Jünger. Es ist die Frage an jede und jeden von uns, eine Frage, der wir uns stellen müssen, wenn wir uns Christen nennen, eine Frage, auf die wir eine Antwort aus sehr persönlicher Entscheidung geben müssen.

Petrus anwortet für die anderen: Wir halten dich für den Messias Gottes. Er bekennt damit: „Du bist der Gesalbte Gottes, der Christus, der voll Sehnsucht am Ende der Zeiten erwartet wurde, in dem Gott selbst als der große Heilbringer erhofft wurde. Gottes Heilshandeln ist in dir schon Wirklichkeit geworden.“ - Jesus weist dieses Bekenntnis nicht zurück. Er will aber nicht, dass davon weiter geredet wird. Und er fügt der gängigen Messiasvorstellung einen völlig fremden Akzent hinzu: Der Menschensohn müsse vieles erleiden, er werde verworfen und getötet werden, aber am 3. Tag auferstehen. Wir wissen, dass Paulus vor seiner Glaubenswende mit Gewalt gegen die vorgegangen ist, die den Gekreuzigten und Auferweckten als den Messias glaubten und verkündeten. Ein gekreuzigter Messias – undenkbar.

Für wen haltet ihr mich? Wir dürfen glauben und darauf bauen, dass wir in Jesus Christus in die Liebe und Zuwendung Gottes und sein Heil hineingenommen sind. Er ist der menschgewordene Gott in allem uns gleich, auch im Leiden und Sterben. Er ist nicht nur ein Gott für die guten Stunden des Lebens. Er ist alle Wege der Menschen mitgegangen und kann uns gerade im täglichen Kreuz, wer kennt es nicht?, Kraft sein, wenn wir ihm nachfolgen wollen. Er ist durch seine Auferstehung die große Hoffnung über den Tod hinaus. Jede und jeder, die ihm und seinem Wort vertrauen, die nicht ihr Ich, nicht ihre Wünsche und Vorstellungen als Maßstab ihres Lebens nehmen, werden in ihm ihr Leben retten in alle Ewigkeit.

Seit der Taufe dürfen wir uns Christen nennen. Eine leere Worthülse? Oder sind wir uns der Würde, die uns von Gott geschenkt wurde, bewusst? Christsein ist nicht zuerst eine Lehre, vielmehr eine persönliche Beziehung zu ihm, dem Christus. Diese Beziehung kann in verschiedenen Lebens-formen gelebt werden. Eine davon ist die Nachfolge nach den evangelischen Räten. Br. Kletus wusste sich vom Herrn für diesen Weg angesprochen und ist ihn gegangen, um in der Gemeinschaft der Missionare von Mariannhill dem Herrn, der Aufgabe der Gemeinschaft und den Menschen zu dienen.

Br. Kletus ist hier in Reimlingen am 5. März 1915 geboren, ihm wurde der Name Matthäus gegeben. Seine Mutter war eine geborene Reimlinger und ging im 1. Weltkrieg, als der Vater eingezogen war – die Familie wohnte in Nördlingen- hierher. Nach 5 Jahren Volksschule folgte die gymnasiale Ausbildung in Dillingen und dann hier im Seminar. Dann griffen die politischen Ereignisse hart in sein Leben ein. Im Frühjahr 1936 wurde er zum Arbeitsdienst einberufen. Dann folgten von April 1937 bis April 1939 zwei Jahre Militär. Trotz der drohenden Kriegsgefahr entschloss sich der junge Mann, ins Noviziat der Gemeinschaft der Missionare von Mariannhill einzutreten, wurde am 25. April 1939 ins Noviziat aufgenommen und erhielt den Namen Kletus. Aus dem Noviziat musste er zum Kriegsdienst einrücken, war längere Zeit auf Kreta eingesetzt und schließlich an der Ostfront, geriet in russische Gefangenschaft, aus der er 1945 gesundheitlich angeschlagen entlassen wurde.

Seinen Plan, als Priester und Missionar zu wirken, hatte er nicht verloren. Er trat nochmals ins Noviziat ein, legte am 3. Mai 1947 die 1. Profess ab und nahm vom Pius-Seminar aus das Studium der Philosophie und Theologie an der Universität Würzburg auf. Nach 6 Semestern musste er aus gesundheitlichen Gründen diesen Weg aufgeben, blieb aber seinem Ideal treu und diente nun als Bruder der Gemeinschaft und ihrer Aufgabe.

Er hat verschiedene Dienste übernommen: Pförtner im Pius Seminar, Assistent von Br. Ingbert, dem Heilpraktiker hier in Reimlingen, er arbeitete in der Provinzverwaltung in Würzburg am Röngenring und dann im Pius Seminar, leistete wieder halbtags Pförtnerdienst im Pius Seminar und übernahm ab 1987 verschiedene Aufgaben im Missionshaus hier in Reimlingen. Viele haben ihn in seiner freundlichen Art als Pförtner des Missionshauses erlebt. Am 26. Januar 2005 ging Br. Kletus ins Alten- und Pflegeheim hier im Missionshaus. Für Bruder Kletus wurde es eine besondere Belastung, dass sein Kopf, wie er immer wieder sagte, nicht mehr so recht mitmachte. Er konnte an guten Tagen sehr interessant über seine Erlebnisse im Krieg und in der Gemeinschaft erzählen. „Nehmen wirs, wie es ist“ konnte er immer wieder sagen. Natürlich machten sich die hohen Lebensjahre bemerkbar. Doch tagsüber konnte er die meiste Zeit auf sein und auch den Rollstuhl schiebend durchs Haus gehen. Dabei war es ihm ein besonderes Anliegen, vor der Kapelle an den verschiedenen Stellen Öllichter anzuzünden. Solange er konnte, betete er täglich in der Kapelle oder im Gang davor den Kreuzweg. Auch der Rosenkranz gehörte zu seinem Tagesrhythmus. Vor gut einer Woche kam ein gesundheitlicher Einbruch, er wurde immer schwächer bis er dann am Donnerstag Morgen zu dem heimkehren konnte, der gesagt hat: Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.

Pater Klaus Schnehle CMM | E-Mail
 
 
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