|
Langen bei Bregenz - Für den Präsidenten des Vorarlberger Landtages
Gebhard Halder steht fest, dass Abt Franz Pfanner ein Mann von großer
Energie und ungeheuerlicher Kraft war. „Er ist ein ganz großer Sohn
unseres Landes Vorarlberg.“ Dies sagte Präsident Halder beim Festakt
anlässlich des 100. Todestages von Abt Franz Pfanner am Samstag, 13.
Juni, in Langen. Dass das Lebenswerk von Abt Pfanner über seinen Tod
hinaus immer noch Wellen schlägt, ist für Halder vor allem den
Missionsschwestern vom Kostbaren Blut und den Missionaren von
Mariannhill zu verdanken, welche die missionarische Tätigkeit weiterhin
ausüben. Zahlreiche Missionsschwestern vom Kostbaren Blut und
Missionare von Mariannhill hatten sich gemeinsammit der Bevölkerung
sowie zahlreichen Freunden zu dieser Feier am Samstag, 13. Juni, und
Sonntag, 14.Juni, in Langen eingefunden, um des 100. Todestages von Abt
Pfanner zu gedenken. Besonders freute mansich über das Zusammensein mit
Erzbischof Paul Khumalo aus Pretoria, Südafrika, Abt Anselm van
derLinde, Abtei Mehrerau, Prälat Dr. Benno Elbs, Generalvikar der
Diözese Feldkirch, Generaloberin der Missionsschwestern vom Kostbaren
Blut, Schwester Ingeborg Müller, Generalvikar der Missionare von
Mariannhill, Pater Peter Grand sowie mit den Vertretern der
Landesregierung Vorarlberg LandtagspräsidentGebhard Halder und
Landtagsvizepräsidentin Dr. Bernadette Mennel, Bürgermeister von
Langen, HansKogler sowie dem Bürgermeister von Scheidegg, Ulrich
Pfanner, einem entfernten Verwandten von AbtFranz Pfanner. Wendelin
Pfanner erblickte am 20. September 1825 in Langen nahe Bregenz das
Licht der Welt. Als 25-Jähriger wird er in Brixen zum Priester geweiht.
Seine erste Pfarrstelle tritt er im österreichischen
Haselstauden-Dornbin an. Von 1859 bis 1863 wirkt er als Beichtvater bei
den Barmherzigen Schwestern und als Gefängnisseelsorger in Agram, dem
heutigen Zagreb. 1863 tritt Pfanner als Pater Franz in das
Trappistenkloster Mariawald in der Eifel ein. Sechs Jahre später
gründet er bei Banjaluka das Trappistenkloster Mariastern. 1872 wird er
zum Prior gewählt. Als 54-Jähriger nimmt er am Generalkapitel der
Trappisten im französischen Septfons teil. Unter den Teilnehmern ist
auch Bischof Ricards aus Südafrika. Dieser bittet die Trappisten, eine
erste Niederlassung in Südafrika zu gründen. Prior Franz Pfanner stellt
sich dieser Herausforderung. Zusammen mit 30 Mönchen zieht Pfanner los.
Nach einer Fehlgründung in Dunbrody, Kapprovinz, entscheidet er sich
für einen Ort in der Nähe der Hafenstadt Durban. Am 26. Dezember 1882
gründet Pfanner das Kloster Mariannhill. Drei Jahre später wird er zum
ersten Trappistenabt Südafrikas geweiht. Drei Jahre später, 1885,
holt Abt Franz Pfanner fünf Frauen aus Deutschland als
Missionshelferinnen nach Mariannhill. Dies war die Geburtsstunde der
Missionsschwestern vom Kostbaren Blut, deren Konstitutionen Papst Pius
X. am 2. Oktober 1906 bestätigte. Die junge Gemeinschaft der
Missionsschwestern vom Kostbaren Blut sowie die Trappistenmönche von
Mariannhill wurden täglich aufs Neue herausgefordert - etwa durch den
Bedarf an Bildungsmöglichkeiten oder dem Mangel an medizinischer
Versorgung in Bevölkerung. "Den suchenden Menschen Christus predigen,
ist wichtiger als ein Schweigegebot", entscheidet Abt Pfanner. So wurde
das Kloster Mariannhill binnen weniger Jahre zu einem sozialen Kultur-
und Missionszentrum in Südafrika. Eine ganze Kleinstadt mit Gebäuden,
Schulen, Hospitälern und Werkstätten entsteht. 1886 wird mit der
Missionsstation Reichenau die erste von zahlreichen Außenstationen in
Südafrika errichtet. Im Laufe der Zeit wird der Zwiespalt zwischen der
Regel der Trappisten und der aktiven Missionsarbeit von Mariannhill
immer größer. 1893 legt Abt Franz Pfanner sein Amt nieder und zieht
sich auf die Missionsstation Emaus zurück. Seinem Ideal bleibt er
treu. Bis ins hohe Alter denkt er missionarisch, schreibt ermutigende
Briefe und Berichte, gibt Ratschläge und Tipps jenen, die sich dem
Dienst der Evangelisierung widmen. Am 2. Februar 1909 trennt Papst Pius
X. die Gemeinschaft der Abtei Mariannhill und ihre Außenstationen vom
Trappistenorden und verleiht ihnen Eigenständigkeit: Die Kongregation
der Missionare von Mariannhill ist entstanden. Nur wenige Monate später
stirbt Franz Pfanner am 24. Mai 1909 in Emaus. Das
Missionskonzept von Abt Franz Pfanner stellte nach den Wort von
Generaloberin, Schwester Ingeborg Müller, die damals gängige Methoden
auf den Kopf. „Es war eine Aufsehen erregende Initiative, als er Frauen
einlud, mit den Trappisten zusammen zu arbeiten.“ Nach den Worten von
Schwester Ingeborg sollten sich die Frauen um die Bereiche kümmern, in
denen die Trappisten aus Gründen ihrer Regel sich nicht engagieren
konnten, zum Beispiel im Schulunterricht oder Hausbesuchen.“ „Mit
ihrem weltweiten Projekten in Spitälern oder Schulen zeigten die
Missionsschwestern den Menschen, die am Rande der Gesellschaft
ständen, das auch sie geliebt und geachtet würden.“ Hierfür sprach
Generalvikar Pralät Dr. Benno Elbs den Missionsschwestern vom Kostbaren
Blut den besonderen Dank der Diözese Feldkirch in seinem Grußwort aus. Einen
besonderen Dank verdient nach den Worten des Generalvikars der
Missionare von Mariannhill, Pater Peter Grand, auch die Gemeinde
Langen. Denn in diesem Vorarlberger Ort sei die nie aufgebende Hoffnung
und die allumfassende Liebe von Abt Franz Pfanner nicht nur
grundgelegt, sondern auch gefördert, gestützt und erbetet worden. „Die
Gemeinde von Langen kann stolz auf ihren Sohn sein.!“ Dass das
Erbe von Abt Franz in der Gemeinde Langen noch immer lebendig ist,
wurde unter anderem auch bei der Segnung des Abt Franz Pfanner
Gedenkweges deutlich. Sechs Erinnerungstafeln im Dorfkern würdigen das
Lebenswerk von Abt Pfanner. Jede Tafel ist mit einem Ausspruch von Abt
Pfanner versehen und in einem Folder finden sich dazu Erklärungen. Die
Tafeln finden sich an der Pfarrkirche, dem Friedhof, dem Dorfplatz, dem
Gemeindehaus, unterhalb des Wasserfalls Leckenbach sowie am Abt Pfanner
Haus. Dass das Lebenswerk von Abt Franz Pfanner nicht nur eine
schöne Erinnerung bleiben darf, sondern lebendig gehalten werden
sollte, sprach auch aus den Worten von Erzbischof Paul Khumalo, die er
beim Festgottesdienst in der Pfarrkirche von Langen fand. Es sei der
Traum von Abt Pfanner gewesen dem Auftrag der Kirche zu folgen und das
Evangelium den Menschen zu bringen. „Dazu braucht es auch heute
großherzige Menschen“, so Erzbischof Khumalo. Erzbischof Khumalo
brachte auch seine Hoffnung zum Ausdruck, dass Abt Franz Pfanner eines
Tages heilig gesprochen wird. „Sein Charakter, seine Beziehung zur
Kirche und sein ungeheuerlicher Eifer“, sprechen nach den Worten von
Erzbischof Khumalo dafür. Allerdings braucht es für die Heiligsprechung
von Abt Pfanner laut Pater Dr. Georg Lautenschlager, dem Postulator im
Seligsprechungsprozess von Abt Pfanner noch viel Geduld. „60 Ordner mit
ungefähr 15.000 Dokumenten müssen gelesen und bewertet werden“, mit
diesem Worten informierte Pater Lautenschlager über den aktuellen Stand
im Seligsprechungsverfahren. „Ende Juli 2009 wird eine Kommission in
der südafrikanischen Diözese Umzimkulu zusammentreten, um dieses
Projekt in Angriff zunehmen.“ Den Abschluss der Feierlichkeiten
in Langen bildete ein Konzert in der Pfarrkirche unter der Leitung von
Rudolf Müller an der Orgel sowie Elina Gathof (Flöte) und Magdalena
Winkler (Flöte). Aber auch während der Tage wurden die zahlreichen
Besucher mit musikalischen Leckerbissen durch das Ensemble der
Musikschule Bregenzerwald sowie von örtlichen Musikverein Langen. |